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World Trade Center

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Es war der erste große Hollywoodfilm, der die Anschläge vom 11. September 2001 auf das World Trade Center zum Thema hatte. Und als bekannt wurde, dass Oliver Stone die Regie übernehmen würde, war der Raum frei für die wildesten Spekulationen. Was würde kommen? Eine Abrechnung mit der US-Politik? Ein gesellschaftspolitisches Aufklärungsstück, das den Konflikt der Religionen in den Mittelpunkt stellt? Oder womöglich eine Verschwörungstheorie, so wie damals, als Oliver Stone in "JFK" aus Lee Harvey Oswald nur einen Mittäter machen wollte. Nichts von alldem. "World Trade Center" (2006) hält sich fast völlig aus dem Politischen heraus. Es geht nicht um Schuld und schon gar nicht um Sühne. Es geht einzig und allein um zwei Männer, die tief unter den Trümmern begraben auf ihre Rettung hoffen. Mehr Kammerspiel als Katastrophenmovie also. Nun erscheint die DVD zum Film - mit einem bemerkenswerten Audiokommentar.

"Wir wussten nichts, als wir am Morgen hinfuhren. Aber wir wussten, es würde ein langer Tag werden." Will Jimeno ist einer dieser beiden Männer. Und er spricht einen der zwei Audiokommentare, die mit auf der DVD enthalten sind. Unterstützt wird er dabei von einigen seiner Retter. Jimeno ruft klar und eindrucksvoll die Erinnerungen an diesen Tag wieder hervor: die Ahnungslosigkeit am Morgen, das Chaos, den Einsturz und auch die Zeit, als er unter den Trümmern begraben lag. Er zeigt zudem einige Unterschiede zwischen Realität und Film auf.

Es ist zunächst ein Tag wie jeder andere für die beiden Polizeibeamten John McLoughlin (Nicolas Cage) und Will Jimeno (Michael Pena). Eine Weile lang zeigt Oliver Stone ihren Alltag, tut das aber nicht zu umfangreich, denn es ist klar: Das Kinopublikum in aller Welt wird ohnehin nur auf den Einschlag der beiden Flugzeuge warten, der direkt nicht wirklich zu sehen ist. Vielmehr beschreibt der Film die Ereignisse eben aus der Sicht von McLoughlin und Jimeno, die - sind sie doch mitten drin im Geschehen - nicht wirklich das Ausmaß umreißen können. Als die erste Maschine einschlägt, werden sie gerufen. Mitsamt ihren Kollegen machen sie sich an die Rettungsarbeit. Es folgt die zweite Maschine und schließlich der Einsturz, bei dem die beiden enormes Glück haben und zunächst überleben, aber tief unten eingeschlossen werden. Das Licht ist weg, das Bild düster, und fortan beobachtet der Zuschauer die Männer bei ihrem verzweifelten Versuch am Leben zu bleiben.

Beide sind eingeklemmt und schwer verletzt, beide ringen irgendwann mit dem Tod. Und das Gespräch miteinander - sehen können sie sich nicht - hält sie bei Bewusstsein und den Glauben an eine Chance in ihnen wach. Oliver Stone weitet die Geschichte aus, blickt auch nach draußen, auf die Frauen, auf die Angehörigen und auf das Umfeld. Es sind vielleicht die stärksten Momente eines zwar anstrengenden, aber auch bewegenden Films. Weil sie es eben sind, die auch für den Betrachter nachvollziehbar sind: die Sorge um den Ehemann, die Erinnerung an eine gemeinsame Vergangenheit. Warum hat man sich am Morgen im Streit verabschiedet? Ist alles gesagt worden, was zu sagen war?

"World Trade Center" sahen in Deutschland rund 600.000 Zuschauer, ein beachtlicher, aber kein überragender Erfolg. Der Film erfüllte sicher für manche nicht die Erwartungen: Ihm liegt nicht daran, an die weltweite Bestürzung in diesen Minuten des 11. September zu erinnern. Er fragt nicht, wie es dazu kommen konnte und schon gar nicht, welche Folgen der Tag hatte. Ob "World Trade Center" ein Film ist, der in die Geschichte eingeht? Wohl nicht. Dafür waren seine Zielsetzungen zu begrenzt. Aber er war ein ordentlicher, ein interessanter Auftakt zu möglichen weiteren Projekten.

Die DVD bietet zudem einen zweiten Audiokommentar, den Regisseur Oliver Stone selbst spricht. Hinzu kommen neun zusätzliche oder erweiterte Szenen, die wahlweise mit einem Audiokommentar des Regisseurs zu versehen sind. Der Transfer auf DVD hielt den besonderen Herausforderungen des Films stand: Auch in den zahlreichen düsteren Szenen nach dem Einsturz sind die Details recht ordentlich zu erkennen. Der Surround-Sound entwickelt in einigen Szenen ein beachtliche Kraft.

Kai-Oliver Derks

bewertungsbox

bildformat 1,78:1 (anamorph)
sprachen Deutsch (5.1), Englisch (5.1), Türkisch (5.1)
untertitel Deutsch, Englisch, Türkisch
extras Audiokommentar von Oliver Stone; Audiokommentar von Will Jimeno und Beteiligten an der Rettungsaktion; Entfallene Szenen
laufzeit 124 Min.
tonsystem Dolby Digital
regionalcode Regionalcode 2
preis ca. 20 Euro
bewertung bild gut
bewertung ton gut
bewertung extras befriedigend

Credits:
(USA 2006, R: Oliver Stone, D: Nicolas Cage, Michael Pena, Maggie Gyllenhaal u.a.)


Am 15.02. erscheint Oliver Stones "World Trade Center" als DVD. Bemerkenswert: Mit Will Jimeno spricht einer der im Film beschriebenen Überlebenden einen Audiokommentar.
Am 15.02. erscheint Oliver Stones "World Trade Center" als DVD. Bemerkenswert: Mit Will Jimeno spricht einer der im Film beschriebenen Überlebenden einen Audiokommentar. (Paramount)

John McLoughlin (Nicolas Cage) wird tief unter der Oberfläche begraben.
John McLoughlin (Nicolas Cage) wird tief unter der Oberfläche begraben. (Paramount)

Oliver Stone erzählt in seinem Film die Geschichte von Will Jimeno (Michael Pena), die auf wahren Begebenheiten beruht.
Oliver Stone erzählt in seinem Film die Geschichte von Will Jimeno (Michael Pena), die auf wahren Begebenheiten beruht. (Paramount)

Datum: 25.02.2007

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