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Christoph Maria Herbst

Der Real-Komödiant

Schauspieler Christoph Maria Herbst

(tsch) "Es wird seine Zeit brauchen, bis der Zuschauer an die Serie herangeführt worden ist", prognostizierte Christoph Maria Herbst im Jahr 2004, als die erste Staffel der Comedy-Reihe "Stromberg" bei ProSieben auf Sendung ging. Tatsächlich tat man sich schwer, Quotenkönig kann man mit dieser Form der Unterhaltung nicht werden. Und doch: Es entwickelte sich eine treue Fangemeinde, zahlreiche Auszeichnungen (Grimme-Preis, Bayerischer Fernsehpreis, Deutscher Comedy-Preis) kamen hinzu. Am Montag, 05.03., 22.45 Uhr, startet nun die dritte Staffel der Reihe, die die Karriere des Christoph Maria Herbst entscheidend geprägt hat. Der 41-Jährige ist mittlerweile als Schauspieler fürs Kino gefragt: Nach "Hui Buh, das Schlossgespenst" starten in diesem Jahr mit "Die Aufschneider" (08.02.) und "Neues vom Wixxer" (15.03.) gleich zwei Komödien, in denen der gebürtige Wuppertaler, dem einst mit "Ladykracher" an der Seite von Anke Engelke der Durchbruch gelang, zu sehen ist.

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teleschau: "Stromberg" hat Sie populärer denn je werden lassen. Macht Sie Prominenz glücklich?

Christoph Maria Herbst: Nein, Prominenz per se ist kein glücksförderndes Moment. Aber ich bin auch nicht unglücklicher. Ich tue das alles ja nicht, um beim Bäcker vorgelassen zu werden. Ich habe diesen Beruf am Landestheater Dinslaken vor 15 Jahren genauso gerne ausgeübt. Aber es stimmt schon: Viel prominenter muss ich nicht werden.

teleschau: Welche Empfindungen haben Sie "Stromberg" gegenüber?

Herbst: Ich empfinde ihn als Fluch und Segen zugleich. Aber der Segen überwiegt.

teleschau: Sie haben der Serie viel zu verdanken ...

Herbst: Sie hat mir sicher die eine oder andere Tür geöffnet. Und nun habe ich es selbst in der Hand, was ich mit dieser Chance anstelle. Wenngleich: Im Zuge "Strombergs" werden mir schon viele Arschloch-Rollen angeboten. Da ist die Branche bekanntermaßen recht fantasielos. Aber das alles lehne ich ab. Es würde mich wohl auf Dauer nicht kreativ beglücken.

teleschau: Ihr Produzent Ralf Husmann hat "Stromberg" als Rolle Ihres Lebens bezeichnet. Sehen Sie das genauso?

Herbst: Nun, meines momentanen Lebens vielleicht. Ich hoffe, dass da schon noch etwas anderes nachkommt. Meinen Beruf sah ich immer als meine persönliche Spielwiese. Lange Zeit hatte ich nicht die Möglichkeiten, die ich gerne gehabt hätte. Und jetzt sind sie da. Das genieße ich.

teleschau: Sie haben oft gesagt, dass es stets Ihr Ziel gewesen sei, als Schauspieler und nicht als reiner Comedian gesehen zu werden. Hat Ihnen Stromberg dabei geholfen?

Herbst: Ja, schon. Aber die Grenzen sind nun wirklich fließend. Manche empfinden es so, dass ich mit "Stromberg" meinen Status als Comedian zementiert habe. Andere sehen es als schauspielerische Aufgabe. Für mich ist es wichtig, mich überhaupt positioniert zu haben. Als was auch immer.

teleschau: Die Fans sehen "Stromberg" auch inhaltlich außergewöhnlich ernst. Was können Sie ihnen verraten? Es soll mehr um die Frauen gehen, hört man ...

Herbst: Das wird ein wesentlicher roten Faden der dritten Staffel. Stromberg ist eben auf der Suche nach dem Glück. Und er sucht es wie immer bei anderen. Bei sich selbst findet er ja nichts. Er kann eben nicht aus seiner Haut.

teleschau: "Stromberg" gehört, anders als die meisten anderen Comedys, zu jenen Produktionen, die auch inhaltlich vorangetrieben werden. Das heißt, die Ausgangsposition muss am Ende einer Folge nicht zwingend die vom Anfang sein. Da kann es sogar Tote geben ...

Herbst: Natürlich gehören Tod und Geburt, Werden und Vergehen zum Leben, also auch zu Strombergs Leben. Gerade in der dritten Staffel werden wir einiges versuchen. Wichtig ist nur, dass alles nachvollziehbar bleibt, sonst akzeptiert es das Publikum nicht. Ich erinnere mich, als in "Dallas" plötzlich der tote Bobby Ewing unter der Dusche wieder auftauchte. So etwas kannst du nicht machen, das verzeihen dir die Fans nie. "Stromberg" lebt davon, dass alles erschreckend glaubwürdig wird. Dabei geht es nicht nur um die formale Ästhetik, also diesen dokumentarischen Ansatz der Serie. Auch wir Schauspieler bemühen uns, jegliche schauspielerische Attitüde herauszunehmen.

teleschau: Wie real ist "Stromberg" also?

