8 Mile
8 Mile(tsch) Was war das doch für ein Bilderbuch-Karrierestart, als sich Eminem 1997 mit "My Name Is" vorstellte. Über Nacht wurde der Detroiter vom unbeachteten Gossenkind zum erfolgreichsten weißen MC. Mehr als das: Er brachte frischen Wind in den HipHop und revolutionierte nebenbei das Business. Wann genau Em diese Stellung als Galionsfigur des Rap abtrat, ist heute schwer zu sagen. Aber seitdem Alphatier 50 Cent die Clique um Dr. Dre anführt, hat Marshall Mathers an Glanz verloren. Seine letzte Platte "The Re-Up", die er nur ein Jahr nach seinem lauthals verkündeten Abschied veröffentlichte, ist Zeugnis des Abstiegs - zumal Em in letzter Zeit nur noch durch seine völlig verkorkste Beziehung zu Ex-Ex-Frau Kim auf sich aufmerksam machte. Kein guter Zeitpunkt also für die Wiederholung des Biopics "8 Mile" (2002) bei RTL ... Anzeige Regisseur Curtis Hanson inszeniert die Geschichte eines Jungen, der um Anerkennung buhlt, immer auf der Suche nach einem kleinen bisschen Macht, die einen da draußen am Leben hält. Alles rankt sich um die durch den Film zu zwielichtigem Ruhm gekommene Straße mit dem Namen "8 Mile", die in Detroit das weiße vom schwarzen Ghetto trennt. Den Weißen geht es dabei noch etwas besser. Doch Jimmy "Rabbit" Smith, so der Name des abgestumpften Trotzkopfs, will dies alles hinter sich lassen. Zusammen mit seiner Mutter wohnt er in einem heruntergekommenen Loch, das förmlich danach schreit, verlassen zu werden. Also geht es langsam, aber stetig hinauf - mit jedem Schritt ein bisschen weniger Dreck und mehr von dem Licht, das die übrige Welt Normalität, Jimmy aber Wohlstand nennt. Freilich muss ihn erst seine Freundin Alex (Brittany Murphy) betrügen und kurz darauf noch eine Gang fieser Jugendlicher verprügeln, damit er seinen Hass - oder pädagogisch sinnvoll ausgedrückt: seine Unzufriedenheit - bündeln kann und beim Rapbattle antritt. Pädagogisch sinnvoll daher, weil "8 Mile" wider jeder Erwartung kein dunkles, realistisches Abbild der Detroiter Unterwelt ist, sondern ein aufmunterndes Mutmach-Werk, das mehr heroisierend als kritisch-authentisch mit einem noch recht jungen Mythos umgeht. Der Film hat nur ein Ziel: Eminem als Gutmenschen zu stilisieren, der er offensichtlich aber nicht ist. Sein Image als böser Junge, das er mit hässlichen Drogengeschichte, Hasstiraden gegen Schwule, fiesem Gedisse, krassen Ryhmes und unzähligen Courtroom-Auseinandersetzungen gepflegt hat, sollte plötzlich widerlegt werden: Der heutige Star avancierte wie einst "Rocky" vom Prügelknaben mit dem Selbstwertgefühl eines Hundehaufens zum moralischen Sieger über jegliche Zweifler - und über jede Konkurrenz. Der kleine Wortakrobat als Messias einer besseren Rap-Welt sowie ein Sinnbild des amerikanischen Tellerwäscher-Traums? Ein wenig zu berechnend mutet das Ganze an - genau wie der verklärende 50-Cent-Streifen "Get Rich Or Die Tryin". Dass sich Kim Basinger als Mutter Jimmys als Beiwerk der groß angelegten Huldigung eines Fankultes hergibt, ist dabei ebenso unverständlich wie die albernen Jubelarien der pseudo-harten Fans beim Freestyle-Battle. Allzu viel Theatralik für eine doch recht einfache Programmatik: "Ich will nach oben, und wenn ich da bin, können mich alle mal." Gerd Hilber |
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