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Hugh Grant

"Ich war arm und brauchte das Geld"

Schauspieler Hugh Grant

(tsch) Hugh Grant, ewiger Brit-Beau. Seine jugendliche Schönheit weicht zwar mittlerweile Krähenfüßen und einem leicht grauen Haaransatz, doch der 46-Jährige ist als liebenswerter Schwerenöter noch immer gut im Geschäft - zumindest auf der großen Leinwand. Im wahren Leben machte er zuletzt Schlagzeilen durch seine Trennung von Freundin Jemima Khan. Er spielte den arroganten Dandy in "Bridget Jones" und den netten Schussel in "Vier Hochzeiten und ein Todesfall". Er war der leidenschaftliche Premierminister in "Tatsächlich Liebe" und der Bücherwurm in "Notting Hill". In seinem neuen Film "Mitten ins Herz - ein Song für Dich" (Start: 08.03.) darf er endlich mal aus seiner Haut fahren und als alterndes Pop-Idol der 80-er zeigen, wie betörend sein Hüftschwung wirklich ist. Beim Gespräch in einem Londoner Nobelhotel aber gibt er lässig zu, dass er eigentlich völlig unmusikalisch sei und sowieso alles nur improvisiert habe. Ein Interview über das Altern im Rampenlicht.

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teleschau: Nette Tanzeinlagen sind das im Film. Das sieht nach einem harten Training aus ...

Hugh Grant: Natürlich habe ich dafür hart trainiert. Ich bin übrigens auch immer noch der Überzeugung, dass ich völlig fehlbesetzt bin.

teleschau: Warum denn das?

Grant: Ich habe keinerlei musikalisches Gefühl, war noch nie bei einem Konzert. Ich tanze nicht und spiele kein Klavier: Zwei der wichtigsten Fähigkeiten meiner Rolle. Als ich mich schließlich dazu hinreißen ließ, zu unterschreiben, flüchtete ich in Panik nach Amerika, um mich einzuigeln bis zu den Dreharbeiten.

teleschau: Dann haben Sie also improvisiert?

Grant: Ich hatte einen Trainer. Doch der kreative Input kam allein von mir. Nehmen Sie zum Beispiel den Motorrad-Tanz, bei dem ich mich im Stand lässig zurücklehne und mit ausgestreckten Armen simuliere, mit dem Gas am Lenker zu spielen. Wenn das mal zum neuen Macarena werden sollte, möchte ich die Lorbeeren dafür bekommen. Trotzdem habe ich natürlich nicht auf all die Erfahrung meines unglaublich teuren Choreografen verzichtet. Der hat schon Britney Spears und Christina Aguilera zu Weltruhm verholfen. Da stand ich also in seinem hippen Tanzstudio in Downtown New York und sollte mich ganz locker und entspannt zur Musik bewegen. Ich aber blieb stocksteif und fragte mich bloß, auf was ich mich da eingelassen hatte.

teleschau: Wie haben Sie sich schließlich überwunden?

Grant: Ich stahl Beruhigungsmittel von meiner damaligen Freundin, die es eigentlich viel nötiger brauchte, um ihre Flugangst zu bekämpfen. Bei mir verfehlte es seine Wirkung total. Also nahm ich mir eine Flasche Whiskey, die mir zum Auftakt der Dreharbeiten geschenkt worden war, und füllte den Inhalt in eine Limonadenflasche. So konnte ich vor dem Dreh immer unauffällig einen Schluck nehmen. Am frühen Nachmittag war ich dann bereit für die Tanzszenen. Ich sehe im Film immer etwas verschwitzt aus, fühlte mich aber wie ein Rock'n'Roll-Star.

teleschau: Sie sollen durch den Film zu einem echten Piano-Talent geworden sein.

Grant: Diese Fehleinschätzung mag wohl daran liegen, dass mir der Regisseur am Ende der Dreharbeiten ein Elektroklavier schenkte. Und ich hatte auch wirklich vor, mich intensiver mit der Materie zu beschäftigen. Doch mein unmusikalisches Unterbewusstsein hat mich ganz offenbar davon abgehalten. So schlummert das Geschenk noch immer in seiner Verpackung und wird wohl nie das Licht der Welt erblicken.

teleschau: Wie kamen Sie mit Drew Barrymore als Leinwandfreundin zurecht?

