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Steven Seagal
Alles ist BluesSchauspieler, Musiker, Produzent Steven Seagal (tsch) Sicher, Steven Seagals große Kinotage mögen lange zurückliegen. Aber es vergeht kaum eine Woche, in der im Privatfernsehen nicht mindestens einer seiner Actionstreifen läuft. Überhaupt: Seagal (54) ist längst manifestiert als der Gute, der mit irgendwie ganzheitlichem Ansatz seinen Weg geht und mit perfekter Kampfkunst und fernöstlicher Lebensweisheit den Bösen verlässlich das Fürchten lehrt. Dass der Martial-Arts-Star fast nur noch in DVD-Produktionen die Knochen fieser Mafia-Ratten, korrupter Politiker oder Drogendealer bricht, was soll's. Der Mann ist eine lebende Legende, außerdem sorgt der bekennende Buddhist und vielfache Familienvater längst auch auf anderem Terrain für Furore: Seagal ist nicht nur Meister sämtlicher fernöstlicher Kampfkunstklassen, sondern auch ein fantastischer Musiker, ein Meister der Bluesgitarre, der mit rauchiger Stimme an den Sound der Delta-Legenden anknüpft. Sein zweites Album "Mojo Priest" wurde soeben auch in Deutschland veröffentlicht. Beim Telefoninterview ist er gerade in London - mit dem Auto unterwegs nach High Wycombe, wo der nächste Gig der gefeierten Europatournee ansteht. Sie wird ihn im Frühjahr voraussichtlich auch nach Deutschland führen. Anzeige
teleschau: Steven, hier zu Lande staunen viele ungläubig, wenn man Ihren Namen im Zusammenhang mit Musik erwähnt. Steven Seagal: Dabei mache ich Musik, seit ich ein Baby bin. teleschau: Wie kamen Sie ausgerechnet zum Blues? Seagal: Ich wuchs in der Nähe von Detroit in einer überwiegend schwarzen Nachbarschaft auf, wo ich mit Freunden Schlagzeug und Gitarre übte, bis ich schließlich, im Alter von zwölf Jahren, meine erste eigene Gitarre in Händen hielt. Es war mein großer Jugendtraum, Blues-Musiker zu werden. Mit diesem Album habe ich ihn endlich verwirklicht. teleschau: Sie spielten gerade Konzerte in Dänemark und in England, traten bei Fernsehshows auf. Wie reagiert Europa auf den Blues-Man Seagal? Seagal: Oh, die bisherige Resonanz ist wunderbar. Fast alle Konzerte sind ausverkauft. teleschau: Haben Sie eine Ahnung, ob sich unter den Zuhörern auch viele Fans Ihrer Action-Filme befinden? Seagal: Dieser Frage bin ich noch nicht auf den Grund gegangen. Ich weiß nur, dass es hier in Europa sehr viele Menschen gibt, die den Blues lieben. teleschau: Also kommen nicht ständig Leute auf Sie zu, um Ihr Erstaunen auszudrücken, dass Sie so gut Gitarre spielen und singen können? Seagal: Nein, das passiert mir eigentlich nicht. Die meisten reden mit mir wirklich nur über die Musik. Natürlich kommen auch viele und sagen, wie toll sie diesen oder jenen Film von mir finden. teleschau: Mischen Sie sich nach einem Konzert auch mal unter das Publikum, um ein bisschen mit den Fans zu plaudern? Seagal: Nicht so sehr. Ich bin ein ziemlich stiller Typ. Aber ich nehme mir Zeit, um Autogramme zu geben, um auf CDs, T-Shirts und allem Möglichen zu unterschreiben. teleschau: Sie gelten wirklich als äußerst wortkarg - jedenfalls wird man darauf sogar vor einem Interview vorsorglich hingewiesen. Seagal: (lacht herzhaft) Nun, ich rede nicht so viel. Aber ich meine das niemals unfreundlich. Ich stehe nur nicht auf Bla-bla-bla. teleschau: Sie haben ja den Blues ... Seagal: Richtig. Blues ist der Ausdruck der Seele. Er kommt aus dem Innersten und trägt die ganze Faszination, alle Facetten des Lebens in sich: Glück, Trauer ... - alles steckt im Blues. teleschau: Sie spielen mit einer unglaublichen Intensität Gitarre. Was bedeutet Ihnen die Bluesgitarre? Seagal: Genau dasselbe: Das Spielen ist auch eine Möglichkeit, mich auszudrücken - ohne Worte. teleschau: Und der Blues war tatsächlich die Musik Ihrer Jugend? Seagal: Ja. Rock war nie mein Ding. Ich wuchs mit dem Blues auf. Der Blues ist der Grund, weshalb ich Musik mache. Wissen Sie, Blues zu hören, kann eine Art emotionale Befreiung sein, wenn nicht sogar eine Erfahrung, die das ganze Leben verändern kann. Es ist diese Kraft, die mich an dieser Musik so fasziniert. teleschau: Fast hat man den Eindruck, der Blues und das Gitarrespielen ist etwas Heiliges für Sie. Es heißt, Sie hüten eine legendäre Gitarrensammlung wie einen Schatz ... Seagal: Oh ja. Ich habe inzwischen bestimmt über 400 Gitarren. teleschau: Ein enormer Wert, nicht wahr? Seagal: Es geht nicht um materielle Werte. Es ist eher eine spirituelle Verbindung, die ich zu diesen Instrumenten