Wie ein Komet taucht Sandra, die erfolgreiche Ehefrau und auch Entdeckung des Enigma-Bosses Michael Cretu, alle paar Jahre am Sternenhimmel auf und beehrt ihre Fans mit einem neuen Album. "The Art Of Love" nennt sie ihr neues Werk, und es scheint, als ob ihr Produzentengatte nun endgültig das Heft in die Hand genommen hat.
Die Annäherung in Richtung Enigma-Sound macht sich immer stärker bemerkbar, was nach 19 Jahren Ehe aber niemanden weiter verwundern dürfte. Den Auftakt bildet das elegische Werk "What D'Ya Think Of Me", in dem Sandra à la Grace Jones' "Walking In The Rain" mit tiefer Stimme in eine Art Sprechgesang verfällt, den sie auch während "Silence Beside Me" pflegt, und den sie in "Dear God… If You Exist" in ein Gebet vor Kinderchor und einsam hallender E-Gitarre münden lässt.
Sandra erzählt im Interview, dass sie und ihr Mann am liebsten nachts arbeiten. Oft weckt er sie sogar auf, wenn er eine passende Gesangszeile gefunden hat. Daher rührt also der nocturne, geheimnisvolle Charme dieser Songs. Auch die weiteren Lieder des Albums verbleiben in einem angenehm atmosphärischen, getragenen Duktus, schweben über zarten Klangnebeln aus akustischem Saitenpicking der japanischen Koto und klassisch anmutender Gitarre. Sandras inzwischen angenehm timbrierte Stimme wird dabei oft nur als weiteres Instrument eingesetzt, um den chilligen, halbakustischen Tracks Struktur und Biss zu verleihen. "Once Upon A Time" überrascht sogar mit zurückhaltenden, aber clubtauglichen Beats.
Andere Songs wie "What Is It About Me", "Casino Royale" oder "Put Your Arms Around Me" hingegen gerieren sich als perfekte Anwärter für die Pop-Charts und setzen sanfte Midtempo-Rhythmen mit Gitarre, leisem Schlagzeug oder Synthie-Nebeln vor leise Ohrwurmmelodien, für die Sandra von jeher ein Händchen hatte. Sandra Cretu, wie sie sich neuerdings lieber nennt (wegen der US-Suchmaschinen) zauberte mit der Kunst der Liebe, "The Art Of Love", ein ruhiges, wohltuendes und elegisches Album voller lyrischer Momente und schwebender, unkitschiger Stimmungen, das ihr ein Comeback mit völlig neuen Fans bescheren könnte. O.k., über den Besuch von DJ Bobo für "Love Is The Price" braucht man nicht streiten, der war unnötig. Aber sonst: Hut ab!
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