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25 Stunden

25 Stunden

(tsch) Was bitte soll das denn? Da besitzt ProSieben die Rechte für einen qualitativ herausragenden, namhaft besetzten Film und zeigt ihn bei seiner Erstausstrahlung nachts um 00.40 Uhr. Ende: 03.05 Uhr! "Spielfilmsender" nannte man sich mal, und noch immer darf man sich rühmen, die meisten namhaften Hollywood-Produktionen zeigen zu können. Aber hier ließen sich die Münchener offensichtlich von den überschaubaren Zuschauerzahlen in den deutschen Kinos leiten und verbannten "25 Stunden" ins Nachtprogramm. Ginge es um Qualität, hätte der Film von Regisseur Spike Lee einen Sendeplatz um 20.15 Uhr verdient.

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Ein letzter Blick auf die Welt aus dem Fenster des fahrenden Wagens. Gitterstäbe werden bald schon zwischen ihr und Monty Brogan liegen. Sie kommt - die 25. Stunde. Der letzte Tag in Freiheit ist vorüber, und es war einer, den Brogan ebenso wenig vergessen wird, wie all jene, die "25 Stunden" (2002) gesehen haben. - Der Film von Spike Lee ist, neben "Do The Right Thing", der beste seiner Karriere. Ein bewegendes Ensemble-Drama um vergebliche Hoffnungen, geheime Sehnsüchte und nie gelebte Träume.

Edward Norton spielt jenen Monty Brogan, bei dem der Zuschauer eigentlich bis zum Schluss nicht weiß, ob er ihn nun mögen darf oder nicht. Die erste Szene offenbart sein gutes Herz, doch bald schon ist klar, dass Brogan nicht mehr ist als ein Drogendealer, der seine Strafe verdient hat. Die bekommt er denn auch - sieben Jahre Haft. 24 Stunden sind es noch, bis er sich am Gefängnistor einzufinden hat, und der Film beschreibt die Ereignisse bis dorthin.

Dabei geschieht im Leben des Monty Brogan eigentlich wenig. Vielmehr nimmt er und mit ihm der Zuschauer die Beobachterrolle ein. Da sind zum Beispiel seine beiden Freunde: Slaughtery (Berry Pepper) und Jacob (Philip Seymour Hoffman). Zwei, die nicht wissen, wie sie mit dem Schicksal Montys umgehen sollen und dabei ihr eigenes beinahe aus den Augen verlieren. Der schüchterne Lehrer Jacob sieht sich den offensichtlichen Reizen seiner Schülerin (Anna Paquin) ausgesetzt und wehrt sich verzweifelt gegen die Lolita-Träume. Und Slaughtery ist ein vom Erfolg verwöhntes Wall-Street-Großmaul, das vor Selbstbewusstsein nur so strotzt und die anderen Werte des Lebens längst über Bord geworfen hat.

Und schließlich ist da Naturelle (Rosario Dawson) als Freundin an der Seite Montys - eine gutmütige Ratgeberin, die sich dem Verdacht ausgesetzt sieht, sein Vertrauen missbraucht zu haben. War sie es, die ihn bei der Polizei verraten hat? - Nicht so wichtig. Am Ende reduziert der Film die Beziehung auf die Frage, wer wie intensiv leiden muss. "Unser Leben ist vorbei", sagt sie. "Meines ist vorbei. Deines nicht", sagt er. Ein ziemlich unsinniger Wettbewerb um das Recht auf Traurigkeit.

Das alles könnte sich in jeder amerikanischen Großstadt ereignen, aber Spike Lee liebt sein New York und würde "25 Stunden" nur allzu gerne als Film verstanden wissen, der den Big Apple nicht nur als Kulisse, sondern als treibenden Moloch benutzt. Aus amerikanischer Sicht mag so ein Gedanke verständlich sein. Das Zwanghafte, mit dem der Regisseur die Stadt und ihr 11. September-Schicksal einfängt, wirkt für Außenstehende jedoch eher störend und überflüssig. Ein ums andere Mal wird der Blick auf Ground Zero im Hintergrund gelenkt, und es offenbart sich kein Zusammenhang mit der eigentlichen Geschichte.

Seinen Ursprung hat "25 Stunden" in dem hoch gelobten Roman "25th Hour" von David Benioff, der auch das Drehbuch schrieb. Brillant hat Spike Lee die komplexen und tiefgreifenden Figurenkonstellationen der Erzählung auf die Leinwand gebracht. Im Mittelpunkt: jener Monty Brogan, ein mal sensibler, mal skrupelloser Krimineller, der aus der Perspektive eines Hoffnungslosen die Jagd seiner Freunde nach persönlichem Glück beobachtet. Sich selbst hinterfragt er nicht. Das lohnt nicht mehr. Er hat einmal einem Hund, der beinahe verendet wäre, das Leben gerettet. So weit seine guten Taten. Und doch entsteht dank Edward Nortons emotionalem und grundehrlichem Spiel Sympathie für diesen Mann, dessen Leben in Freiheit im Fiasko endet. Am Ende wird er sich seine Flucht erträumen, wird einen Moment lang darauf hoffen, dass der Tag plötzlich eine 25. Stunde haben könnte, die ewig währende Glückseligkeit bringt.

Fantasievolle, aber niemals pathetische Bilder zeigen ein Leben aus einem zunächst fremd erscheinenden Milieu, das aber auf den gleichen Emotionen und Situationen fußt wie jedes andere Leben auch: auf Freundschaft und Liebe, auf Gewinn und Verlust, auf der niemals endenden Diskrepanz zwischen Traum und Wirklichkeit. Einschalten. Rekorder programmieren. Egal. Nur verpassen sollte der Kino-Fan diesen Film nicht.

Kai-Oliver Derks


Monty Brogan (Edward Norton) blickt am Brooklyn River auf die letzten Stunden seines Lebens. Seine freien Lebens.
Monty Brogan (Edward Norton) blickt am Brooklyn River auf die letzten Stunden seines Lebens. Seine freien Lebens. (ProSieben / Touchstone Pictures)

Monty Brogan (Edward Norton, Mitte) stößt mit seinen besten Freunden Slaughtery (Barry Pepper, links) und Jacob (Philip Seymour Hoffman) auf die Freundschaft an.
Monty Brogan (Edward Norton, Mitte) stößt mit seinen besten Freunden Slaughtery (Barry Pepper, links) und Jacob (Philip Seymour Hoffman) auf die Freundschaft an. (ProSieben / Touchstone Pictures)

Kann Monty (Edward Norton) seiner Freundin Naturelle (Rosario Dawson) vertrauen?
Kann Monty (Edward Norton) seiner Freundin Naturelle (Rosario Dawson) vertrauen? (ProSieben / Touchstone Pictures)

Datum: 18.02.2007

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Artikel ID 180509

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