habe. Jede einzelne Gitarre hat ihre Geschichte. Ich besitze Gitarren, die zum Beispiel Albert King, BB King, Jimi Hendrix, Muddy Waters, Freddy King oder John Lee Hooker gehörten. Wer weiß, vielleicht öffne ich eines Tages meine kleine Ehrenhalle - als eine Art Museum. teleschau: Spielen Sie lieber im stillen Kämmerlein für sich, oder treten Sie lieber vor Publikum auf? Seagal: Ich mag beides. Das ist abhängig von der Situation. teleschau: Anders gefragt: Erfüllen Sie sich mit der Europatournee einen alten Traum? Seagal: In gewisser Weise schon. Aber das hat speziell nichts mit Europa zu tun. Ich liebe es einfach, aufzutreten, zu spielen und zu singen - wo, ist nicht wichtig. teleschau: In der Sat.1-Sendung "Sasha - Die Show" sprachen Sie ein paar Brocken Deutsch. Nur ein kleiner Gag fürs Fernsehen, oder können Sie wirklich Deutsch? Seagal: Im Laufe der Jahre habe ich einige Wörter gelernt. Es reicht, um mich ein bisschen verständigen zu können. Ich habe eine Menge Freunde und Bekannte in Deutschland. Ich drehte ja schon hier und war auch privat schon einige Male hier. Wenn es mit unserer geplanten kleinen Deutschlandtournee klappt, was ich sehr hoffe, werde ich bestimmt ein paar von ihnen treffen. teleschau: Man weiß um Ihre fernöstlich geprägte Weltanschauung, Ihren buddhistischen Glauben und um Ihr Engagement für den Umweltschutz. In Filmen wie "Auf brennendem Eis" wiesen Sie auf die Bedrohungen für Natur und Umwelt hin. Angesichts des warmen europäischen Winters kocht die Debatte um die Erderwärmung gerade hoch. Es sei "fünf vor Zwölf", sagt unsere Kanzlerin. Mal ehrlich: Ist es nicht längst zu spät? Seagal: Nein, ich persönlich glaube nicht, dass es zu spät ist, um etwas zu ändern. Mit der Frage, ob es schon zu spät ist oder nicht, dürfen wir uns gar nicht erst beschäftigen. Jeder Einzelne muss alles tun, was in seiner Macht steht, damit die fatale Entwicklung vielleicht doch noch umgekehrt werden kann. teleschau: Was fällt Ihnen da im Speziellen ein? Seagal: Ich denke vor allem an die Umweltzerstörungen im ganz großen Stil durch riesige Konzerne, die sich immer noch nicht um die Umwelt scheren und Auflagen ignorieren. Wir sollten endlich aufhören, tatenlos dem Big Business dabei zu zu sehen, wie es die Welt zerstört. Wenn wir und unsere Politiker in der Lage wären, dem Treiben der Großkonzerne einen Riegel vorzuschieben, hätten wir eine echte Chance, diese Welt zu retten. teleschau: Was tut Privatmann Steven Seagal für die Umwelt? Seagal: Oh, es gibt keinen so großen Unterschied zwischen dem Privatmann und dem Schauspieler und Musiker. Auch in meinen Filmen bin ich im Grunde nur ich selbst. teleschau: Sie propagieren - frei übersetzt - unter anderem die alte Weisheit: "Nur in einem gesunden Körper lebt ein gesunder Geist." Trainieren Sie noch regelmäßig, oder wie setzen Sie dieses Motto um? Seagal: Das Wichtigste ist Meditation. Ich habe da seit vielen Jahren bestimmte Techniken. Und dann versuche ich einfach, in jeden Tag ein gewisses Maß an körperlicher und geistiger Arbeit einzubauen. Jetzt, auf Tour, ist es natürlich sehr schwierig, wirklich gesund zu leben, aber ich versuche es wirklich ... teleschau: Dass Sie nicht dem Sex-and-Drugs-and-Rock'n'Roll-Klischee entsprechen, war irgendwie zu erwarten ... Seagal: Ja, mit all dem habe ich wirklich überhaupt nichts am Hut. teleschau: Bringen Sie dennoch Verständnis für jemanden auf, der sich weniger streng um seine Konstitution kümmert? Seagal: Verständnis nicht wirklich. Aber wenn sich jemand selbst zerstört, habe ich zumindest Mitleid mit ihm. teleschau: Das Thema Drogen kommt in Ihren Filmen öfter zur Sprache. Denken Sie, Sie können dazu beitragen, dass sich die Kids von Drogen abwenden? Seagal: Nun, ich denke, dass ich vielleicht ein paar junge Leute davon abhalten kann, sich der Dunkelheit auszuliefern, und sie dazu inspirieren kann, sich gegen manche Versuchung zu wehren. teleschau: Sie verloren einen Ihrer besten Blues-Freunde, die Delta-Blues-Legende Clarence "Gatemouth" Brown, durch den Hurrikan Kathrina. Nun drehen Sie ausgerechnet in New Orleans einen neuen Film ... Seagal: Ja, er soll "Prince of Pistols" heißen. Und es ist ein Film, in dem der Blues und seine Protagonisten eine große Rolle spielen werden. Obwohl New Orleans noch weitgehend zerstört ist, wollte ich unbedingt dort drehen. Mir ging es darum, dieser wunderbaren Stadt etwas zurückzugeben. Frank Rauscher |
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