Grant: Drew tat mir leid, weil sie so voller kalifornischem Sonnenschein, Freude und Lachen ist und dann mit mir Trauertopf zusammenarbeiten musste. Das konnte man schon an unseren unterschiedlichen Wohnwagen am Drehort erkennen: Ihrer war voller Leben, Kerzen, Musik und Hunden, und meiner war nur gefüllt mit einem kleinen, grimmigen Mann, nämlich mir, der in der Ecke saß und SMS verschickte.

teleschau: Wie erklären Sie sich ihren neuerlichen Erfolg als Werbeikone und Schönheitsideal in Hollywood?

Grant: Sie hat einfach eine bewundernswerte Leinwandpräsenz. Was sich um ihre Augenpartie herum abspielt, haut mich immer wieder um. Vielleicht liegt es an ihren alten irischen Barrymore-Genen, aber auf jeden Fall sieht es fantastisch vor der Kamera aus. Sie wirkt so verletzlich. Ihre Haut ist dünner als die von anderen. Da sieht man die Gefühle förmlich hindurchsickern. Das haben nur die wirklich ganz großen Stars.

teleschau: Kennen Sie sich nicht schon länger?

Grant: Das stimmt. 1995 schickte sie mir einen Brief, der mich aufmuntern sollte.

teleschau: Weil sich alle Welt aufregte, dass Sie mit einer Prostituierten ertappt wurden?

Grant: Wenn ich zurückblicke, dann kann ich immer noch nicht verstehen, wieso das so hohe Wellen geschlagen hat. Auf mich wirkten die Reaktionen hoffnungslos übertrieben. Es geht sogar so weit, dass es mich ziemlich verärgern könnte, wenn wir weiter darüber sprechen sollten. In Kontinentaleuropa hat niemand ein Aufhebens darüber gemacht. Nur die Briten und Amerikaner mussten alles an die große Glocke hängen.

teleschau: Wie wichtig ist eine eigene Familie mittlerweile für Sie geworden?

Grant: Ich wurde vor einiger Zeit häufiger gefragt, ob ich eine Art Ersatzvater für die Kinder meiner damaligen Freundin sein wolle. Doch das stimmte nicht. Ich mochte ihre Kinder zwar, doch wollte ich mich nicht zwischen sie und ihren wirklich treu sorgenden Vater drängen, der in ihrer Heimat Pakistan lebt. Solche Gerüchte schaden Kindern. Ich hatte nie derlei Ambitionen. Aber ich möchte jetzt tatsächlich selbst damit anfangen, Kinder zu zeugen. Wenn ich all meine Freunde sehe und welche unbändige Freude sie an ihren Kindern haben, denke ich, dass auch für mich die Zeit langsam gekommen ist.

teleschau: Welche Tipps würden Sie Kindern geben, die heutzutage ins Showbiz starten wollen?

Grant: Ich würde ihnen zur Vorsicht raten, denn die Medien haben zu viel Macht und Kontrolle über alles. Für einen jungen Künstler, der schon als Teenager mit Geld und Ruhm überhäuft wird, ist es nahezu unmöglich, natürlich und sauber zu bleiben und mit beiden Füßen auf dem Boden zu bleiben. Daher halte ich es für einen wahren Segen, wenn man erst als Erwachsener berühmt wird, sagen wir: mit Mitte 30.

teleschau: Es fällt schwer zu glauben, dass Sie in den 80er-Jahren wirklich so durchgestylt waren, wie anfangs im Film zu sehen.

Grant: Ihre Zweifel sind berechtigt: Ich ähnelte damals eher einem 13-jährigen Mädchen. Generell hatte ich in meiner Jugend das Problem, immer sehr viel jünger auszusehen als gleichaltrige Jungen. Vergangenes Weihnachten kam ein für mich recht peinliches Buch über alte "Foto Love Stories" auf den Markt. Ich habe mich früher für solche Foto-Liebesromane verkauft, weil ich als Student kaum Geld hatte. In den frühen 80-ern war ich 22 Jahre alt, sah aber so aus wie 15, was mir den Job brachte, mir heute aber die Schamesröte ins Gesicht steigen lässt.

teleschau: Weil Sie ein Mädchen spielten?

Grant: Gott sei Dank war es nicht so schlimm. Aber dass ein solches Buch mit ollen Kamellen nun zum Bestseller wird, hätte ich mir damals in meinen fürchterlichsten Träumen nicht vorgestellt. Eines beruhigt mich aber: Auch George Michael scheint damals Geld gebraucht zu haben.

teleschau: Wie gehen Sie mittlerweile mit Ihrer jugendlichen Ausstrahlung um?

