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Scooter

Der Tanz um die bemalte Kuh

Technoformation Scooter

(tsch) Es geht weiter. Scooter schlagen mit ihrem neuen Mitglied Michael Simon ein neues Kapitel auf: "Chapter Four". Kaum jemand hätte wohl vor 13 Jahren eingeräumt, dass auf den Mega(phon)-Hit "Hyper Hyper" eine solche Erfolgsgeschichte folgen könnte: Das norddeutsche Techno-Pop-Trio aus Mastermind H.P. Baxxter, Rick J. Jordan und nun eben Michael Simon hat weltweit über zwölf Millionen Platten verkauft und füllt Hallen mit mehreren tausend Menschen. Mit "The Ultimate Aural Orgasm" legten sie die eigene Messlatte noch ein wenig höher, drehten ein Video in Bollywood, machten interessante Erfahrungen mit einer Genre- und Ozean überspannenden Kollaboration, und Frontmann H.P. begab sich als Mitglied einer Casting-Show-Jury auf neues, unsicheres Terrain.

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teleschau: Das Video zur Single "Behind The Cow" wurde in Bollywood gedreht - sind Scooter jetzt auf dem Indien-Trip?

H.P. Baxxter: Nein, es hat sich einfach so ergeben. Unser Regisseur Michael Menke, mit dem wir schon viel gedreht haben, arbeitet seit zwei Jahren oft dort und sagte: "Da haben wir super Möglichkeiten." Es passte gut, denn wir hatten den Titel "Behind The Cow" fertig, und bei heiligen Kühen denkt man ja auch an Indien.

teleschau: Gab es keine Probleme damit, so ein heiliges Tier mit einem großen Scooter-Schriftzug zu bemalen und zu filmen?

H.P. Baxxter: Doch! Man selber denkt ja immer, na ja, das können die nicht wirklich ernst meinen. Aber es gab tatsächlich Proteste von den verantwortlichen Tierschutz-Behörden. Wir konnten jedoch nachweisen, dass es den Kühen blendend ging! Sie wurden fürstlich versorgt, und der Schriftzug war auch abwaschbar. Aber das nehmen die Inder sehr genau! Wenn sie sich so um die Menschen kümmern würden wie um die Kühe, würde es dort auch besser aussehen.

teleschau: Habt Ihr etwas von der Armut in Indien mitbekommen?

H.P. Baxxter: Ich war schockiert, so etwas habe ich in der Form noch nie gesehen. Das Hotel war mit Stacheldraht und Wachbeamten gesichert. Wenn man das Gelände verließ, saßen die Leute im wahrsten Sinne des Wortes auf der Straße. Sie kochten am Straßenrand, und Ziegen liefen herum. Die Gegensätze sind extrem.

teleschau: Was soll eigentlich "Behind The Cow" bedeuten?

H.P. Baxxter: Wir bekamen vor einigen Jahren Fanpost mit einem Foto, auf dem Fans eine Kuh mit dem Schriftzug "Scooter" umringten. Das stellten wir als originellstes Foto von Scooter-Fans auf unsere Homepage, und der Begriff "The Painted Cow" hat sich als unser Pseudonym verselbständigt. Irgendwann dachte ich mir den Titel "The Legend Behind The Cow" aus.

teleschau: Eure Texte erscheinen ja oft ein wenig sinnfrei ...

H.P. Baxxter: Ja, zum Beispiel "Respect To The Man in The Icecream Van". Oft denken die Leute: Was ist das für Schwachsinn?! Aber auch dahinter steckt ein Sinn: KLF, für mich das größte Techno-Projekt aller Zeiten, veranstalteten immer viele Aktionen. Einmal fuhren sie vor Weihnachten mit dem Icecream Van durch London und verteilten Freibier an Obdachlose, als PR-Gag. Deshalb sagte ich: "Respect". Es ist eine verschlüsselte Grußbotschaft an KLF. Meistens hat das schon irgendeinen Hintergrund oder Sinn.

teleschau: Eine neue Idee bei "The Ultimate Aural Orgasm" war diesmal, HipHop und Techno zu kombinieren.

Baxxter: Ich finde es immer spannend, Sachen zusammenzubringen, von denen man im ersten Moment denkt: Das geht gar nicht! Aber ich wusste, wenn wir einen HipHop-Part einbauen, dann muss das ein Rapper machen, der etabliert ist und bei dem die Leute sagen: Wow, wie haben die das denn gemacht?! Da fiel uns Fatman Scoop ein, der schon mit Missey Elliott oder Mariah Carey gearbeitet hat. Also haben wir mit dem telefoniert.

teleschau: So einfach war das?

H.P. Baxxter: Nein, das war alles sehr umständlich. Die arbeiten da doch ein bisschen anders. Bei uns geht eigentlich alles immer ziemlich schnell. Wir sagen: So, Gitarrist, herkommen - einspielen - tschüss! Wir dachten, das Ganze sei recht unproblematisch: Wir schicken unsere Musikspuren da hin, er rappt drauf und schickt's zurück. Es war aber ein bisschen komplizierter. Auch für das Video musste letztendlich ein Kameramann nach New York fliegen. Aber es war auch ganz lustig. Er kannte Scooter und fand das alles witzig.

teleschau: Das neue Album läutet gleichzeitig Chapter Four für Scooter ein, weil Ihr mit Michael Simon ein neues Mitglied habt ...

