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Die Passion Christi

Die Passion Christi

(tsch) Eine merkwürdige Programmauswahl bietet ProSieben am Karfreitag. Eingezwängt zwischen die Free-TV-Premiere der Animationskomödie "Shrek 2 - Der tollkühne Held kehrt zurück" und den Gruselschocker "Deathwatch", zeigt der Sender Mel Gibsons kontroverses Drama "Die Passion Christi" (2004) als Erstausstrahlung. Ein denkbar unpassender Rahmen für die tragische Passionsgeschichte. Manch einer wird sich jedoch weniger am missratenen Audience-Flow als am Film selbst stören. Mit seiner äußerst brutalen, aber ebenso eindringlichen Inszenierung des Leidensweges Christi, den der Sender in der ungekürzten Kinoversion zeigt, musste sich der Regisseur bereits vor der Leinwandpremiere scharfer Kritik aussetzen.

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Weit über zehn Minuten dauert eine Folterszene, bei der sich selbst gewalterprobten Kinogängern der Magen umdreht. Stück für Stück wird Fleisch aus dem Körper des Gepeinigten gezerrt. Widerhaken an der Peitsche, die sein Gesicht umschlingen, werden brutal herausgerissen. Es vergeht nicht einmal eine halbe Stunde, und Jesus ist auf einem Auge mehr oder minder blind, weil die Schwellung nach den vielen Schlägen nicht aufzuhalten ist. Dann der Kreuzgang, ewig lang und ewig qualvoll. Unzählige Male bricht Jesus in sich zusammen. Und schließlich die Kreuzigung. Die Kamera zeigt schonungslos, wenn die Nägel eingeschlagen werden.

Kein Zweifel: "Die Passion Christi", der zu den erfolgreichsten und meistdiskutierten Filmen der vergangenen Jahre zählt, ist nichts für Zartbesaitete. Von den Spekulationen über angeblichen Antisemitismus, den der Film schüre, einmal abgesehen, wurde ihm vor allem die schonungslose Grausamkeit seiner Bilder vorgeworfen. Doch ist die Leidensgeschichte Jesu an sich ein brutales, blutiges und äußerst düsteres Kapitel des Evangeliums. Genau das versuchte Mel Gibson umzusetzen. Außerdem habe gerade diese blutrünstige Brutalität im Film, den in Deutschland immerhin über eine Millionen Besucher sehen wollten, viel mit der Wirklichkeit des Menschen zu tun, so etwa Domkapitular Wolfgang Sauer in einer Stellungnahme des Erzbischöflichen Ordinariats Freiburg: "Die tägliche Berichterstattung in den Medien führt uns eindrücklich vor Augen, welch dunkles Gesicht die Passion in unserer Zeit hat", verteidigte der Geistliche den Film gegen allzu harsche Kritik.

"Die Passion Christi" ist ein beeindruckendes Drama, zweifellos von exzellenten Darstellern geprägt: James Caviezel als Jesus überzeugt ebenso wie Monica Bellucci (Maria) und Maia Morgenstern (Maria Magdalena). Extrem sind die gewählten Sprachen. Die Geschichte von der Verurteilung Jesu, über die Folter bis hin zum qualvollen, aber erlösenden Tod ist in Aramäisch und Latein gedreht und deutsch untertitelt. Das verleiht der "Passion Christi" zwar den Anschein von Authentizität. Dennoch gibt der Film wenig Einblick in das Wesen Jesu Christi.

Neue Diskussionen um sein Sterben entfachte kürzlich Hollywoodproduzent James Cameron mit der umstrittenen Dokumentation "Das Jesus-Grab", die ProSieben bereits im Vorabendprogramm (17.25 Uhr) zeigt. Gemeinsam mit dem Emmy-prämierten Journalisten Simcha Jacobovici glaubt der "Titanic"-Regisseur, das wahre Grab Jesu gefunden zu haben. Dabei handele es sich um eine 1980 bei Bauarbeiten im Süden von Jerusalem ausgegrabene Familiengrabstätte.

Im Anschluss, 19.20 Uhr, wirft auch Aiman Abdallah im Wissensmagazin "Galileo Mystery" einen Blick auf die "Akte Jesu". Mit beinahe detektivischen Mitteln ist der Moderator einer Theorie auf der Spur, die die Kreuzigung und Auferstehung Jesu als größtes Betrugsmanöver der Geschichte darstellt.

Pauline Kunze


James Caviezel gibt als Jesus eine herausragende schauspielerische Leistung, die jedoch in der allgemeinen Diskussion um den Film kaum Beachtung fand.
James Caviezel gibt als Jesus eine herausragende schauspielerische Leistung, die jedoch in der allgemeinen Diskussion um den Film kaum Beachtung fand. (ProSieben / Icon Film Distribution Ltd.)

Petrus (Francesco De Vito, links) beim Abendmahl mit Jesus (James Caviezel) - der Film zeigt das Ereignis in einer kurzen Rückblende.
Petrus (Francesco De Vito, links) beim Abendmahl mit Jesus (James Caviezel) - der Film zeigt das Ereignis in einer kurzen Rückblende. (ProSieben / Icon Film Distribution Ltd.)

Jesus (James Caviezel) stirbt am Kreuz. Sein Körper ist von den Misshandlungen in den Stunden zuvor geschunden.
Jesus (James Caviezel) stirbt am Kreuz. Sein Körper ist von den Misshandlungen in den Stunden zuvor geschunden. (ProSieben / Icon Film Distribution Ltd.)

Datum: 06.04.2007

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Artikel ID 182341

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