logo
Anzeige
I, Robot

I, Robot

(tsch) Nehmen wir an, wir hätten eines Tages die Möglichkeit, einen Roboter bei uns anzustellen, der den Müll hinunterbringt, die Steuererklärung erledigt und die Rosen zum Hochzeitstag organisiert. Wer würde solch einem Helferlein die Türe weisen? Tatsächlich spielen die Kurzgeschichten des Autors Isaac Asimov mit eben diesem Szenario und schreiben es fort. Denn die Maschinenmenschen, die sich eigentlich einem klaren Regelwerk zu unterwerfen haben, machen sich selbstständig. In der Kinoversion "I, Robot" (2004), inszeniert vom Regisseur Alex Proyas, finden sie sogar einen recht plausiblen Grund. Dennoch: Amerika wird sich selbstverständlich gegen die wachsende Bedrohung zu wehren wissen.

Anzeige

 

Immer wieder wurden die Roboter in der Filmgeschichte dämonisiert, während die Realität sie schon seit Jahren in der Rolle des praktischen Helfers sieht. Dass Asimov in seinen Erzählungen eben auch von dieser zunächst positiven Entwicklung ausgeht, macht seine Fantasie ebenso interessant wie relevant.

"I, Robot", der nun bei RTL als Free-TV-Premiere im Programm ist, beschreibt zunächst in einfachen, aber faszinierenden Szenen die Grundsituation im Jahr 2035. Der Film entwirft eine Welt, wie sie durchaus vorstellbar ist. Wie es schon andere Produktionen wie zum Beispiel "Demolition Man" taten, ist auch das hier keine pure Science-Fiction, sondern eher die Beschreibung vieler logischer Fortentwicklungen ohne all die Unsinnigkeiten, die zum Beispiel Steven Spielbergs "Minority Report" so unrealistisch werden ließen. Schade nur, dass gerade die ersten Minuten vom lästigen Product Placement geprägt sind.

Inmitten dieses Lebens nun sind die Roboter eine Selbstverständlichkeit: Sie gehen mal eben mit dem Hund Gassi, betätigen sich als Müllfahrer oder holen schnell noch die Tasche, die vor dem Einkaufen zu Hause vergessen wurde. Detective Del Spooner (Will Smith) kann sich mit alldem allerdings nicht anfreunden, was das Script im späteren Verlauf mit einem etwas mühsam konstruierten Trauma aus der Vergangenheit des Cops zu erklären versucht. Er, so scheint es, glaubt von Anfang an nicht daran, dass die Menschheit die Kontrolle über die Maschinen behalten können würde. Und natürlich liegt er mit dieser Vermutung richtig.

Spooner wird zu einem vermeintlichen Selbstmord gerufen. Der Wissenschaftler Dr. Alex Lanning (James Cromwell), wissenschaftliches Genie der Firma U.S.S. Robotics, ist ums Leben gekommen. Spooner hat Zweifel an der Suizidtheorie, steht doch das Unternehmen vor einem äußerst bedeutsamen Schritt. Die Zahl der Roboter soll verdreifacht werden, ein neues Modell namens NS-5 kommt auf den Markt. Mit ihm könnte U.S.S. Robotics seine Macht ausbauen. Da kann es doch gut sein, dass eventuelle Fehlprogrammierungen unter den Tisch gekehrt werden, um den Erfolg zu gefährden.

"I, Robot" ist trotz aller visuellen Spielereien in erster Linie ein futuristischer Krimi, angereichert durch eine Vielzahl von Actionsequenzen. Einige spektakuläre Verfolgungsjagden stehen hier im Mittelpunkt. Unterstützung bei den Ermittlungen findet Spooner durch die Roboter-Psychologin Dr. Susan Calvin (Bridget Moynahan), deren Funktion allerdings die meiste Zeit darauf beschränkt ist, die pessimistischen Thesen Spooners zu hinterfragen, um schließlich an seiner Seite gegen das drohende Unheil anzutreten.

Kernfigur neben dem sympathischen Retro-Cop ist allerdings der Roboter Sonny, einer aus jener neuen Generation, der zunächst unter Mordverdacht gerät, schließlich aber auf reichlich wirre Art und Weise zur Sympathiefigur aufgebaut werden soll, die es für das leider in höchstem Maße kitschige Finale braucht.

