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Blood Diamond

Blood Diamond

(tsch) "Entschuldigung, Sie haben da einen Brunnen am Ohr hängen." Wer Bahn fährt, wird die Plakate der aktuellen Kampagne der Kindernothilfe nicht übersehen haben. Mit markigen Zeilen wird der Passant darauf aufmerksam gemacht, dass Luxus nicht alles ist im Leben. Und Geld sehr viel nützlicher eingesetzt werden kann. Der Verweis auf den teuren Ohrring, womöglich noch mit Brillanten besetzt, soll ein schlechtes Gewissen machen und die Spendenbereitschaft erhöhen. Auch Hollywood hat jüngst Gefallen daran gefunden, sich zunehmend auf die Missstände in der Dritten Welt zu konzentrieren. So wird auch in den USA das vergangene Weihnachtsfest vielleicht etwas weniger gefunkelt haben als die vorhergehenden. Denn was da rechtzeitig zum Endspurt des Geschenkekaufs in die Kinos kam, dürfte so manchem Zuschauer die Lust auf teure Schmuckstücke verdorben haben.

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Da wird doch tatsächlich in einer Multimillionendollarproduktion behauptet, der internationale Diamantenhandel wäre zum Teil auch mit Rohsteinen aus Bürgerkriegsregionen Afrikas gespeist (worden). Das schwebte freilich schon immer als düstere Vermutung durch das öffentliche Bewusstsein, ließ sich aber immer gut verdrängen. Nun aber ist Leonardo DiCaprio, einst niedlicher Draufgänger aus "Titanic", zu einem Symbol unüberhörbarer Kritik geworden. In seinem neuen Film mit dem spektakulären Titel "Blood Diamond" wird die Lupe auf das Sierra Leone der 90er-Jahre gerichtet, wo Warlords mit Waffengewalt ihre friedlichen Landsleute der Freiheit beraubten, sie als Sklaven nach Diamanten graben ließen und zudem ihre Kinder zu willenlosen Soldaten machten.

Den weltweit größten Diamantenproduzenten De Beers kümmerte diese neue Realität im Blockbusterkino insofern, da der Film in den USA das Weihnachtsgeschäft zu ruinieren oder zumindest zu dämpfen drohte. Eine flugs in Auftrag gegebene PR-Aktion, in der jeglicher Vertrieb von Konfliktdiamanten geleugnet wurde, zeigte zumindest die befürchtete Wirkung politisch konnotierter Filme. Freilich fällt es angesichts der betörenden Schönheit all der Diamanten im Schaufenster der Juweliere schwer zu glauben, dass an ihnen - nicht nur im übertragenen Sinne - Blut kleben könnte. Doch was "Last Samurai"-Regisseur Edward Zwick in seinem Afrika-Drama zeigt, wurde von der tatsächlichen Situation im unruhigen Sierra Leone inspiriert.

Als Berater stand Zwick der Journalist Sorious Samura zur Seite, der in seiner Dokumentation "Cry Freetown" (auf DVD erhältlich unter www.cryfreetown.org) den brutalen Schrecken in der Hauptstadt des afrikanischen Staates zeigte. Zwar hat Terry Georges Völkermord-Drama "Hotel Ruanda" gezeigt, dass es auch Hollywood mit seiner Magie und dem zur emotionalen Überfrachtung neigenden Erzählstil nicht gelingen mag, Grausamkeit magenbekömmlich zu präsentieren. Doch Zwicks Versuch einer Aufarbeitung der Ausbeutungsproblematik, die Afrika schon seit dem Aufkommen des Sklavenhandels mit Amerika verfolgt, gelingt verblüffend massenkompatibel.

Gezeigt wird der selbstständige, weiße Diamantenschieber Danny Archer aus Simbabwe, der einen regen Handel mit den Ausbeutern vom Dienst treibt. Gewissensbisse hat er nicht, schließlich muss er ohnehin die meiste Zeit darauf achten, nicht selbst in die Schusslinie zu raten und sich unentbehrlich zu machen. Als aber die attraktive Magazin-Journalistin Maddy (Jennifer Connelly) auftaucht, die einen publizistischen Knüller in der Lebensgeschichte des zynischen Überlebenskünstlers wittert, gerät sein Weltbild immer mehr ins Wanken.

Doch ist Danny gerade dabei, einen äußerst seltenen Riesenrohdiamanten in seinen Besitz zu bringen. Dazu freundet er sich mit dem Einheimischen Solomon Vandy (Djimon Hounsou) an, der, von Rebellen entführt und von seiner Familie getrennt, als dessen Sklave auf den wertvollen Brocken gestoßen ist und ihn sogleich vergraben konnte. Doch sein wahrer Schatz, seine Familie, scheint verschollen, sein Sohn wird zum Kindersoldaten umgepolt. Auf der gemeinsamen Reise müssen sich die drei Jäger und Gejagten gegen jede Menge Unwägbarkeiten zur Wehr setzen.

Es ist eine wahre Freude, Leonardo DiCaprio in der Rolle des mehr und mehr auftauenden Einzelkämpfers zu sehen. Mit südostafrikanischem Dialekt und dem Tick, sein Mutterland mit dem Kolonialbegriff Rhodesien zu bezeichnen, entwirft er seinen Filmcharakter ambivalenter Natur mit dem Potenzial zum Helden. Damit überrascht DiCaprio nach seinem starken Auftritt im Scorsese-Thriller "Departed - Unter Feinden" mit einem weiteren schauspielerischen Höhenflug, der jeglichen Zweifel über sein Talent zunichte macht. An seiner Seite empfiehlt sich der beninische Schauspieler Djimon Hounsou für gewichtigere Rollen in Hollywood. Seine facettenreiche Verkörperung des verzweifelten Vaters hebt sich deutlich von seinen bisherigen Rollen in "The Island" oder im zweiten "Lara Croft"-Abenteuer ab. Auch Jennifer Connelly als Kriegsreporterin wirft viel Verve in die Waagschale und überzeugt. Allein das stereotype Ende, das zum tränenreichen Finale nach altbewährtem Opfer-Dich-Muster avanciert, hätte anders aufgelöst werden sollen.

Leif Kramp

Credits:
V:Warner, USA 2006, R: Edward Zwick, D: Leonardo DiCaprio, Djimon Hounsou, Jennifer Connelly u.a.

Laufzeit: 143 Min.

Kinostart:
25.01.07


Der ehemalige Söldner Danny Archer (Leonardo DiCaprio) will Afrika so schnell wie möglich verlassen.
Der ehemalige Söldner Danny Archer (Leonardo DiCaprio) will Afrika so schnell wie möglich verlassen. (2006 Warner Bros. Ent.)

Danny Archer (Leonardo DiCaprio) kann der Journalistin Maddy Bowen (Jennifer Connelly) bei ihren Recherchen helfen.
Danny Archer (Leonardo DiCaprio) kann der Journalistin Maddy Bowen (Jennifer Connelly) bei ihren Recherchen helfen. (2006 Warner Bros. Ent.)

Während seiner Arbeit auf dem Diamantenfeld entdeckt Solomon Vandy (Djimon Hounsou) einen außergewöhnlichen rosafarbenen Diamanten.
Während seiner Arbeit auf dem Diamantenfeld entdeckt Solomon Vandy (Djimon Hounsou) einen außergewöhnlichen rosafarbenen Diamanten. (2006 Warner Bros. Ent.)

Datum: 22.01.2007

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Artikel ID 180358

 
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