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Die Hollywood-Verschwörung

Die Hollywood-Verschwörung

(tsch) Es ist dunkel draußen. Im rasanten Sinkflug bewegt sich die Kamera auf ein Haus zu. Die Einstellung passt perfekt: Denn es handelt sich um das Gebäude, in dem die Leiche des Superman-Darstellers George Reeves gefunden wurde. Erschossen. Das Ende eines Helden. Warum? Und wer hat ihn auf dem Gewissen? Regisseur Allen Coulter macht sich im Drama "Die Hollywood-Verschwörung" (im Original: "Hollywoodland") daran, hinter den düsteren Kulissen des amerikanischen Filmbusiness der 50er-Jahre im Stile des Film noir zu stöbern und mit dem nie geklärten Tod des Schauspielers eines der größten Rätsel Hollywoods eher fiktional denn real zu beleuchten.

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Ein großes Thema, ein einstiger (Kinder-)Held, eine hochkarätige Darstellerriege - mit seiner ersten Kinoarbeit sorgte der Regisseur, der sich bislang eher als Macher von TV-Serien wie "Die Sopranos", "Sex and the City" oder "Rom" einem Namen machte, im letzten Jahr für Aufsehen. "Die Hollywood-Verschwörung" wurde bei den Filmfestspielen 2006 in Venedig nominiert für den Goldenen Löwen. Ben Affleck bekam dort für seine Rolle als George Reeves den Darstellerpreis Coppa Volpi und wurde als bester Nebendarsteller zudem für einen Golden Globe nominiert. Und in der Tat: Der Hollywood-Beau verkörpert den gefeierten und schließlich gefallenen Heroen bemerkenswert überzeugend.

Liegt's an eigenen Erfahrungen? Fast, so möchte man es deuten, ähnelt die Karriere des Ben Affleck der seiner Rolle. "Hollywoodland" erzählt vom unerfüllten Leben des Schauspielers Reeves, der im Kino groß herauskommen wollte und doch lediglich ein Fernsehstar blieb - der Mann, der "nur" Superman war. Ben Affleck freilich ist mehr als nur ein TV-Gesicht. Und dennoch sah es in seiner Laufbahn wahrlich nicht immer so ruhmreich aus wie derzeit. Sieben Mal wurde er für die Goldene Himbeere für die schlechteste schauspielerische Leistung nominiert, zwei Mal (unter anderem für "Gigli") erhielt er den Gegen-Oscar sogar. Affleck kennt die guten und schlechten Seiten des Daseins in der Scheinwelt Hollywoods, der George Reeves im Alter von nur 45 Jahren zum Opfer fiel.

Vergleichbar mit "The Black Dahlia" erzählt "Die Hollywood-Verschwörung" von einem Aufsehen erregenden Tod inmitten der Glitzerwelt von Hollywoods Glanzzeit. Wie in Brian De Palmas Drama geht es um eine Person, die tatsächlich existierte: In der Nacht zum 16. Juni 1959 wurde George Reeves tot in seinem Haus aufgefunden. Doch - soweit die Realität - der Tod wurde nie aufgeklärt. Bis heute weiß man nicht, ob sich Reeves selbst die Kugel gab, ob es sich um Auftragsmord oder etwa einen Mord aus Eifersucht handelte. Möglichkeiten gibt es viele, Feinde hatte Reeves reichlich. Hier setzt im Film die Fiktion ein: Während die Polizei von Selbstmord ausgeht, ermittelt der Kaugummi kauende Privatdetektiv Louis Simo (Adrien Brody) weiter - schließlich geht es um seinen eigenen Ruhm, den Auftrag seines Lebens für 50 Dollar am Tag! Er wurde von Reeves Mutter Helen Bessolo (Lois Smith) angeheuert, die nicht an die Selbstmord-Version der Cops glaubt.

