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Jamie T. - Panic Prevention

Jamie T. Panic Prevention

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Man muss nur lange genug warten! Spätestens nach 20 Jahren wird alles wieder ein Hype. So ergeht es Jamie T. (20), der die Zeit, aus der seine Musik-Vorbilder stammen, definitiv nicht erlebt hat. Mit seinem Debütalbum "Panic Prevention" und seinem Mix aus Punk, Disco, Reggae, Old School und Ska bewegt er sich musikalisch eindeutig vor seiner Geburtsgrenze, in den frühen 80-ern nämlich. Den Sound, der ihm dabei als Vorbild dient, kann er maximal pränatal genossen haben.

Dieser Trend unter den Youngsters ist äußerst erstaunlich, denn normalerweise recyceln Musiker vornehmlich Musik, die sie als angenehme Kindheitserinnerung im Gedächtnis behalten haben. Jamie T. aber wird als Mittelding zwischen Joe Strummer, The Specials und The Streets bejubelt und in Britannien angeblich als neuer Volksheld verehrt. Die Schnelllebigkeit des englischen Markts wird ihn rasch vom Thron fegen, länger als einen Monat hat dort kaum jemand Heroenstatus. Eine Überraschung war es trotzdem, dass da so ein langnasiger, ungelenker Bubi daherkommt und mit einem im Homestudio und mit Pfadfinder-Akustikbass zusammengefrickelten Erstling auf dem eigenen Mikro-Label einen solchen Wirbel veranstaltet.

Die Kunst bei Jamie T., aka Jamie Treays, ist in diesem Fall, dass es keine ist. Die raue, ungefilterte, derbe und knorrig gewachsene Ursprünglichkeit, die scheppernde Gitarre direkt aus der 80er-Jahre-Pubwelt Südlondons, die biergetränkten Erlebnisse eines wilden Vorstadtjugendlichen und der Zwinkerhumor der Briten entpuppen sich als feiner "Mish-Mash", so Jamie, für Jungs und Rrrriot-Girls. Die Texte speisen sich aus Besäufnissen, Prügeleien, Knutschereien und Eifersuchtsszenen, das pure Leben eben, bloß dass Jamie seine echten eigenen Erlebnisse als Soundtrack für die ungesteuerten, wurzellosen Schicksale der proletarischen weißen Vorstadtkids inszeniert.

Ein großer Teil seiner Tracks entstand nach wilden, durchzechten Nächten im Kinderzimmer des Elternhauses, in dem er in den frühen Morgenstunden aus einem meist schon bestehenden Hit unfertige Beats zimmerte und heiser und verbraucht die Erlebnisse der letzten Nacht darauf rappte. Tja, so war der Rock'n' Roll früher einmal gedacht, und deshalb kommt Jamie T. so gut an! Dass er sich permanent anderer Songs bedient oder zumindest versucht, so zu klingen wie andere Künstler, dass er keine Gitarre auch nur ansatzweise stimmen kann und erst recht nicht singen, das scheint niemanden zu stören. Anarchie macht eben Spaß!

Kati Hofacker


Datum: 06.02.2007

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