(tsch) Mitte des 19. Jahrhunderts reist eine britische Gouvernante mit ihrem Sohn an den Hof des Königs von Siam (das heutige Thailand). Sie soll seine Kinder in der englischen Sprache unterrichten. Trotz der Konflikte, die durch das Aufeinanderprallen der Kulturen entstehen, erwächst zwischen den beiden allmählich eine tiefe Zuneigung. "Anna und der König" (1999) mit Jodie Foster und Chow Yun-Fat (ab 26. April in "Der Fluch der goldenen Blume" im Kino) in den Hauptrollen ist die dritte Verfilmung des bekannten Stoffes. Doch Andy Tennants Version, die vox nun zum wiederholten Male zeigt, ist realistischer und viel ernster als ihre Vorgänger. Authentisch ist die Geschichte deshalb noch lange nicht.
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Das liegt nicht am Drehbuch, sondern an der Vorlage. Margaret Landons Roman "Anna und der König von Siam", der 1943 erschien, basiert auf den Tagebüchern einer historischen Persönlichkeit. Anna Leonowens arbeitete tatsächlich als Englischlehrerin am Hof des siamesischen Königs Mongkut. Inzwischen gilt es jedoch als erwiesen, dass es die Dame mit der Wahrheit nicht ganz so genau nahm. So übertrieb sie etwa maßlos, was ihre Beziehung zu dem asiatischen Monarchen und ihre Stellung am Hof betrifft.
Für die Thailänder ist "Anna" ein rotes Tuch. Die Geschichte sei ein Ausdruck westlicher Überheblichkeit gegenüber der fernöstlichen Kultur. Sowohl der Schwarzweißfilm aus dem Jahr 1946 mit Rex Harrison als auch die Musical-Version von 1956 mit Yul Brynner und Deborah Kerr sind in Thailand wegen Majestätsbeleidigung verboten. Die 90er-Jahre-Adaption ereilte das gleiche Schicksal, obwohl sich Andy Tennant redlich um political correctness bemühte. König Mongkut (Chow Yun-Fat) ist kein ungehobelter Despot, sondern ein gebildeter, weltoffener Herrscher. Auch das Aufbegehren der Englischlehrerin Anna Leonowens (Jodie Foster) gegen siamesische Sitten ist eher feministischer als kultureller Natur.
Mongkut will sein Land modernisieren, aber dafür weder seine Kultur opfern, noch es der Kolonialmacht England preisgeben. Doch auch den "Feind" muss man verstehen, deshalb soll Anna seinen Kindern Sprachunterricht erteilen. Trotz der Gefühle, die König und Lehrerin mit der Zeit füreinander entwickeln, bleibt ihre Beziehung streng platonisch. Dafür sorgen politische Intrigen für Aufregung am Hof und für die nötige Action im Film. Vorrangig setzt "Anna und der König" jedoch auf opulente Bilder und - im Gegensatz zu seinen Vorgängern - weniger auf Humor als auf die bittersüße Geschichte einer unerfüllten Liebe.
Jutta Schnabel
Trotz der Gefühle, die König (Chow Yun-Fat) und Lehrerin (Jodie Foster) mit der Zeit füreinander entwickeln, bleibt ihre Beziehung streng platonisch. (vox)
Zwischen Anna (Jodie Foster) und König Mongkut (Chow Yun-Fat) entwickelt sich langsam ein inniges Verhältnis. (vox)
König Mongkut (Chow Yun-Fat) versucht durch Anna mehr über westliche Denkweisen zu erfahren und dieses Wissen diplomatisch zu nutzen. (vox)
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