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Nicolas Cage

Von Märchen geleitet

Schauspieler Nicolas Cage

(tsch) Nicolas Cage hat Gefallen gefunden an seiner Rolle als gereifter Charakterdarsteller, der nicht mehr darauf achten muss, wie durchtrainiert er seinen Körper präsentiert. Immer häufiger ist er in kleineren, ambitionierteren Filmen zu sehen, die ihn als Charakter zeigen, der aneckt und gegen bekannte Rollenklischees anspielt. Beispiele hierfür sind seine jüngsten Arbeiten "The Weather Man", "Tricks", "Lord of War" oder "Adaption". Doch ganz hat der Neffe von Regie-Titan Francis Ford Coppola seine actionreiche Vergangenheit nicht vergessen. Früher räumte er in Filmen wie "Con Air" oder "The Rock" mit dem Verbrechen auf. Jetzt spielt der 43-Jährige erstmals in einer Comic-Verfilmung die Hauptrolle. In "Ghost Rider" (Kinostart: 22.02.) ist er ein naiver Motorradstuntman, der einen faustischen Pakt eingeht, um seinen Vater vom Krebs zu heilen. Doch dadurch wird er zur schlagkräftigsten Waffe des Teufels und muss gegen dessen aufrührerische Brut ins Feld ziehen. Dass die Geschichte trotzdem genug Tiefgang bietet, versucht Nicolas Cage im Interview zu erklären. Erst einmal möchte er aber Deutsch lernen und die Ferien mit Frau und Kindern auf seinem neu erworbenen Märchenschloss in Bayern verbringen.

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teleschau: Es heißt, Ihr Anwesen sei bis zur Decke gefüllt mit Comic-Büchern. Was ist dran an dem Gerücht?

Nicolas Cage: Es kommt mir so vor, dass sich diese Geschichte über die Jahre verselbstständigt hat. An einem gewissen Punkt meines Lebens traf es aber durchaus zu, dass mein Haus voll war mit allen nur denkbaren Comics. Doch mittlerweile habe ich die meisten davon verkauft. Die "Ghost Rider"-Bände habe ich behalten - aus offensichtlichen Gründen. Die lagern in einem kleinen Raum in meinem Haus, der allein Comics vorbehalten ist.

teleschau: Wieso entschieden Sie sich für die düstere "Ghost Rider"-Verfilmung?

Cage: Das war ein Comic, den ich schon im Alter von sieben Jahren gelesen habe. Am liebsten mochte ich immer Monster, und die Marvel-Comics strotzten nur so davon, ob nun Hulk, Spider-Man oder eben Ghost Rider. Am besten gefiel mir an ihnen, dass sie so furchterregend aussahen, aber für das Gute auf der Welt kämpften. So etwas ist natürlich komplizierter Stoff für ein Kinderbuch. Aber auf eine merkwürdige Art verhalf es mir dazu, Herr über meine Albträume zu werden und sie für mich anstatt gegen mich arbeiten zu lassen.

teleschau: Was geschah in Ihren Träumen?

Cage: Ich hatte ganz normale Albträume, in denen Bilder auftauchten, die mich gruselten wie Max Schreck in "Nosferatu". Oder es waren all die Bilder aus dem Fernsehen, die mir Angst machten. Nichts Außergewöhnliches also. Ich hatte nur manchmal Schwierigkeiten einzuschlafen.

teleschau: Sie trugen während der Dreharbeiten aufgrund der Spezialeffekte größtenteils einen grünen Kopfüberzug. Sind Sie mit dem fertigen Produkt zufrieden?

Cage: Der Film gefällt mir sehr: Wir haben viel schwarzes Leder, große Motorräder, einen brennenden Totenschädel und beschäftigen uns inhaltlich mit märchenhaften Mythologien über Gut und Böse. Die drei großen Superhelden: Batman, Superman und Spider-Man, waren ja schon einem Weltpublikum bekannt. Mit Ghost Rider ist es anders. In Deutschland kennt ihn zum Beispiel fast niemand. Doch gerade weil die Figur so interessant ist, habe ich die Chance ergriffen, ihn einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen.

teleschau: Können Comics als moderne Mythologien dienen?

Cage: Mythen haben, so lange Menschen existieren, Leute ermutigt und sie darin bekräftigt, sich von ihren Geschichten inspirieren zu lassen, um ihr eigenes Leben zu bewältigen. Als Kind hat man in der heutigen Zeit keine großen Mysterien mehr zur Auswahl, außer den Comic-Erzählungen. Die Figuren darin werden zu Alter Egos, mit denen sich Kinder und Jugendliche identifizieren können und die ihnen Stärke geben, die bis ins Erwachsenenalter erhalten bleibt. So hat es für mich funktioniert. Der Erfolg der neuerlichen Comicverfilmung liegt genau darin begründet, dass wir nicht loslassen wollen von den Idolen unserer Kindheit. Ich selbst habe mit etwa 14 Jahren aufgehört, Comics zu lesen.

teleschau: Sind Sie jemals einen sprichwörtlichen Pakt mit dem Teufel eingegangen?

