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So weit die Füße tragen

So weit die Füße tragen

(tsch) Es war ein teures Wagnis: Ein aufrechter deutscher Held, der sich gegen teuflisch böse Russen durchsetzt - und das auch noch vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs, im Stile des ganz großen Hollywood-Gefühlskinos umgesetzt. Ängstlichkeit und Opportunismus durfte man Regisseur Hardy Martins wahrlich nicht vorwerfen, als er im Dezember 2001 "So weit die Füße tragen" in die Kinos brachte. Wohl aber konnte er sich von vorneherein auf Vorhalte gefasst machen, längst ad acta gelegte Feindbilder neu belebt und einen schweren, ja für die Wohlstandskinder-Generation wohl unbehaglich authentischen Stoff mit allerlei Tränendrüsen-Pathos beladen zu haben. Und tatsächlich hagelte es reichlich Presse-Schelte für den allerdings überaus ambitionierten, unglaublich intensiv inszenierten Film, der auch in der gekürzten Fernsehfassung sehenswert ist.

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15 Millionen Mark nahm "Cascadeur" Martins in die Hand, um Josef Martin Bauers Tatsachenroman neu zu verfilmen. So viel Mut müsste eigentlich als Glücksfall für den deutschen Film gewertet werden, aber erst "dankte" ein Teil der Presse mit Revanchismus-Vorbehalten, dann das Publikum mit Ignoranz. Wesentlich erfolgreicher als im Kino schnitt der Film aber auf DVD und in der TV-Erstausstrahlung am 27. Dezember 2003 ab, für die sich über sieben Millionen Zuschauer erwärmten. Obwohl das mit dem "Erwärmen" so nicht passt - die Geschichte lässt den Betrachter über weite Strecken eher frösteln ...

Als die dramatische Flucht des Wehrmachts-Offiziers Clemens Forell aus einem sibirischen Gefangenenlager 1959 erstmals mit Heinz Weiß in der Hauptrolle als TV-Serie verarbeitet wurde, entpuppte sich der Stoff bereits als Straßenfeger. Die aufwändige Neuverfilmung hat mit dem schlichten Schwarzweiß-Mehrteiler freilich nicht viel mehr gemein als die auf einer wahren Begebenheit beruhende Bestseller-Vorlage. Bildkräftig, actionreich und mit einem im deutschen Film selten gesehenen Mut zu großen Gefühlen inszenierte Martins ein episches Leinwandabenteuer.

"Weihnachten bin ich zurück!" Mit diesen Worten verabschiedet sich Forell (Bernhard Bettermann, für seine Rolle 2002 beim Filmfestival in Mailand als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet) 1944 von seiner Familie in einen verlorenen Krieg. Er kommt Weihnachten zurück, allerdings acht Jahre später. Dazwischen liegt die in fast 160 Filmminuten (die TV-Fassung wurde auf 115 Minuten gekürzt) erzählte fesselnde Geschichte von Gefangenschaft und Flucht.

Neben grandiosen Landschaftsaufnahmen beeindruckt vor allem die schauspielerische Leistung Bettermanns (41), der hier über weite Strecken im Alleingang agiert. Wenn er mit Monologen, Schreien und Leinwand füllenden Porträteinstellungen das Thema "Mensch gegen Natur" beklemmend authentisch darstellt, dann hat das auch damit zu tun, dass die Dreharbeiten tatsächlich sehr entbehrungsreich waren. An 124 Drehtagen wurde unter anderem in Minsk, Usbekistan, Nordkarelien und an der russischen Eismeerküste gearbeitet. Temperaturen von minus 32 bis plus 52 Grad Celsius und zum Teil widrigste sanitäre Bedingungen sorgten für ungeahnte Strapazen. Wer den in Paris geborenen und in der Schweiz lebenden deutschen Schauspieler nur aus seiner Serienrolle in "In aller Freundschaft" (ARD) kennt, dürfte angesichts der fast beängstigenden Intensität seines Spiels staunen.

Ist "So weit die Füße tragen" politische Schwarzweißmalerei? Sicher nicht. Denn die Heimkehrer-Geschichte ist nicht mehr als die realitätsnahe Aufarbeitung eines jahrzehntelang fast totgeschwiegenen Teils der deutsch-russischen Historie. Das über fünf Jahrzehnte später Deutsche und Russen zusammen an diesem Projekt arbeiteten (und dabei - wie es hieß, überwiegend zur Desinfektion - an 124 Drehtagen 14.360 Flaschen Wodka vernichteten), darf eher als Dokumentation der Völkerverständigung gewertet werden.

Frank Rauscher


Nein, das ist nicht "Der mit dem Wolf tanzt": Ein treuer Hund ist für lange Zeit Clemens Forells (Bernhard Bettermann) einziger verlässlicher Gefährte.
Nein, das ist nicht "Der mit dem Wolf tanzt": Ein treuer Hund ist für lange Zeit Clemens Forells (Bernhard Bettermann) einziger verlässlicher Gefährte. (ARD / Degeto)

Abschied in einen verlorenen Krieg: Clemens Forell (Bernhard Bettermann) wird Frau (Iris Böhm) und Tochter (Anna Herrmann) acht Jahre nicht sehen.
Abschied in einen verlorenen Krieg: Clemens Forell (Bernhard Bettermann) wird Frau (Iris Böhm) und Tochter (Anna Herrmann) acht Jahre nicht sehen. (ARD Degeto)

Nichts als Schnee und Eis: Clemens Forell (Bernhard Bettermann) macht Pause auf der Flucht aus Sibirien.
Nichts als Schnee und Eis: Clemens Forell (Bernhard Bettermann) macht Pause auf der Flucht aus Sibirien. (ARD Degeto)

Datum: 05.02.2007

Artikel ID 181160

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