Angelina Jolie
Gerechtigkeit geht vorSchauspielerin Angelina Jolie (tsch) Diskretion und Ehre heißen die Werte, denen sich Edward Wilson (Matt Damon) verpflichtet fühlt. Schon 1939 tritt der strebsame Student an der Eliteuniversität Yale einer Bruderschaft bei, die Führungskräfte für die Politik rekrutieren will. Folgerichtig landet der ehrgeizige Edward beim OSS, dem Office of Strategic Services. Mit seinen Mitarbeitern gründet er dort den mächtigsten Geheimdienst aller Zeiten, die CIA. Sein Idealismus mündet bald in ein chronisches Misstrauen. Auch die wachsenden Bedenken seiner Frau Margaret (Angelina Jolie) bringen Edward nicht vom vermeintlich richtigen Pfad ab, dem er schließlich weit mehr als seine Ehe opfert. Robert De Niro inszenierte "Der gute Hirte" (Bundesstart: 15.02.), eine Politfabel über die Paranoia des Kalten Krieges, auch als Ehedrama. Im Interview stellt Angelina Jolie (31) schnell klar, dass sie auf keinen Fall die richtige Frau Edward Wilson gewesen wäre. Anzeige teleschau: Was haben Sie von Ihrer Filmfigur Margaret gelernt? Angelina Jolie: Wie unglücklich ich wäre, mit einem solchen Mann verheiratet zu sein! Und welches Glück ich habe, eine moderne Frau sein zu dürfen. Ich hatte übrigens einen Benimm-Coach und Etiketteunterricht zur Vorbereitung auf den Dreh. Als Frau hatte man sich damals anders zu bewegen, bis hin zur Kopfhaltung. Eine Frau von heute ist sehr offen, ihr Blick geradeheraus. Damals musste eine Frau liebreizend, elegant und zugänglich sein, die Hände immer schön im Schoß falten und den Kopf leicht neigen. teleschau: Das klingt nicht so, als ob es viele Parallelen zwischen Ihnen und Margaret gäbe ... Angelina Jolie: Sie ist am Anfang vielleicht wilder als ich das bin und ziemlich hochnäsig. Im Verlauf des Films muss sie immer mehr zurückstecken. Das wiederum widerspräche meinen Instinkten: Etwas auf die Nuss zu bekommen und sich nicht zu wehren?! Kommt nicht in Frage. Man muss aber auch sehen, dass man als Frau eines CIA-Mitarbeiters einfach nicht jene Freiheiten hat, über die andere Frauen verfügen. teleschau: Gab die Zusammenarbeit mit Robert De Niro den Ausschlag für dieses Projekt? Angelina Jolie: Es war eines der kompliziertesten Drehbücher, das ich je gelesen habe. Und zugleich künstlerisch eines der reizvollsten. Dieser Film erinnerte mich wieder daran, warum ich eigentlich meinen Beruf ergriffen habe. Ich habe in den letzten zwei Jahren vielleicht zwei Monate gearbeitet. Zum einen, weil ich Kinder habe, zum anderen hatte ich das Vertrauen in den Film verloren. Alles dreht sich nur darum, wie viel Geld an einem Wochenende eingespielt und weniger um die Frage, ob wirklich eine Geschichte erzählt wird. Bei diesem Film ist es anders. Ob man ihn mag oder nicht, er regt zum Nachdenken und zur Debatte an. Robert de Niros Bestimmtheit und Wissen um die Ära haben mich beeindruckt. Alle Beteiligten hatten ein unglaubliches Wissen über diese Zeit. Außerdem war natürlich die Zusammenarbeit mit dem Regisseur entscheidend. Ich wollte von Robert lernen, weil ich ihn als Künstler bewundere. teleschau: Margaret teilt die Werte ihres Mannes nicht immer. Welche Werte schätzen Sie persönlich am höchsten ein? Angelina Jolie: Gerechtigkeit. Und man sollte außerdem nicht untätig zusehen, wenn einem anderen Unrecht widerfährt. teleschau: Halten Sie Patriotismus für gut oder schlecht? Angelina Jolie: Darauf gibt es keine einfache Antwort. Ich finde es gut und wichtig, an sein Land zu glauben und zu wissen, wofür es steht. Es ist aber genauso patriotisch, das eigene Land zu hinterfragen und zu erkennen, an welchen Punkten es von dem abweicht, wofür es eigentlich steht. teleschau: Verfolgung, Angst vor Entdeckung, Geheimniskrämerei - gibt es Parallelen zwischen dem Leben als CIA-Mitarbeiter und Ihrem Privatleben? Angelina Jolie: Wir Künstler sind ein anderer Menschenschlag, eher das Gegenteil der CIA. Künstler reden gerne, tauschen sich aus, teilen ihre Erfahrungen. Mit Ausnahme von Robert De Niro (lacht). Es gibt auch sicher keinen Schauspieler, der sagt: Ich übe meinen Beruf für mein Vaterland aus. Und wenn er das täte, dann ist er verrückt. teleschau: Empfinden Sie das große Medieninteresse an Ihrer Person als Bedrohung? Angelina Jolie: Wenn ich zu Hause oder am Set bin, dann kann ich ja ganz ich selbst sein. Mir macht es nur dann etwas aus, wenn ich mit meinen Kindern unterwegs bin. Wenn zum Beispiel mein Sohn mit mir im Auto sitzt, sich auf einen Abstecher in den Vergnügungspark freut, und ich ihm sagen muss: Tut mir Leid, das geht jetzt nicht, weil uns bereits zu viele Leute folgen. Ich sage ihm das natürlich nicht so direkt, aber so etwas tut mir weh. Den Rest kann man ignorieren, ausblenden. Man darf sich nicht zu sehr damit beschäftigen. teleschau: Sie benutzen Ihren Beruf auch, um mit Ihrer Popularität und den Gagen karitative Projekte zu finanzieren ... Angelina Jolie: Ich liebe die Schauspielerei. Und ich hatte das große Glück, erfolgreich zu sein. Deshalb bin ich glücklich, das Geld für gute Dinge rund um die Welt ausgeben zu können. Das ist eine einfache Entscheidung. Kerstin Lindemann |
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