Cage: Es gibt Phasen, in denen ich wirklich unbequem werden kann. Aber ich halte das in Grenzen. Es gibt eine Philosophie, die besagt, dass jedes Geschäft, das man in seinem Leben eingeht, eine Kehrseite hat. Wenn man seinen Job liebt, macht man ihn mit voller Kraft und seiner ganzen Seele. Natürlich zahlt man dafür einen Preis, und man könnte im übertragenen Sinne sagen, dass man seine Seele verkauft. Aber es muss ja nicht an den Teufel sein, sondern für eine gute Sache.

teleschau: Wie viel Klischee verträgt eine Comic-Verfilmung?

Cage: Ich wollte keinen Helden, der gemäß den üblichen Klischees vom Teufel besessen ist, also nur Martini trinkt und Black Sabbath hört. Im Gegenteil: Er ist Bonbons aus dem Martiniglas und hört Songs von Karen Carpenter. Der Film ist kein Actionfilm im eigentlichen Sinne. Es ist ein Drama, ein Western, ein Abenteuer, Komödie, Geisterbahn, Liebesgeschichte und "Faust". Es ist ein Film, der gruselt, sich selbst aber nicht allzu ernst nimmt. Und der Held ist ein netter Kerl.

teleschau: Und ein Muskelpaket. Wie brachten Sie sich in Form?

Cage: Das werde ich wohl nie wieder über mich ergehen lassen. Es war buchstäblich die Hölle. Ich verbrachte jeden Tag fünf Stunden im Fitnessstudio und trainierte mit Gewichten.

teleschau: Wieso haben Sie das Angebot, den Grünen Kobold in Sam Raimis "Spider-Man" zu spielen, ausgeschlagen?

Cage: Ich hatte die schauspielerisch anspruchsvollere Möglichkeit, Zwillinge in Spike Jonzes "Adaptation" zu spielen. Aber ich mag Sam Raimis Filme. Es ist ja auch nicht so, dass ich einfach warte, bis mir etwas angeboten wird. Ich war drauf und dran, in den "Superman"-Anzug zu schlüpfen und die Legende mit Tim Burton wieder zu beleben. Doch als wir dem Studio unser Konzept vorlegten, bekamen sie kalte Füße, weil wir im Drehbuch alles auf den Kopf stellten und etwas wirklich Einzigartiges machen wollten. Als ich dann "Superman Returns" im Kino sah, wurde mir klar, dass die Studiobosse lieber eine Art nostalgischen Tribut an die früheren Filme haben wollten. Das ist vollkommen in Ordnung, nur für mich eben uninteressant.

teleschau: Sie nannten Ihren Sohn Kal-El nach dem Geburtsnamen "Supermans". Sie scheinen wirklich viel für diese Literaturgattung zu empfinden.

Cage: Ich bin zwar nicht mehr der Comic-Freak, der ich vielleicht früher einmal war, doch ich stehe zu meinen Wurzeln. Und hat nicht Albert Einstein gesagt: Der beste Weg, seine Kinder zu bilden, ist Ihnen Märchen vorzulesen? Märchen stimulieren die Fantasie und öffnen das Bewusstsein. Ich habe selbst auch viel von den Gebrüdern Grimm gelesen. Das ist auch ein Grund, wieso ich mir hier in Deutschland ein Schloss gekauft habe.

teleschau: Aber doch wohl nicht der einzige?

Cage: Meine Mutter ist Deutsche. Vielleicht kommt es daher, dass ich im Hinterkopf immer dieses Konzept eines Märchenschlosses im Wald hatte. Ich denke, ich bin an einem Punkt in meinem Leben angekommen, wo ich diesen Traum verwirklichen sollte. Ich brauchte Inspiration, also habe ich mir ein echtes Schloss gekauft. Bisher konnte ich aber noch nicht einziehen. Ich will es erst einmal sanieren, weil ich Gefallen daran gefunden habe, Dingen ihren wahren Charakter, ihre Geschichte, ihr historisches Erbe wieder zu verleihen, damit spätere Generationen ihre Freude daran haben und davon lernen können. Wenn es endlich fertig sein sollte, dann plane ich regelmäßig mit meiner Familie die Ferien hier in Deutschland zu verbringen.

teleschau: Hat Sie das persönliche Einladungsschreiben des örtlichen Bürgermeisters erreicht, in dem er Sie zum gemeinsamen Jagen einlädt?

