(tsch) "Frieden ist etwas für Frauen. Und für die Schwachen." Starke Worte aus einem großen Film. Der deutsche Regisseur Wolfgang Petersen hatte rund 130 Millionen Dollar zur Verfügung, um den Trojanischen Krieg auf die Kinoleinwand zu bringen - ganz sicher mit der Vorgabe, endlich wieder ein Kinoereignis für Hollywood zu schaffen, das sich nicht auf aktuelle Trends verlässt, sondern zeitlos seinen Platz in der Filmgeschichte innehaben soll. Über weite Strecken ist ihm dies gelungen. Mehr als vier Millionen Zuschauer sahen "Troja" (2004) in den deutschen Kinos. Nun zeigt das ZDF den Film zur besten Sendezeit und schließt um 22.45 Uhr mit "Troja - Die wahre Geschichte" eine historische Dokumentation zum Thema an.
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Troja, Achilles - zwei Namen, mit denen die ganze Welt etwas zu verbinden vermag, die perfekte Grundlage für einen großen Erfolg. Der Film geht auf die Geschichte der "Ilias" zurück, ein Altertumsepos, das dem Dichter Homer zugeschrieben wird und dessen Grundzüge alles mitbringen, was gestern wie heute Basis eines klassischen Dramas war und ist.
Brad Pitt ist Achilles, jener Krieger, der für Agamemnon, König von Mykene, gegen Troja anrannte. Eine Rolle, wie sie schöner nicht sein könnte: Getrieben von Eitelkeit und der Sehnsucht nach Ruhm, macht er sich auf in den Kampf und bleibt dabei ein ewiger Rebell. Achilles wendet sich stets gegen Agamemnon (Brian Cox), trifft eigenmächtige Entscheidungen, doch der König weiß, dass er auf seinen größten Krieger nicht verzichten kann.
Trotz der opulenten Bilder ist "Troja" kein Schlachtenepos im eigentlichen Sinne geworden. Schon die Auftaktszene weist den Weg: Zwei Armeen stehen sich gegenüber, doch zu dem erwarteten Krieg kommt es nicht. Stattdessen tritt Achilles gegen einen scheinbar übermächtigen Soldaten an, besiegt ihn im Handstreich, und es wird klar, dass diese historische Figur im Drehbuch von David Benioff eher Söldner denn Ehrenmann ist.
Vor Troja steht die Armee wegen der Liebe. Paris, Prinz von Troja (Orlando Bloom), führt eine heimliche Beziehung zu Helena (Diane Kruger), Frau des Königs Menelaos von Sparta (Brian Gleeson). Die Friedensverhandlungen zwischen beiden Seiten sind weit gediehen, doch dann entführt Paris seine Geliebte, was Sparta nicht auf sich beruhen lassen kann. Die Trojaner werden verfolgt, bis vor die Tore ihrer Stadt, die bis dahin uneingenommen blieb. Agamemnon nutzt die persönliche Rache seines Bruders Menelaos aus. Ihm geht es nicht um die Familienehre. Er will, verbündet mit den Stämmen Griechenlands, Troja ein für alle Mal den Garaus machen und als König Geschichte schreiben.
Zwei größere Schlachten lässt Wolfgang Petersen folgen, die jedoch nur in ganz wenigen Momenten dem allgemeinen Trend zu mehr Brutalität im Kino folgen. Gut, dass der Regisseur hier die Auseinandersetzung nicht im Sinne eines blutigen Gemetzels inszenierte. Vielmehr setzte er auf gewaltige Bilder - seine Armeen wurden größer als alle, die bisher gezeigt wurden. Dazu die imposante Kulisse der sagenumwobenen Stadt, die man auf Malta wieder auferstehen ließ.
So professionell und glaubwürdig der Rahmen erscheint, über die Qualität des Films entscheidet seine eigentliche Handlung. Neben der Liebesbeziehung zwischen Paris und Helena geht es vor allem um familiäre Verflechtungen. Es ist ein permanentes Rachespektakel: Jemand tötet des anderen Bruder oder Cousin ... und wird folglich selbst hingemeuchelt. Höhepunkt: der Kampf von Achilles gegen den Prinzen Hektor (Eric Bana), Paris' Bruder.
Und schließlich ist da die Liebe des Achilles, die ihn ebenso unvermittelt trifft wie den Betrachter, dem sich diese sonderbare Affäre nie so recht erschließen mag. Es ist Hektors Cousine Briseis (glänzend: Rose Byrne), die den feindlichen Truppen in die Hände fällt und die sich dem Luxuskörper von Hollywoods schönstem Schauspieler denn auch erwartungsgemäß nicht entziehen kann. Und da sie zwischen den Fronten steht, droht sie zur Achillesferse zu werden.
Bis in die Nebenrollen (unter anderem mit Peter O'Toole als Trojas König Priamos) exzellent besetzt, ist Wolfgang Petersens Mammutwerk trotz einiger Längen ein bemerkenswertes Stück Historienkino. Mag es ihm bisweilen auch etwas an inhaltlicher Tiefe fehlen, so überzeugt es doch durch seine ehrliche und kompromisslose Inszenierung, die konsequent auf den Massengeschmack ausgerichtet ist und schon deshalb auch am Sonntagabend im ZDF ihr Millionenpublikum finden wird. Im Anschluss geht Friedrich Steinhardts Dokumentation "Troja - Die wahre Geschichte" dann möglichen Wahrheiten auf den Grund: Welche Helden gab es wirklich? Und stimmt die Geschichte vom hölzernen Pferd?
Kai-Oliver Derks
Achilles (Brad Pitt) steht an der Spitze des Feldzugs gegen Troja. (ZDF / Helena Productions Ltd.)
Die Beziehung zwischen Paris (Orlando Bloom) und Helena (Diane Kruger) ist der Ausgangspunkt eines Krieges. (ZDF / Helena Productions Ltd.)
Die opulenten Sets tragen die Handschrift des deutschen Regisseurs Wolfgang Petersen. (ZDF / Helena Productions Ltd.)
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