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Mitten ins Herz - Ein Song für Dich

Mitten ins Herz - Ein Song für Dich

(tsch) Wenn ein alternder Popstar an den Erfolg früherer Tage anzuknüpfen versucht, ist das oftmals peinlich. Die Stimme ist nicht mehr so klar wie damals, die Gelenkschmiere reicht für akrobatische Tanzeinlagen längst nicht mehr aus, und das Aussehen ist nur eines von vielen Problemen. Glück hat, wer bereits eine Karikatur seiner selbst ist und von berühmten Schauspielern in Filmen nachgeahmt werden - so zumindest erging es Keith Richards als Vorbild für Johnny Depps Captain Jack Sparrow in "Fluch der Karibik". In seiner flotten Musikkomödie "Mitten ins Herz" zeigt nun "Miss Undercover"-Autor Marc Lawrence, dass sich trotz allem doch die Mühe lohnt, es noch einmal zu versuchen. Dann klappt's vielleicht nicht mit dem Erfolg, aber mit der Liebe.

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Hugh Grant spielt erneut den Charmeur vom Dienst, der auch mit tiefen Falten und begrenztem musikalischen Repertoire noch Frauenherzen zum Schmelzen bringen kann. Diese beneidenswerte Wirkung beschränkt sich indes auf Jahrmarkt-Auftritte oder derselben in Möbelhäusern oder Hotellobbys.

Alex Fletcher, so der Name der einstigen zweiten Hälfte des Erfolgsduos "PoP!", einer 80er-Jahre-Formation nach dem Vorbild von "Wham!" und "Duran Duran", hat seine guten Tage weit hinter sich gelassen und muss nun gemeinsam mit seinem konsternierten Manager um jedes Engagement kämpfen und bangen. Bis ein Britney Spears/Christina Aguilera/Lindsay Lohan-Klon auftaucht, sich als große Verehrerin des musikalischen Schaffens Flechters erklärt und ihn darum bittet, einen ergreifenden Love-Song für ihr neues Album zu schreiben. Dumm nur, dass Alex völlig unbegabt ist, was die Wortwahl angeht, sondern allenfalls in die Tasten hauen kann.

Umso mehr zupass kommt ihm seine Blumengießerin Sophie, die gerade noch Literatur studierte und eine hochbegabte Autorin ist. Wäre da nicht ihr Professor, der ihre Zuneigung bloß ausnutzte, um ein bisschen Spaß zu haben. Doch Liebeskummer auf der einen und simple Hilflosigkeit auf der anderen Seite kombinieren sich zu einer kreativen Energie, die nicht nur die Protagonisten überrascht, sondern auch den Zuschauer, der nicht wirklich schlüssig nachvollziehen kann, wieso alles so reibungslos und harmonisch auf der Leinwand gelingen zu scheint. Denn ehe man sich versieht, ist der Song geschrieben, mehrere Male gesungen, verkauft, gefeiert und alle liegen sich im Arm, küssen und herzen sich. Schluss, Klappe, Abspann.

Was so kurz weilt wie das Lieblingslied im Radio, ist zumindest bis zur Hälfte unterhaltsam und teils überraschend humorvoll anzusehen. Während Drew Barrymore sich in der Rolle der fahrigen Blumenfrau unter Wert verkauft, glänzt Hugh Grant mit scheinbar improvisierten Tanzeinlagen und jeder Menge komischem Sex-Appeal, der auch in seiner parodistischen Präsentation noch den ein oder anderen Hingucker für die weibliche Zuschauerschaft bietet.

Besonders bemerkenswert ist Grants Motorrad-Tanz, der seine ganz eigene Wirkung entfaltet. Mit der furiosen Eröffnungssequenz in Form eines typischen Musikvideoclips im Stile der Popwelle der 80er-Jahre beweist Grant Selbstironie und eben die Schlagfertigkeit, die ihm im normalen Leben oft so fremd zu sein scheint. Als er vergangene Woche bei der Premiere des Films in Amsterdam von einer übereifrigen Journalistin in Handschellen gelegt wurde, konnte er nur schwerlich ein fröhliches Gesicht zum nur eingeschränkt komischen Spiel machen. Zudem hat er sich erst kürzlich von seiner Langzeit-Freundin Jemima Khan getrennt, mit der er bereits Nachwuchspläne geschmiedet haben soll.

Die insgesamt liebenswerte und recht kurzweilige Komödie über das harte Los von einstmaligen Stars, die mit dem extremen Wandel ihres angestammten Reviers zu kämpfen haben, wird getragen von einem verspielten und doch gehaltvollen Pop-Soundtrack. Für das Gros der Songs ist Adam Schlesinger verantwortlich, Bassist und Liedschreiber der US-Band "Fountains of Wayne". Diese Rockpop-Truppe aus New Jersey wurde bekannt mit leichtherzigen Songs für Highschool-Generationen: Herzschmerz, Feierlaune, große Träume. Schade nur, dass diese Musik mehr Tiefgang hat als die sich auf der Leinwand abspielende Romanze.

Leif Kramp

Credits:
V:Warner, USA 2006, R: Marc Lawrence, D: Hugh Grant, Drew Barrymore, Kristen Johnston u.a.

Laufzeit: 104 Min.

Kinostart:
08.03.07


Alex Fletcher (Hugh Grant) und Sophie Fischer (Drew Barrymore) sitzen sich anfangs noch etwas verkrampft gegenüber.
Alex Fletcher (Hugh Grant) und Sophie Fischer (Drew Barrymore) sitzen sich anfangs noch etwas verkrampft gegenüber. (2007 Warner Bros. Ent.)

Sophie Fischer (Drew Barrymore) hat ein gutes Gespür für Songtexte.
Sophie Fischer (Drew Barrymore) hat ein gutes Gespür für Songtexte. (2007 Warner Bros. Ent.)

Der ehemalige Popstar Alex Fletcher (Hugh Grant) will an seinen Erfolg in den 80er-Jahren anknüpfen.
Der ehemalige Popstar Alex Fletcher (Hugh Grant) will an seinen Erfolg in den 80er-Jahren anknüpfen. (2007 Warner Bros. Ent.)

Datum: 04.03.2007

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Artikel ID 182071

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