Cage: Leider habe ich keinen Brief bekommen. Aber gerne werde ich mit ihm ausgehen. Kein Problem! Woran mir wirklich etwas liegt, ist: Ich möchte Deutsch lernen. Wenn ich in Deutschland bin und mich mit Leuten unterhalte, versuche ich immer so gut es geht einige Worte auf Deutsch zu wechseln. Wenn man in einem Land leben möchte, dann muss man seinen Nachbarn zeigen, dass man gewillt ist, ihre Sprache zu sprechen. Ich mag es ja auch nicht, wenn Leute in die USA kommen und kein Wort Englisch können.

teleschau: Hat Ihre Mutter mit Ihnen als Kind Deutsch gesprochen?

Cage: Nein, mein Mutter nicht, aber meine Großmutter. Das Herrichten des Schlosses wird etwa ein Jahr dauern. So lange habe ich Zeit, um durch diszipliniertes Büffeln die Sprache zu lernen. Ich hatte mich für einen Kurs angemeldet, konnte ihn aber nicht beenden, weil ich zu einem Dreh fliegen musste. Ich werde es mir also eher nebenbei aneignen müssen. Natürlich wird sich das eher auf Konversationsdeutsch beschränken. Ich werde es sicherlich nie perfekt sprechen können. Aber ich gebe mir Mühe.

teleschau: Was Sie sagen, klingt alles sehr harmonisch. Wo ist der Nicolas Cage, der wetterte, man müsse Regeln brechen, um wirklich zu leben?

Cage: Dazu stehe ich immer noch: Wenn man nicht hängen bleiben, sondern im Leben vorankommen möchte, dann sollte man darauf achten, nicht immer nur auf Sicherheit zu setzen. Man muss Visionen haben, um die Welt zu verändern. Das klingt abgehoben, beginnt aber schon damit, dass man seinen eigenen Stil entwickelt und ihn auch gegen Widerstand versucht durchzusetzen. Regeln, also Konventionen zu brechen, um Neues zu erreichen, ist wichtig für meine Seele.

teleschau: Sie selbst schienen lange Zeit süchtig nach Adrenalinausschüttungen zu sein. Wie steht heute damit?

Cage: In jüngeren Jahren jagte ich jedem Abenteuer hinterher. Ich fuhr so schnell es ging und war ständig ganz weit vorne, was gefährliche Extremsportarten anging. Doch mit dem Alter hat das sehr stark nachgelassen. Ich sehe keinen Sinn mehr darin, mein Leben aufs Spiel zu setzen für den Adrenalinkick. Ich ziehe mich lieber in mein deutsches Märchenschloss zurück und mache es mir im Ohrensessel mit einem alten Buch gemütlich.

teleschau: Hat sich auch Ihr Blick auf Ihren Job verändert?

Cage: Ich mache gerade einen Wandlungsprozess durch. Ich möchte ein guter Mensch sein, was in meinem Fall bedeutet: Ich möchte ein bescheidener Mann sein. Aber das Filmgeschäft ist nicht für Leute gemacht, die bescheiden sind. Es ist schwierig, seinen Stolz zu behalten. Es ist eine Welt, die auf dem Prinzip des Persönlichkeitskultes und der Eitelkeit funktioniert. Ich weiß nicht, wie lange ich noch Teil dieser Welt sein möchte.

Leif Kramp


Nicolas Cage ist erklärter Comic-Fan. Auch wenn der Großteil seiner Sammlung inzwischen verkauft ist.
Nicolas Cage ist erklärter Comic-Fan. Auch wenn der Großteil seiner Sammlung inzwischen verkauft ist. (2007 Sony Pictures Releasing GmbH)

Nicolas Cage liefert sich in "Ghost Rider" einen erbitterten Kampf mit den Mächten des Bösen.
Nicolas Cage liefert sich in "Ghost Rider" einen erbitterten Kampf mit den Mächten des Bösen. (2007 Sony Pictures Releasing GmbH)

Nicolas Cage bereitete sich lange auf die Rolle vor: "Es war buchstäblich die Hölle. Ich verbrachte jeden Tag fünf Stunden im Fitnessstudio und trainierte mit Gewichten."
Nicolas Cage bereitete sich lange auf die Rolle vor: "Es war buchstäblich die Hölle. Ich verbrachte jeden Tag fünf Stunden im Fitnessstudio und trainierte mit Gewichten." (2007 Sony Pictures Releasing GmbH)

Datum: 25.02.2007

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