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The Good, The Bad And The Queen

"Nennt uns nicht Supergroup"

Projekt The Good, The Bad And The Queen

(tsch) Damon Albarn, der allseits verehrte Blur-Frontmann, reicht eine Schachtel Mini-Donuts am Tisch herum. Links von ihm sitzt Paul Simonon, der Clash-Bassist. Daneben raucht Simon Tong (The Verve), rechts von Albarn steckt sich Tony Allen (Africa 70, Fela Kuti) das klebrige Teigwerk in den Mund und lacht. Alle vier sind bester Dinge. "Gleich werden wir unser viertes gemeinsames Konzert spielen", schmunzelt Albarn. "Das ist noch nicht besonders routiniert. Ich bin gespannt, wie gut wir das hinkriegen. Wir haben kaum geprobt." Entspanntes Kichern auf allen Seiten. "Wenn es nicht klappt, ist das nicht so schlimm. Das nennt man dann authentisch", frotzelt der Sänger.

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The Good, The Bad And The Queen spielen im frisch restaurierten und beeindruckenden Londoner Roundhouse in Camden. Die Leute auf der Straße drehen jetzt schon durch - die Show ist seit Wochen ausverkauft. Doch von Nervosität keine Spur bei der illustren Truppe. Die kennen das schon alles. Gilt Albarn als Ikone der späten 80er- und frühen 90er-Jahre, hat Simonon seine Gewöhnungsphase an den Ruhm und Zirkus schon eine Dekade zuvor durchlebt. Allen und Tong sind mit all dem Theater ebenfalls vertraut. Die vier sind Freunde und machen gern gemeinsam Musik.

Doch "Supergroup" möchten sie bitte nicht genannt werden. "Wir sind alle super, aber keine Supergroup", stellt Albarn klar. "Wir sind nicht einmal eine Band im eigentlichen Sinne. Wir sind ein Projekt." Diesen Satz sagt er mit Nachdruck. Widerspruch von vornherein abgelehnt. Paul Simonon hingegen lächelt zahnlückig und milde: "Das soll gar nicht so hart klingen. Wir sind vier Freunde, die zusammen Musik machen. Wir schätzen die Arbeit der anderen und befruchten uns gegenseitig. Wir wissen alle ziemlich genau, was wir tun, und wir können uns aufeinander verlassen. So einfach ist das."

Die Musik, die das Projekt The Good, The Bad And The Queen macht, ist ebenso wie die Zusammenstellung der Musiker ein Querschnitt durch die Kulturgeschichte. "Ich glaube, dass das Album trotz aller Weltoffenheit insgesamt sehr britisch ausgefallen ist", erklärt Albarn. "Eventuell ist es sogar ein West-London-Album", präzisiert er. Und dennoch besteht kein Zweifel daran, dass man hier aus dem Vollen schöpft, sich bei Klassik und Weltmusik bedient und schließlich alles in einen geläufigen Popansatz übersetzt, der beim Publikum bekannte Saiten anschlägt: Albarn ist Albarn. Wenn er singt, betritt der Zuhörende automatisch wohlbekanntes, im Großen und Ganzen sicheres Terrain. Schon der Opener "History Song" verspricht: "If you don't know know, then you will do", nimmt uns an die Hand, führt durch ein Werk, das teilweise experimentell ist und aus dem Ruder läuft, aber genauso oft Töne anschlägt, mit denen man buchstäblich aufgewachsen und groß geworden ist, die den Geschmack geprägt haben, die immer da sein werden.

Kein Wunder, dass The Good, The Bad and The Queen derlei Stunts nicht schwer fallen: Schließlich kennen sich die vier Herren mehr als gut aus im Business. Dies versteht Simonon keineswegs als Selbstverständlichkeit: "Ich habe mich in letzter Zeit ja maßgeblich der bildenden Kunst gewidmet", erinnert sich der Musiker und Maler. "Da ist es schon etwas Besonderes, wieder an den Bass zurückzukehren. Doch unsere Zusammenarbeit bewegte sich in einem sehr natürlichen Rahmen. Eins kam zum Anderen." - "Man darf nicht vergessen, dass ich es hier mit einigen der besten Musiker zu tun habe, die ich je getroffen habe", wirft Albarn enthusiastisch ein, bevor er sich verabschiedet, um sich in Frack und Zylinder zu werfen. "Das ist super." Auch wenn sie nicht "Supergroup" genannt werden wollen. "Obwohl wir natürlich ziemlich super sind", grinst Albarn breit. Daran besteht kein Zweifel.

Auf der Bühne schließlich beginnt das Quartett hochkonzentriert. Profis - trotz knapp bemessener Probenzeit. Der Knoten hingegen platzt erst wirklich, als sie sich zum ersten Mal verspielen und den Song abbrechen müssen: "Ach, da steht ihr doch drauf", kichert Albarn ins lachende Publikum, "das macht uns doch so menschlich!" Die anderen drei grinsen. Koketterie mit der eigenen Rolle, der eigenen Berühmtheit, macht vieles einfacher, das Zusammenspiel wird lockerer und enthusiastischer, Simonons Charakterisierung des "Projektes" bekommt soliden Boden unter den Füßen. Man verlässt sich aufeinander, Albarn singt schließlich vom Leben in den 80er-Jahren, alles fühlt sich zu Hause. Wie man The Good, The Bad And The Queen dann letztendlich nennen will, ist spätestens jetzt völlig egal.

Sonja Müller


"Wir sind alle super, aber keine Supergroup", stellt Damon Albarn klar (von links: Simon Tong, Paul Simonon, Damon Albarn, Tony Allen).
"Wir sind alle super, aber keine Supergroup", stellt Damon Albarn klar (von links: Simon Tong, Paul Simonon, Damon Albarn, Tony Allen). (EMI / Soren Starbird)

Für Paul Simonon war es etwas Besonderes, wieder an den Bass zurückzukehren.
Für Paul Simonon war es etwas Besonderes, wieder an den Bass zurückzukehren. (EMI / Soren Starbird)

Geprobt hat das Projekt eigentlich kaum für die Live-Auftritte.
Geprobt hat das Projekt eigentlich kaum für die Live-Auftritte. (EMI / Soren Starbird)

Datum: 06.02.2007

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