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The Road to Guantanamo

Road to Guantanamo

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Die Geschichte von Omar Khadr ist ein widernatürliches Drama. Der Jugendliche kämpfte für Osama Bin Laden in Afghanistan, schoss und tötete, wurde von US-Soldaten überwältigt und nach Kuba geflogen, um ihn zu internieren, zu befragen, mehr über die Terrorstrukturen von Al Qaida herauszufinden. Khadrs Geschichte ist erschütternd, weil der Junge gefoltert wurde - um der Wahrheit willen. Erschütternd auch, weil niemand die Wahrheit dieser Geschichte in Frage stellen kann, da die Taten den Folterern zugetraut werden, selbst von ihren Landsleuten. Täter, das ist im jetzt auf DVD erhältlichen "The Road To Guantanamo", eine Regierung, die Folter als gerechtfertigtes Instrument im Kampf gegen das Böse benutzt. Die Auswirkungen sind auch, das macht der Fall Murat Kurnaz deutlich, in Deutschland zu spüren. Die Augen zu verschließen, ist keine Lösung mehr.

Couragiert ist das Anliegen des britischen Filmemachers Michael Winterbottom, der mit der suggerierten Authentizität eines Doku-Dramas förmlich in die Welt hinausschreit, dass und vor allem was für ein Unheil geschieht. Die trotz in den letzten Jahren immer häufiger veröffentlichten Berichte über sadistische Praktiken seitens der US-Bewacher abstrakt bleibenden Inhaftierten bekommen bei Winterbottom ein Gesicht - drei, um genau zu sein. In nachgedrehten Sequenzen erzählt er die Schilderungen dreier afghanischer Flüchtlinge, die jahrelang zu Unrecht aus ihrem Leben gerissen, gefoltert und entmenschlicht wurden.

Damit provoziert Winterbottom Meinungsbildung, verursacht ein Wechselbad der Gefühle. Kopfschütteln ist da noch die zurückhaltendere Reaktion. Der Regisseur erhielt vor einigen Jahren den Goldenen Berlinale-Bären für sein Flüchtlingsdrama "In this World". Mit "Road to Guantanamo" knüpft er nahtlos an sein engagiertes politisches Wirken an.

Die Frage bleibt, welchen Einfluss Kunst - und auch der realistischste Film bleibt immer Kunst - auf den Schrecken der Wirklichkeit haben kann. Es hat sich gezeigt, dass es doch eher die Gerichte sind, die mit ihren wohl abgewägten, nüchternen Entscheidungen ein Umdenken in der Politik zumindest anstoßen. Doch Kunst ist immer auch ein Signal oder gar eine emotionale Initialzündung wie in diesem Fall; denn kalt lässt es wohl niemanden, wenn deutlich wird, wie hilflos ein Individuum dem tumben Rechtsverständnis eines von Gier- und Angstfantasien geprägten Weltbildes ausgeliefert sein kann.

Die optische Umsetzung auf der DVD entspricht dem dokumentarischen Charakter des Films. Das Ausgangsmaterial wurde - mit allen Schwächen - gut transferiert. Der Bonusteil enthält lediglich Interviews von der Berlinale-Pressekonferenz.

Vera Seeberg

bewertungsbox

bildformat 1,85:1 (anamorph)
sprachen Deutsch (5.1), Englisch (5.1)
untertitel Deutsch, Englisch
extras Interview
laufzeit 92 Min.
tonsystem Dolby Digital
regionalcode Regionalcode 2
preis ca. 17 Euro
bewertung bild befriedigend
bewertung ton befriedigend
bewertung extras mangelhaft

Credits:
(GB 2006, R: Michael Winterbottom, Mat Whitecross, D: Arfan Usman, Farhad Harun, Rizwan Ahmed u.a.)


Guantanamo ist zu einem Sinnbild geworden, auf das niemand stolz sein kann. Im US-Gefangenenlager auf Kuba geschehen schreckliche Dinge, mit Schuldigen und Unschuldigen, "The Road To Guantanamo" prangert sie an.
Guantanamo ist zu einem Sinnbild geworden, auf das niemand stolz sein kann. Im US-Gefangenenlager auf Kuba geschehen schreckliche Dinge, mit Schuldigen und Unschuldigen, "The Road To Guantanamo" prangert sie an. (Universum)

Die Gefangenen in Guantanamo Bay in Kuba müssen üble Foltermethoden über sich ergehen lassen.
Die Gefangenen in Guantanamo Bay in Kuba müssen üble Foltermethoden über sich ergehen lassen. (Universum)

Nach ihrer Gefangenschaft werden Ruhel (Farhad Harun, links), Shafiq (Riz Ahmed, Mitte) und Asif (Arfan Usman) immer wieder vom britischen Geheimdienst verhört.
Nach ihrer Gefangenschaft werden Ruhel (Farhad Harun, links), Shafiq (Riz Ahmed, Mitte) und Asif (Arfan Usman) immer wieder vom britischen Geheimdienst verhört. (Universum)

Datum: 07.03.2007

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