Grant: Mittlerweile hat sich meine Ausstrahlung, glaube ich, meinem tatsächlichen Alter angenähert, wenn nicht sogar es weit überschritten. Ich kann den Wendepunkt meiner Karriere an dem Punkt festmachen, als ich mit 33 Jahren plötzlich nicht mehr lächerlich jung aussah. Die Zukunft war für mich immer dieses große Gebilde, das unerschlossen und viel versprechend vor mir lag. Jetzt ist es stark zusammengeschrumpft und gar nicht mehr so viel versprechend. In ein paar Jahren bin ich tot. Was das angeht, habe ich ganz düstere Gedanken. Ich beging letztens den Fehler und las in einer Naturzeitschrift. Da erfuhr ich, dass Grönland schon fast komplett abgetaut ist und wir alle in zehn Jahren sowieso keine Zukunft mehr haben. Wozu also noch Filme drehen?

teleschau: Sie werden sich also demnächst um Ihr Karriereende kümmern?

Grant: Du bist immer nur so gut wie dein letzter Film. Für mich wäre es ein Horrorszenario, wenn ich immer schlechtere Filme drehen würde, nur um weiter arbeiten zu können. Letzten Endes würde ich dann kläglich im Nachmittagsfernsehen enden und wäre ein echter Star von anno dazumal. Wenn man einen Schlussstrich zieht, während man noch eine gesunde und laufende Karriere hat, dann ist das ehrbar. Aber ich drehe erstmal weiter.

teleschau: Stört es Sie, dass Sie für viele Zuschauer nur der Charmeur vom Dienst sind?

Grant: Ich verstehe nicht, wieso mich alle immer für den schüchternen Charmebolzen halten, den ich im Grunde nur in zwei Filmen von Richard Curtis gespielt habe. Meine Karriere zeigt viel mehr als das. In "American Dreamz" zum Beispiel konnte ich auch mal richtig fies sein. Vielleicht bin ich ja schon bald als Serienkiller im Kino zu sehen. Das würde mich reizen, denn in mir schlummert viel rohe Gewalt, und ich würde sie gern mal ausleben.

teleschau: Sie sollen auch an einem eigenen Filmprojekt arbeiten. Worum geht's?

Grant: Es geht um meinen Vater und seine Kriegserfahrungen. Mein Problem ist, dass mein Vater sich immer geweigert hat, weil er Filme und Hollywood hasst. Aber ich möchte diesen Film unbedingt machen: Darin soll es um seine Teilhabe an einer großen Schlacht zu Beginn des Zweiten Weltkriegs gehen. Mein Vater befürchtet, dass eine solche Aufarbeitung viele Erinnerungen verfälscht oder unvollständig abbildet. Meine Familie war schon immer Teil eines schottischen Regiments, das damals tapfer gekämpft hat. Ich muss wohl noch einige Jahre warten, damit er älter und schwächer wird und ich weniger Mühe habe, ihn zu überreden.

Leif Kramp


Hugh Grant kann nicht tanzen. Er spielt kein Klavier. Er ist unmusikalisch. Konsequenz: "Ich bin immer noch der Überzeugung, dass ich völlig fehlbesetzt bin." Sein neuer Film "Mitten ins Herz - Ein Song für Dich" startet am 08.03..
Hugh Grant kann nicht tanzen. Er spielt kein Klavier. Er ist unmusikalisch. Konsequenz: "Ich bin immer noch der Überzeugung, dass ich völlig fehlbesetzt bin." Sein neuer Film "Mitten ins Herz - Ein Song für Dich" startet am 08.03.. (2007 Warner Bros. Ent.)

Mit einem Tanztrainer bereitete sich Hugh Grant auf seine Aufgabe vor.
Mit einem Tanztrainer bereitete sich Hugh Grant auf seine Aufgabe vor. (2007 Warner Bros. Ent.)

Entspannt beim Dreh zu "Mitten ins Herz - Ein Song für Dich", von links: die Darsteller Brad Garrett, Drew Barrymore und Hugh Grant.
Entspannt beim Dreh zu "Mitten ins Herz - Ein Song für Dich", von links: die Darsteller Brad Garrett, Drew Barrymore und Hugh Grant. (2007 Warner Bros. Ent.)

Datum: 08.03.2007

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