H.P. Baxxter: Ungewollt war es bei uns in den letzten Jahren so, dass nach meistens exakt vier Jahren festgestellt wurde, man kommt nicht mehr so richtig weiter. Wir haben eine klare Aufgabenteilung: Rick J. Jordan macht alles, was mit Musikalität, Harmonien, Einspielungen und Technik zu tun hat, ich bin für die Gesamtidee - Texte und Melodie - verantwortlich, der dritte Mann für die Beats, also den DJ-Part. Da hatten wir oft irgendwann das Gefühl, es kommen zu wenig neue Impulse. Das ist unheimlich wichtig, denn gerade im Beat-Bereich ändern sich die Trends sehr schnell. Michael Simon ist ein sehr guter DJ. Seit er da ist, funktioniert alles gleich wieder ganz anders. Sein Gebiet ist eher Elektro-House, er kommt mal mit anderen Drum-Loops ... Das ist sehr erfrischend. Es ist das nächste Chapter, weil sich dadurch auch immer eine kleine musikalische Veränderung ergibt.

teleschau: Ihr seid seit vielen Jahren weltweit erfolgreich - wie hart trifft Euch da noch Kritik von außen?

H.P. Baxxter: Was uns eher belustigt, sind Kritiken, bei denen man schon im ersten Satz merkt: Der Typ hasst Scooter, oder er hasst die Musik und hat nun endlich die Chance, sich seinen Frust von der Seele zu schreiben, weil sein Chef ihm zu wenig Geld gibt oder was auch immer. Man merkt dann, dass so ein Typ sich gar nicht mit uns auseinandersetzt und von vornherein sagt: Das ist alles Schrott. Was einen eher anspringen würde, ist wenn differenziert wird, und einer sagt: Das war toll, aber das ist nicht mehr gut, hier haben sie Fehler gemacht. Das würde man sich eher zu Gemüte führen.

teleschau: Gibt es so etwas wie den typischen Scooter-Fan?

H.P. Baxxter: Unser Publikum ist sehr gemischt. Ein großer Teil ist von Anfang an dabei und nun auch schon 'nen Tag älter. Aber es sind genauso viele junge Leute bei unseren Konzerten. Im Alter von 15 bis 45 geht das querbeet. Es kommen auch immer wieder neue, die die alten Alben gar nicht mehr kennen. Und unser Publikum sind Leute, die echt gut drauf sind, und bei denen man merkt, sie haben Spaß an der Musik - die Stimmung ist sehr friedlich und positiv.

teleschau: Seit 22. Januar bist Du auch als Jury-Mitglied der VIVA-Casting-Show "Are U Hot?" zu sehen, die "das heißeste Mädel" und "den coolsten Typ" sucht und bereits abgedreht wurde. Was hat Dich dazu bewogen, da mitzumachen?

H.P. Baxxter: Das frage ich mich manchmal auch ... Man muss sich heute schon darum bemühen, eine gewisse Präsenz zu wahren. Die Musiksendungen werden immer weniger - kein "Top of the Pops" mehr, bei VIVA laufen auch immer weniger - also muss man zum Teil, um nicht vergessen zu werden, auf Formate zurückgreifen, die man früher nicht gemacht hätte. Die Show fand ich noch irgendwie passend für die Zielgruppe und habe es einfach mal versucht, auch wenn ich mich nicht so wohl dabei gefühlt habe. Ich weiß nicht, ob ich das noch mal machen würde (lacht).

teleschau: Fiel es Dir schwer, die Kandidaten zu kritisieren?

H.P. Baxxter: Ja, da muss man aufpassen. Es ist nicht unbedingt meine Baustelle, Leute so auseinanderzupflücken. Gerade Junge nehmen das ja ernster als es gemeint ist. Im Grunde ist es Spaß, und wer mitmacht, muss mit allem rechnen. Noch extremer ist es bei "Deutschland sucht den Superstar". Das könnte ich wohl nicht. Ich habe mich bemüht, dass auch negative Kritik nicht zu krass wird, und es auch so 'rüberkommt, dass es Spaß ist.

Petra Fürst


Scooter schlagen ein neues Kapitel auf: DJ Michael Simon (rechts) ist neu im Techno-Pop-Trio von H.P. Baxxter (Mitte) und Rick J. Jordan.
Scooter schlagen ein neues Kapitel auf: DJ Michael Simon (rechts) ist neu im Techno-Pop-Trio von H.P. Baxxter (Mitte) und Rick J. Jordan. (Kontor Records)

Scooter, auch bekannt als "The Painted Cow".
Scooter, auch bekannt als "The Painted Cow". (Kontor Records)

"Behind The Cow": Das Video zur ersten Single-Auskopplung aus dem neuen Album drehten Scooter in Bollywood.
"Behind The Cow": Das Video zur ersten Single-Auskopplung aus dem neuen Album drehten Scooter in Bollywood. (Kontor Records)

Datum: 11.02.2007

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