Herbst: Wir erhalten viele E-Mails von Zuschauern, die sagen: "Wenn Ihr glaubt, Ihr übertreibt, dann kommt mal zu uns ins Büro." Womöglich sind wir also noch viel zu zurückhaltend.

teleschau: "Stromberg" ist nicht mehr das einzige Format, das die realistische Erzählweise betont. "Pastewka" zum Beispiel ist ein anderes. Ist die Zeit der Kostüm-Comedy, der Perücken und dicken Brillen vorbei?

Herbst: Sie kommt immer mal wieder. Mit "Sketchup" begann diese Ära der Hornbrillen und falschen Zähne. Und ich sehe so etwas heute auch an mancher Stelle wieder. Aber schon mit "Ladykracher" bei Sat.1 ist uns ein realistischerer Ansatz im Comedy-Genre gelungen. Ich mag diese nachvollziehbaren, geerdeten Figuren, die sich in skurrilen Situationen wiederfinden. Das ist die Anglifizierung des Humors. Und mit "Stromberg" haben wir diese Schraube noch ein bisschen fester gedreht.

teleschau: Ist heute etwas anderes komisch als noch vor 15 Jahren?

Herbst: Das glaube ich schon, aber es gibt einige zeitlose Spitzen, die über Jahrzehnte Bestand haben.

teleschau: Zum Beispiel?

Herbst: Loriot. Oder auch "Schtonk", das ist bis heute meines Erachtens eine der besten deutschen Kinokomödien. Aber wenn Sie sich den frühen Otto Waalkes in Erinnerung rufen, "Klimbim" oder "Nonstop Nonsens" - das waren sicher Erscheinungen des Zeitgeists.

teleschau: Wer macht den Humor? Die Menschen draußen auf der Straße? Oder geben die Unterhaltungsmedien vor, was lustig ist?

Herbst: Gute Frage.

teleschau: Auf die es keine Antwort gibt?

Herbst: Nun, vielleicht befruchten sich beide selbst. Letzten Endes sind die Macher ja auch Menschen von der Straße. Ich denke nur, dass in Deutschland zu wenige mutige Versuche gestartet werden. Das geschieht meist erst einmal jenseits des Ärmelkanals oder gar jenseits des Atlantiks. Und auch im Falle "Stromberg" war das ja nicht anders.

teleschau: Im Frühjahr startet die Sitcom mit dem Arbeitstitel "Die schlimmste Woche meines Lebens" bei Sat.1, in der Sie neben Ulrike C. Tscharre die Hauptrolle spielen. Ebenso eine Adaption aus dem britischen Fernsehen.

Herbst: So ist es. Wahrscheinlich bekomme ich irgendwann einmal die goldene Adaptoren-Himbeere verlieren. Im Falle Strombergs sind wir aber sehr losgelöst vom Vorbild. Bei "Die schlimmste Woche meines Lebens" sind wir tatsächlich nahe am Original, haben uns jedoch deutschen Gegebenheiten angepasst. Aber all das stört mich nicht sonderlich. Ich fühle mich eben zu Hause bei dieser Art von Humor. Die erwähnten dicken Brillen und die falschen Zähne als Comedy-Element brauche ich jedenfalls nicht. So etwas gestatte ich eigentlich nur noch Hape Kerkeling.

teleschau: Neben ihm gehören Sie zu den wenigen in Deutschland, denen manche mal eine eigene tägliche Late-Night-Show zutrauen würden.

Herbst: Nun, so lange wir den Einen haben, an den wir alle denken, sollte sich kein Zweiter und keine Zweite da heranwagen.

teleschau: Harald Schmidt hat aber angedeutet, dass er sich da eine Aufteilung mit jemand anderem durchaus vorstellen könnte.

Herbst: Nun, ich sehe es anders als Harald Schmidt: Late Night ist für mich nicht das höchst Erstrebenswerteste. Noch nicht jedenfalls. Im Moment spiele ich viel zu gerne. Und als Late-Night-Talker darfst du nicht "spielen", da musst du "sein". Ich glaube nicht, dass ich schon an dem Punkt bin, mich der Nation Abend für Abend aufdrängen zu müssen.

teleschau: Was fehlt Ihnen noch dazu?

Herbst: Ich denke, ich hätte den Menschen schlicht nicht genügend zu erzählen. Außerdem bin ich zu sehr ein Ensemble-Mensch. Diese Frontsau-Attitüde geht mir ab. Und meine Haare sind noch nicht grau genug.

Kai-Oliver Derks


Für Christoph Maria Herbst ist Stromberg Fluch und Segen zugleich. "Aber der Segen überwiegt."
Für Christoph Maria Herbst ist Stromberg Fluch und Segen zugleich. "Aber der Segen überwiegt." (ProSieben / Ralf Jürgens)

Christoph Maria Herbst startet mit seiner preisgekürten Reihe "Stromberg" bei ProSieben in die dritte Staffel.
Christoph Maria Herbst startet mit seiner preisgekürten Reihe "Stromberg" bei ProSieben in die dritte Staffel. (ProSieben)

Ihm entgeht nichts! Stromberg (Christoph Maria Herbst) - ein Chef, den man seinem ärgsten Feind nicht als Vorgesetzten wünscht ...
Ihm entgeht nichts! Stromberg (Christoph Maria Herbst) - ein Chef, den man seinem ärgsten Feind nicht als Vorgesetzten wünscht ... (ProSieben)

Datum: 05.03.2007

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