(tsch) Niemand weiß, ob diese skurrile Geschichte wahr ist oder nicht. Sie klingt jedenfalls abenteuerlich. Ein Gameshow-Erfinder und Moderator, den ganz Amerika kennt, behauptet in seinen Memoiren, in den 60er- und 70er-Jahren nebenbei für die CIA als Killer gearbeitet zu haben. Drehbuchautor Charlie Kaufman ("Vergiss mein nicht!") setzte 2002 die Story fürs Kino um, George Clooney führte Regie: "Geständnisse - Confessions of a Dangerous Mind" ist ein in jeder Hinsicht außergewöhnliches Projekt, das nun zu später Stunde bei ProSieben als Free-TV-Premiere gezeigt wird.
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Im Jahr 1940 erblickt Chuck Barris zum ersten Mal ein Fernsehgerät und ist fasziniert. Fortan fühlt er sich zum Fernsehmachen berufen. Später wird er unter anderem die Dating-Show "Herzblatt" erfinden, die bereits in den 60er-Jahren in den USA auf Sendung ging und inzwischen weltweit läuft. Sam Rockwell, in Deutschland weitgehend unbekannt, spielt die äußerst schwierige Rolle des egozentrischen TV-Machers, der vom Trottel zum Superstar wird. Ein Mann mit Visionen. Einer, der die Bedürfnisse des Publikums offensichtlich sehr genau einzuschätzen wusste. Zahlreiche Gameshows gehen auf sein Konto, dazu eine bemerkenswerte Karriere als Songschreiber.
Heute nun würde sich für Barris niemand mehr interessieren, hätte er der Welt nicht die Geschichte seines zweiten Lebens präsentiert. Im Film taucht der rätselhafte Jim Byrd (gespielt von George Clooney selbst) auf, der Barris für die CIA engagieren will. Der erliegt dem Reiz des Geheimnisvollen und lässt sich zum Killer ausbilden. Fortan begleitet ihn der Film parallel durch seine zwei Karrieren. Raus aus dem Fernsehstudio, auf nach Mexiko, Helsinki und nach Berlin, wo Barris Menschen umlegt. Geleitet wird er unter anderem von der Verbindungsagentin Patricia (Julia Roberts), mit der sich eine Affäre entspinnt. Sie ist nur eine von vielen Frauen, deren Charme der sexsüchtige Barris erliegt. Der Erfolg macht ihn, das weiß er früh, fürs weibliche Geschlecht interessant.
Gegen den Vorwurf der amerikanischen Presse, Clooney habe mit "Confessions of a Dangerous Mind" einen Film gemacht, der wie eine Regiearbeit Steven Soderberghs aussehe, wehrte sich der Hollywood-Star vehement. Nicht zu Unrecht, denn der damalige Debütant war offensichtlich um einen eigenen Stil bemüht. Clooney, der am 1. März mit Soderberghs Nachkriegsthriller "The Good German" ins Kino kommt, experimentierte reichlich, auch mit Hilfe einiger technischer Tricks, und übertrieb es dabei bisweilen. Und er hatte, wenn man so will, eine weit schwierigere Aufgabe zu bewältigen als Soderbergh in all seinen Filmen bisher. Es ist gut möglich, dass Barris diese spektakuläre Geschichte, die in dieser Form kaum glaubwürdig ist, frei erfunden hat. So musste der Film die Distanz zu seiner Hauptfigur wahren und gleichzeitig die Neugier des Publikums auf sein Schicksal befriedigen. Eine Gratwanderung, die auch dank einer ungewöhnlichen Bildsprache und merkwürdiger Dialogformen exzellent gelang.
Clooney ließ sich trotz nicht durchweg positiver Kritiken nicht beirren und setzte seinen Weg auch als Regisseur fort: "Good Night, and Good Luck" kam 2006 in die deutschen Kinos und erzählt von dem populären Fernsehjournalisten Edward R. Murrow, der sich in den 50er-Jahren mit Kommunistenjäger McCarthy anlegte. Ein durch und durch wahre Geschichte übrigens. Derzeit bereitet er "Leatherheads" vor, eine Komödie, die vom American Football in den 20er-Jahren erzählt und in Deutschland daher sicher nur geringe Erfolgschancen hat.
Kai-Oliver Derks
Chuck Barris (Sam Rockwell) wird eigentlich nur Fernsehproduzent, um die Damenwelt zu beeindrucken. Doch dann entwickelt er prompt Erfolgskonzepte wie die "Dating Show" und die "Gong Show". (Miramax Films / Takashi Seida)
Penny (Drew Barrymore) liebt Chuck (Sam Rockwell) seiner selbst willen und nicht wegen seiner Karriere. (Miramax Films / Takashi Seida)
CIA-Agent Jim Doyle (George Clooney, Mitte) will Chuck Barris (Sam Rockwell) für seine Organisation anwerben. (Miramax Films / Takashi Seida)
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