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Leni Riefenstahl - Die Regisseurin

Leni Riefenstahl - Die Regisseurin

(tsch) Sie ist die wohl umstrittenste deutsche Künstlerin. Viele wollen sie als solche nicht einmal anerkennen. Der Filmemacherin Leni Riefenstahl haftete bis ins hohe Alter von 101 Jahren der Ruf der ergebenen Hitler-Propagandistin an. War sie es doch, die das Nazi-Regime in einigen ihrer Werke in strahlendem Scheinwerferlicht glänzen ließ und so indirekt dabei half, das deutsche Volk zu blenden. Es waren stilistisch hochgelobte und international preisgekrönte Filme, ungeachtet des politischen Hintergrundes. Doch gerade der steht im Mittelpunkt der Dokumentation "Hitlers nützliche Idole: Leni Riefenstahl - Die Regisseurin" von Oliver Halmburger und Anja Greulich, in der einige Weggefährten, Freunde und Kritiker der Regisseurin sich erstmals zu Wort melden.

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Viel Neues haben sicher auch sie nicht zu berichten. Genauso wenig können die Archivbilder, Filmausschnitte und Dokumente überraschen. All das hatte 1993 bereits Ray Müller in der Dokumentation "Die Macht der Bilder - Leni Riefenstahl" zu einem kritischen Porträt zusammengesetzt.

Doch mit wachsendem zeitlichen Abstand zum Ende der Nazi-Gräuel, scheint immer mehr die Künstlerin Leni Riefenstahl ins Zentrum des Interesses zu rücken. Eine Frau, die mit 71 Jahren noch die Unterwasser-Fotografie für sich entdeckte und mit 97 Jahren in den Sudan flog, um vom Schicksal des Nuba-Stammes zu berichten. Immer wieder gab es Auszeichnungen und Hochgesänge auf ihr künstlerisches Genie. Dennoch werden Kritiker nicht müde, daran zu erinnern, dass Leni Riefenstahl eben dieses an die Nazis verkaufte. Die Nähe zum Regime hinterlässt einen hässlichen Fleck in ihrer Bio- und Filmografie.

Die Filmemacherin selbst wehrte sich gegen derlei Vorwürfe stets mit der knappen Aussage "Politik interessierte mich nicht." Etwas zu knapp, bedenkt man den durchaus politischen Inhalt und damit verbunden natürlich den politischen Zweck einiger ihrer Werke, wie dem Propagandafilm "Triumph des Willens", einer monumentalen Dokumentation des Reichsparteitages 1934 in Nürnberg. Zudem folgte sie als Kriegsberichterstatterin zu Beginn des Zweiten Weltkrieges den deutschen Truppen in Richtung Osten, um unter anderem den Einzug in Danzig zu inszenieren.

Erst als Leni Riefenstahl in dem polnischen Dorf Konskie Zeugin eines der ersten Kriegsverbrechen wurde, der Ermordung von Juden, verließ sie die Front. Sie protestierte, sprach später gar von einem "Erweckungserlebnis", das sie dennoch nicht dazu bewog, Abstand von Adolf Hitler zu nehmen.

Die Regisseurin des Führers arbeitete nach dem "Vorfall" an ihrem Film "Tiefland" (1940 bis 1944) weiter, der mit sieben Millionen Reichsmark subventioniert und damit der zweitteuerste Film der NS-Geschichte wurde. Die Komparsen, Sinti und Roma, suchte Leni Riefenstahl in dem Internierungslager Maxglan bei Salzburg aus. Viele der Darsteller wurden später in Konzentrationslagern ermordet.

Einige machten Karriere unterm Hakenkreuz: der Schauspieler Heinz Rühmann, der Boxer Max Schmeling - auch sie wurden als "Hitlers nützliche Idole" kritisch porträtiert. Der Beitrag über Leni Riefenstahl bildet nun den Abschluss der Dokumentationsreihe, die mit dem Bild so manchen deutschen Idols aufräumen wollte. Doch wohl kaum ein Ruf war zeitlebens derart geschädigt wie der von Leni Riefenstahl. Zu Recht? Der Film, zuletzt aber auch der lebenslange Starrsinn und die Uneinsichtigkeit der Regisseurin, die am 8. August 2003 starb, zeigen, dass ihr die Entscheidung für die Karriere und gegen die Moral kaum schwer fiel.

Nina Fischer


Anlässlich ihres 100. Geburtstages interviewte Sandra Maischberger Leni Riefenstahl im April 2002.
Anlässlich ihres 100. Geburtstages interviewte Sandra Maischberger Leni Riefenstahl im April 2002. (ZDF / Movieman Prod.)

Datum: 25.02.2007

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Artikel ID 181716

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