Über weite Strecken ist "I, Robot" ein unterhaltsamer Film, dessen Thematik durchaus eine gewisse Brisanz bietet. Gut auch, dass die Handlung auf Chicago beschränkt bleibt und zu keinem Zeitpunkt ein unsinniges Weltuntergangszenario beschworen wird. Gegen Ende erlag Regisseur Proyas, der an der Entwicklung des Drehbuchs beteiligt war, jedoch der Verführung, Hollywoods Regelwerk ohne Abweichung anzuwenden und somit einen durchaus intelligenten Stoff dem Boxoffice zu unterwerfen. Schade drum. Man erinnere sich nur an Proyas' herausragenden Film "The Crow" (1994), in dem er es so exzellent verstanden hatte, Dramatisches und Poesie zu einem mitreißenden Ganzen zu vermengen.

Kai-Oliver Derks


Friedlich sollen die Roboter gemäß Regelwerk sein. Doch nicht alle sind es, wie Del Spooner (Will Smith) erfahren muss.
Friedlich sollen die Roboter gemäß Regelwerk sein. Doch nicht alle sind es, wie Del Spooner (Will Smith) erfahren muss. (RTL)

Del Spooner (Will Smith) und Susan Calvin (Bridget Moynahan) haben es mit wild gewordenen Robotern zu tun.
Del Spooner (Will Smith) und Susan Calvin (Bridget Moynahan) haben es mit wild gewordenen Robotern zu tun. (RTL)

Del Spooner (Will Smith) sucht inmitten einer Horde Maschinenmenschen nach einem ganz bestimmen Roboter.
Del Spooner (Will Smith) sucht inmitten einer Horde Maschinenmenschen nach einem ganz bestimmen Roboter. (RTL)

Datum: 06.04.2007

Facebook aktivieren
Artikel ID 182256

Weitere Artikel, die Sie interessieren könnten:

    "Misery" lehrt bis heute jeden das Gruseln
    Man ist gewohnt, Kathy Bates in üppigen Toiletten auf Happenings der High Society des 19. und frühen 20. Jahrhunderts zu sehen, etwa in Filmen wie „Chéri“ oder „Titanic“. Was jedoch die Charakterschauspielerin ...

    "Orphan - Das Waisenkind" lehrt alle das Fürchten
    Nein, neu ist die Idee von „Orphan“ nicht: Ein Kind verkörpert das absolut Böse. Und auch bei der Inszenierung trifft man manchmal auf wohlbekannte Motive und fühlt sich durchaus an Damien aus „Das Omen“ ...

    Aus Ron Howards "Illuminati" wurde ein Hochtempo-Krimi
    „Illuminati“, die Verfilmung von Ron Howards Bestseller, wurde ziemlich geradlinig und ideenarm inszeniert. Wie im Roman dreht sich alles um die einzige Frage: „Wer war es?“ Der geht, nein, rennt Tom Hanks ...

    Colin Farrell darf "Nicht auflegen!"
    Selten haben in Hollywood schrill klingelnde Telefone etwas Gutes zu bedeuten. Von Hitchcocks "Bei Anruf Mord" (1954) über den Teen-Horror-Streifen "Scream" (1996) bis zum US-Thriller "Unbekannte Anrufer" ...

    Washington und Jolie sind dem "Knochenjäger" hinterher
    Hannibal Lecter, "Jigsaw" ("Saw") und der teuflische Psychopath aus "Sieben" zählen zu den schlimmsten Serienkillern der jüngeren Filmgeschichte. Ein weiterer wird in solchen Auflistungen gerne übergangen: ...

    Denzel Washington kämpft gegen einen "Dämon"
    Kein schöner Abend für Denzel Washington: Zuerst sucht ihn um 20.15 Uhr "Der Knochenjäger" heim. Um 22.25 Uhr legt ProSieben dann nach und hetzt dem 54-Jährigen den "Dämon" auf den Hals. In dem Okkult-Thriller ...


 
Anzeige
livedome
Konzert-DVD im Stream
Gentleman
Gentleman am 27.04. ab 20.00 Uhr als » Musikstream

Anzeige
.
Partner von Fantastic Zero


itemid = 35 - id = 2723 - task = view - option = com_content - limitstart= 0