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Leonardo DiCaprio

Auf der Zielgeraden

Schauspieler Leonardo DiCaprio

(tsch) "And the winner isn't ..." - Er spielte im erfolgreichsten Film aller Zeiten ("Titanic") die Hauptrolle, für den Oscar war er zwei Mal und für den Golden Globe bereits sechs Mal nominiert - dieses Jahr sogar als erster Schauspieler in der Geschichte für zwei Rollen ("Departed" und "Blood Diamond") in einer Kategorie (bester Hauptdarsteller). Dennoch reichte es wieder nicht für Leonardo DiCaprio. Denn doppelt hielt in dem Fall nicht besser, sondern führte zur Stimmenaufteilung der Juroren, die den Schauspieler leer ausgehen ließen. Erneut musste er seinen Kollegen bei der Entgegennahme der Preise zuschauen und sich mit den Lobliedern begnügen, die Regisseur Martin Scorsese während seiner Dankesrede für "Departed" auf ihn sang. Am 25. Februar kommt "Blood Diamond" in die deutschen Kinos.

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Nachdem Scorsese DiCaprio bereits für "Gangs of New York", "Aviator" und "Departed" besetzte, weiß der Regisseur, von wem er spricht. Im Laufe der Jahre habe sich zwischen ihnen "ein Vater-Sohn-Verhältnis" entwickelt, verkündete Scorsese und sein "Sohn" ergänzt: "Klar, wir sind Freunde. Aber unser Verhältnis geht tiefer. Bei 'Gangs of New York' fanden wir heraus, dass wir bei allen wichtigen Fragen zu einem Film einer Meinung sind." So verwundert es nicht, dass der Schauspieler auch im nächsten Projekt des Regisseurs mitwirken wird. Und die Rolle klingt, als könne sie der Oscar-Jury gefallen, die mit Vorliebe Biografie-Verfilmungen auszeichnet (2005 gewann Jamie Foxx als Soul-Legende Ray Charles, 2006 Philip Seymour Hoffman als "Capote"). Leonardo DiCaprio soll demnächst in dem Biopic "The Rise of Theodore Roosevelt" den ehemaligen amerikanischen Präsidenten verkörpern.

Verdient hätte der Sohn eines Amerikaners und einer Deutschen den Oscar allemal. Er wuchs in einer Ecke Hollywoods auf, wo ihm nach eigener Aussage "die Drogenhändler über den Weg liefen", und dennoch ging er ganz ohne Schauspielschule seinen Weg. 1993 wurde Hollywood auf das Milchgesicht aufmerksam. Der damals 18-Jährige glänzte neben Robert De Niro in "This Boy's Life". Und als geistig behinderter Junge stahl er seinem Filmbruder Johnny Depp in "Gilbert Grape - Irgendwo in Iowa" die Show. Für diese Rolle erhielt DiCaprio, der sich aufgrund seines rasanten Aufstiegs als "Bettler, der König wurde" bezeichnet, seine erste Oscarnominierung.

Doch nachdem er 1997 in "Titanic" gleich zum "König der Welt" wurde, geriet seine Karriere in eine Krise. Er fühlte sich "wie am Ende des Weges", den er lange genug gegangen sei. Rechtzeitig vorm Abdriften in den "Ich bin ein Star und ich dreh durch"-Kosmos zog er die Notbremse, schlug Angebote wie "Alexander der Große" aus, und nahm sich Zeit, um wirklich heranzureifen.

Vorm Abheben bewahren den Hollywoodstar, der in seiner Freizeit gerne mit seinen Freunden Vidospiele zockt, wohl auch seine deutschen Wurzeln, zu denen er gerne zurückkehrt. Im nordrhein-westfälischen Oer-Erkenschwick lebt seine Oma Helene, die nach Aussagen des Schauspielers hervorragende Kartoffelpuffer zubereitet, ihm aber auch die Meinung sagt. Wie der Onlinedienst "ContactMusic.com" berichtete, erzählte Leonardo DiCaprio: "Sie fragt mich immer, warum ich nicht mehr so hübsch bin wie in 'Titanic'. Sie findet, dass ich in meinem neuen Film 'Blood Diamond' richtig hässlich aussehe. Und ich soll meine Haare nach hinten kämmen."