Bei seinen Recherchen in der aufgesetzten Bussi-Bussi-Gesellschaft, in der Welt der Paparazzi und Champagner-Trinker stößt Simo auf ein düsteres Showbiz voller Geheimnisse und Intrigen, was Coulter gekonnt und vor allem nostalgisch in Szene zu setzen weiß. In Zeitsprüngen erlebt der Zuschauer zwei Welten: Zum einen werden ihm die Anfänge der Karriere in den später 40-ern, über den Höhepunkt bis hin zur Depression des George Reeves vor Augen geführt: sein Verhältnis mit Toni (Diane Lane), der Ehefrau des einflussreichen MGM-Bosses Edgar Mannix (Bob Hoskins). Seine Beziehung mit dem Starlet Leonore Lemmon (Robin Tunney). Sein Leben in der korrupten Glitzerwelt Hollywoods. Zum anderen wechselt der Blick in Simos chaotisches Leben, seine Detektiv-Arbeit und die Zeit nach Reeves blutigem Tod.

Die beiden männlichen Hauptcharaktere - Brody und Affleck - hätten nicht besser ausgewählt werden können: Brody spielt das markante, erfolglose Raubein mit Schrammen im Gesicht. Ein geschiedener Detektiv, der sein Leben nicht im Griff hat und erst spät im Film auch die dunklen Seiten seiner selbst erkennt. Ben Affleck hingegen ist der Schönling mit der geschniegelten Frisur, mit der strahlend weißen Zahnreihe und einer scheinbar perfekten Laufbahn. Geliebt, angehimmelt, heldenhaft. Dieses Gegensatzpaar dient Coulter als Kritik an dem Schein und der Oberflächlichkeit der Glitzerwelt. Die Schnösel verlieren sich im Rausch von Geld und Geltungssucht, die Erfolglosen keine Chance lassen. Die tun allerdings sogar besser daran, sich dem Rampenlicht zu entziehen, um sich auf die wichtigen Dinge im Leben zu konzentrieren: Für Underdog Simo zählt am Ende nur noch die Familie. Die hatte Reeves nie.

Doch auch Wermutstropfen muss der Zuschauer hinunterschlucken, denn natürlich ist der Film in gewissem Maße unbefriedigend: Allen Coulter kann den Tod des Supermans nicht aufklären. Er bietet eben nur Möglichkeiten, allerdings hervorragend umgesetzte Möglichkeiten, aus denen am Ende jeder seine eigenen Schlüsse ziehen kann.

Julia Schöppner

Credits:
V:Buena Vista, USA 2006, R: Allen Coulter, D: Adrien Brody, Ben Affleck, Diane Lane u.a.

Laufzeit: 126 Min.

Kinostart:
15.02.07


Privatdetektiv Simo (Adrien Brody) will den Mord (oder den Selbstmord?) von Supermandarsteller Reeves aufklären - eines der größten Rätsel Hollywoods.
Privatdetektiv Simo (Adrien Brody) will den Mord (oder den Selbstmord?) von Supermandarsteller Reeves aufklären - eines der größten Rätsel Hollywoods. (Buena Vista / 2006 Focus Features / George Kraychyck)

Die attraktive und steinreiche Toni Mannix (Diane Lane) macht Reeves (Ben Affleck) den Hof und beginnt eine Affäre mit ihm.
Die attraktive und steinreiche Toni Mannix (Diane Lane) macht Reeves (Ben Affleck) den Hof und beginnt eine Affäre mit ihm. (Buena Vista / 2006 Focus Features / George Kraychyck)

Zwischen Bussis und Champagner - George Reeves (Ben Affleck, Mitte) wird als Supermandarsteller verehrt und ausgezeichnet.
Zwischen Bussis und Champagner - George Reeves (Ben Affleck, Mitte) wird als Supermandarsteller verehrt und ausgezeichnet. (Buena Vista / 2006 Focus Features / George Kraychyck)

Datum: 17.02.2007

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