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Fast Food Nation

Fast Food Nation

(tsch) Man ist, was man isst - aber wer weiß schon so genau, was er eigentlich zu sich nimmt? Nach der Selbstversuch-Doku "Supersize me" von Morgan Spurlock startet nun Regisseur Richard Linklater eine fiktionale Anti-Werbekampagne gegen Burger und Co. und erhält dabei die Unterstützung von Stars wie Avril Lavigne und Bruce Willis: "Fast Food Nation".

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Marketingchef Don Henderson (Greg Kinnear) ist stolz auf "The Big One". Dieser Burger sorgt als Verkaufsschlager der Fast-Food-Kette Mickey's für großen Umsatz. Überzeugt von seinem Produkt, fühlt er sich fast persönlich beleidigt, als Kontrolleure in dem Massenprodukt Kolibakterien zu Tage fördern - ein Skandal. Er will die gute Reputation seines "Babys" wieder herstellen und macht sich von seinem Sessel in der Konzernzentrale zu den Zulieferern auf.

Sein Weg führt ihn dorthin, wo in Amerika das meiste Fleisch produziert wird: Texas. Schnell wird auch ihm klar: Ein Burger ist mehr als ein mit Aromen aufgespoilerter Fleischklops zwischen weichen Brötchenhälften mit Garnitur. Dieses Produkt und seine Herstellung sorgen für wirtschaftlichen, sozialen und gesundheitlichen Sprengstoff. Das beginnt beim Bauernsterben - die Existenz der Rinderzüchter wird durch Grundstücksspekulationen bedroht - und geht weiter in der Schlacht- und Fleischverarbeitung, in der illegal mexikanische Einwanderer unter unwürdigen Bedingungen schuften müssen. Das bekommt Don Henderson natürlich nur nach und nach heraus. Bei seinem ersten Besuch wirkt alles wie ein Musterbetrieb und über die Arbeit der Chemiker, die im Labor dafür sorgen, dass der Burger den richtigen Grillgeschmack erhält, kann er noch amüsiert lächeln.

In dem Glauben, als Vertreter von Mickey's eine weiße Weste zu haben, bohrt Henderson tiefer und erfährt Unglaubliches. Weil Fast-Food-Ketten versuchen, die Preise der Hersteller immer mehr zu drücken, muss in der Fabrik billiger und auch schneller gearbeitet werden. Verletzungen der nicht krankenversicherten Arbeiter und platzende Kuhdärme, die sich über das bereits geschnittene Fleisch ergießen, sind die Folge. Die brutalen Schlachtszenen wurden in einem Schlachthaus während der realen Produktion gedreht - wer kein Fleisch isst, weiß jetzt wieder warum. Außer man vertritt, die Mir-doch-egal-Haltung, die im Film fast zu cool von Bruce Willis postuliert wird.

Als abgebrühter Fleischkontrolleur sagt er: "Wir alle müssen hin und wieder einmal Scheiße fressen." Und lässt sich seinen Mickey's Burger schmecken. Apropos Stars: Kris Kristofferson steht als kerniger Cowboy für das gute alte Farmer-Amerika und die kanadische Sängerin Avril Lavigne darf sich als Tieraktivistin nachts auf Kuhrettung begeben. Ethan Hawke will in seiner Rolle zwar nicht mehr selbst die Welt verbessern, unterstützt aber junge Revoluzzer moralisch im Kampf gegen alles, was liberale Menschen gerade an den USA stört. Zum Beispiel auch die Hungerlöhne, für die Angestellte rund um die Uhr im Burgerladen schuften.

Der in allen Genres beheimatete Regisseur Richard Linklater ("Slacker", "Before Sunset") entwickelte das Drehbuch zu "Fast Food Nation" zusammen mit dem amerikanischen Journalisten Eric Schlosser, der 2001 den gleichnamigen Sachbuch-Bestseller schrieb.

Etwas, das man weiß oder ahnte, plastisch vor Augen geführt zu bekommen, kann dann doch Folgen haben. Bei aufgeschlossenen Menschen kann dieser gut gemeinte Film durchaus als Appetitzügler wirken. Auch wenn versucht wurde, die Problematik mit Menschen und ihren Geschichten spannend und auch humorvoll zu verknüpfen, ist "Fast Food Nation" stellenweise jedoch zu plakativ und offensichtlich didaktisch geraten. Ein rotes Tuch für Uneinsichtige, die in schockierenden Dokus wie "Unser täglich Brot" oder "We feed the World" besser aufgehoben wären.

Diemuth Schmidt

Credits:
V:Senator, USA 2006, R: Richard Linklater, D: Ethan Hawke, Patricia Arquette, Bobby Cannavale u.a.

Laufzeit: 113 Min.

Kinostart:
01.03.07


Pete (Ethan Hawke) ist entsetzt, als ihm seine Schwester (Patricia Arquette) erzählt, dass ihre Tochter bei einer Fast Food Kette arbeitet.
Pete (Ethan Hawke) ist entsetzt, als ihm seine Schwester (Patricia Arquette) erzählt, dass ihre Tochter bei einer Fast Food Kette arbeitet. (Senator)

Der illegale Gastarbeiter Raul (Wilmer Valderrama) hofft auf das große Geld.
Der illegale Gastarbeiter Raul (Wilmer Valderrama) hofft auf das große Geld. (Senator)

Schleuser Benny (Luis Guzmán) schafft billige Arbeitskräfte über die mexikanische Grenze.
Schleuser Benny (Luis Guzmán) schafft billige Arbeitskräfte über die mexikanische Grenze. (Senator)

Datum: 04.03.2007

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Diskussion: "Fast Food Nation"

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