Das werden die weiblichen Fans wohl anders sehen, zeigt sich der 32-Jährige nach seinem gelungenen Auftritt als Undercover-Agent in "Departed" doch erneut von seiner männlichen Seite. In "Blood Diamond" spielt er den Schmuggler Danny Archer, der versucht, einen kostbaren Rohdiamanten in seinen Besitz zu bringen, um so den Absprung aus seinem Schieberdasein in Sierra Leone zu schaffen. Von den dortigen Zuständen der 90-er Jahre berichtet das Drama des "Last Samurai"-Regisseurs Edward Zwick. Es ist die Zeit des Bürgerkrieges, in der Warlords mit Waffengewalt ihre friedlichen Landsleute der Freiheit beraubten, sie als Sklaven nach Diamanten graben ließen und zudem ihre Kinder zu willenlosen Soldaten machten.

Mit "Blood Diamond" erreichte Leonardo DiCaprio "das Ziel", das ihn stets antreibe, wie er der Zeitschrift "Instyle" verriet: "Ich möchte am liebsten Filme machen, die von den Zuschauern nicht gleich wieder vergessen werden." Zudem beschloss der Schauspieler nach den aufwühlenden Dreharbeiten, sich auch privat zu engagieren. Wie die britische "Daily Mail" berichtete, adoptierte der Schauspieler ein afrikanisches Waisenkind, das er vor Ort kennengelernt habe, und welches er fortan finanziell unterstützen wolle. Doch entgegen der medienwirksamen Vorgehensweise mancher seiner Kollegen lässt DiCaprio das Kind in seiner gewohnten Umgebung. Zumal ihm ja nach seiner gescheiterten Beziehung mit dem Topmodel Gisele Bündchen die Frau an der Seite zur Familiengründung fehlt. Kürzlich dementierte er eine Liaison mit Sienna Miller.

Seine Bekanntheit will er nutzen, um sich für den Umweltschutz zu engagieren. Im Namen der US-Organisation "Global Green" kämpft DiCaprio gegen die globale Erwärmung. Er finanzierte aus eigener Tasche zwei Spots, fährt selbst seit Jahren ein Auto mit Hybrid-Motor und versorgt sein Haus mit Solarenergie. Leonardo DiCaprio nimmt seine Vorbildfunktion ernst. Und er weiß, wie er seine Popularität zu nutzen hat.

Nicht selten sind inzwischen die Vergleiche mit James Dean, dem im Verlauf seiner Karriere stets etwas Jugendliches anhaftete. Wie DiCaprio sah er stets jünger aus, als er eigentlich war. Der Star von heute gibt den von einst denn auch als sein Vorbild an. Die Hauptrolle in einer Verfilmung von Deans Leben lehnte DiCaprio indes ab, weil er sich nicht reif dafür fühlte und befürchtete, der Legende "nicht gerecht zu werden".

Vanessa Schwake


Leonardo DiCaprio spielt die Hauptrolle in dem Drama "Blood Diamond", in dem es um den Edelstein-Schmuggel in Sierra Leone geht.
Leonardo DiCaprio spielt die Hauptrolle in dem Drama "Blood Diamond", in dem es um den Edelstein-Schmuggel in Sierra Leone geht. (2006 Warner Bros. Ent.)

In Martin Scorseses "Departed: Unter Feinden" taucht Leonardo DiCaprio als Maulwurf unter. Es war bereits die dritte Zusammenarbeit der beiden und eine vierte ist mit "The Rise of Theodore Roosevelt" in Planung.
In Martin Scorseses "Departed: Unter Feinden" taucht Leonardo DiCaprio als Maulwurf unter. Es war bereits die dritte Zusammenarbeit der beiden und eine vierte ist mit "The Rise of Theodore Roosevelt" in Planung. (2006 Warner Bros. Ent.)

Am 25. Februar kommt Leonardo DiCaprio mit "Blood Diamond" in die deutschen Kinos.
Am 25. Februar kommt Leonardo DiCaprio mit "Blood Diamond" in die deutschen Kinos. (2006 Warner Bros. Ent.)

Datum: 28.01.2007

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