(tsch) Dieser Mann ist Echt. Von 1998 bis 2002 war Kim Frank (24) Sänger der ehemaligen Schülerband Echt aus Flensburg, die mit ihren Hits "Weinst Du", "Du trägst keine Liebe in Dir" oder dem Rio-Reiser-Cover "Junimond" die Teenies verzauberte, die Kritiker begeisterte und die Charts fest im Griff hatte. Doch wie hieß es in ihrem ersten Hit: "Alles wird sich ändern, wenn wir groß sind!" So kam die Trennung. Sänger Kim Frank vernachlässigte die Musik, sprach Hörspiele, das Hühnchen Junior im Zeichentrickfilm "Himmel und Huhn", spielte in Leander Haußmanns "NVA" die Hauptrolle, fotografierte und lebte mit seiner damaligen Freundin in einem alten Bauernhaus direkt am Ostsee-Strand. Als die Beziehung zerbrach, war Kim Frank krank vor Liebeskummer, begann intensiver an seinem ersten Solo-Album zu schreiben und verarbeitete so die Trennung. Nach drei Jahren Arbeit erscheint nun das Album "Hellblau" inklusive dem Hit "Lara" und der nächsten Single "Zwei Sommer". Und bevor er mit seiner Band im Mai auf Clubtour geht, glüht er derzeit die Stimmung für Nelly Furtado auf ihrer Deutschland-Tournee vor.
Anzeige
teleschau: Fast ein Geheimtipp: Du bist Support-Act auf Nelly Furtados Deutschland-Tour.
Kim Frank: Das kam sehr schnell und spontan zustande. Es ist oft so, dass internationale Künstler sich einen Tag vorher entscheiden, wer denn nun als Vorgruppe mitkommt. Vor kurzem hatten wir den ersten Termin in Düsseldorf. Wir spielten zwar nicht so gut, weil es unser erstes Mal war - aber den Leuten hat es trotzdem gefallen! Wir proben schon seit Oktober, wir wussten eben nur noch nicht, wo wir uns warmspielen dürfen - und im Rahmen der Nelly-Furtado-Konzerte ist das natürlich toll! Man hat keine Verantwortung, die Leute wissen ja gar nicht, dass wir auftreten. So kann man nichts verkehrt, sondern nur etwas Gutes daraus machen. Und da ich Nelly schon lange persönlich kenne, ist es besonders nett!
teleschau: Wollte "Lara" Dich nicht sofort zurückhaben, als sie die Songs auf "Hellblau" zum ersten Mal hörte? Das Album ist eine große Liebeserklärung.
Frank: Nein, die Sache zwischen uns ist wirklich vorbei, das wird ja in einigen Songs thematisiert. Sie hat auch die Single "Lara" zum ersten Mal im Radio gehört, also nicht von mir verschnürt im rosa Päckchen geschickt bekommen. Das war keine Absicht, doch ich hatte zu dem Zeitpunkt zu viel zu tun und konnte es ihr nicht persönlich präsentieren.
teleschau: Erst nach der Trennung von Deiner Freundin begannst Du so richtig mit der Arbeit an Deinem Soloalbum. Braucht ein Künstler denn immer dunkle Zeiten, um richtig kreativ sein zu können?
Frank: Es muss nicht Dunkelheit herrschen, man kann immer kreativ sein - es muss eben nur etwas passieren. Ich habe Musikerfreunde, die "besorgen" sich dann eine Trennung, also machen extra Drama, weil sie dann wieder einen Grund haben, zu schreiben. Inspirierend ist alles, was extrem ist - das ist ein gleichförmiges Leben eben nicht. Zwar wird einem immer suggeriert, ein Leben ohne Aufregung sei ein gutes Leben, doch ich sehe das nicht so.
teleschau: "Hellblau" ist ausschließlich auf Deutsch gesungen. Du möchtest in der Sprache singen, in der Du träumst?
Frank: Ja, das ist mir wichtig. Ich schreibe zwar kein Traumtagebuch, doch ich reflektiere meine Träume, denn ich kann mich meist gut daran erinnern. Sie sind oft sehr eindeutig, keine großen Metaphern, an denen ich lange herumdeuten müsste. Der Titel "Hellblau" hat folgende Bewandtnis: Im Lied geht es um das Vergessen aller Sorgen. Mir hat einmal jemand erzählt, dass er in Farben fühlt. Das kannte ich gar nicht, fand ich aber sehr poetisch, da ich tatsächlich Gefühle nur mit Worten verbinde. Viele Freunde meinten, dass passt gar nicht zu dem Album. Ich finde das schon!
teleschau: Du hast die Texte geschrieben. Wer zeichnet für die Musik verantwortlich?
Frank: Der Songwriter Frederik Waldner. Mein Produzent Franz Plasa, der schon die meisten Echt-Songs produzierte, hat uns einander vorgestellt. Das war echtes Glück. Frederik und ich können zwar nicht zu lange aufeinander hocken, aber wenn wir uns treffen, entsteht ein Spannungsfeld - da kommt fast immer etwas zustande.
teleschau: Als alles mit Echt begann, warst Du 15 Jahre alt. Deine Mutter hat Dich alleine großgezogen und war bestimmt nicht begeistert, ihr gehegtes Einzelkind in den Rock'n'Roll zu schicken?
Frank: Das war damals der absolute Horror für sie, und ich glaube, das ist es heute noch. Sicher findet sie toll, was ich tue und mag meine Musik. Das ganze Drumherum versteht sie aber nicht. Wie soll das auch jemand, der so etwas nie erlebt hat? Sie hatte alle möglichen Vorstellungen und ließ sich da auch nicht korrigieren. Damals war ich gezwungen, eine Zeit lang den Kontakt zu ihr abzubrechen. Ich musste zu ihr sagen: "Entweder du erlaubst es mir oder du siehst mich nie wieder." Eltern sollten ihren Kindern nicht den Lebenstraum versauen. Man sollte seinen Kindern immer ermöglichen, das zu tun, was sie wollen. Die ganze Gesellschaft ist auf Selbstverwirklichung aus, da darf man sein eigenes Kind nicht ausbremsen. Und für mich war die Zeit eben damals schon reif - bei der Hälfte der Videoclips von Echt führte ich Regie! Ich habe keine Ausbildung in dieser Richtung, aber großes Interesse. Und die Leute um uns herum - die ja um einiges älter waren - nahmen mich ernst. Wenn man genau weiß, was man will, klappt das schon - da kommt es nicht auf das Alter an.
teleschau: Neben guten Verkäufen Deiner Single "Lara" kannst Du als Erfolg den dritten Platz beim "Bundesvision Songcontest" vorweisen. Wäre "Eurovision" was für Dich?
Kim Frank: Ja, da war ich extrem baff, weil ich weniger erwartete. Ich hoffte auf Platz fünf, alles darunter wäre keine so positive Meldung gewesen. Beim echten Grand Prix würde ich nicht mitmachen: Das ist eine Lachnummer, die ja eher ein Comedy-Preis geworden ist. Seitdem ich auf der Welt bin, ist der ja schon beschissen. Ganz früher, als noch Leute wie Udo Jürgens oder ABBA antraten, war es eine tolle Veranstaltung.
teleschau: Aber es gibt nicht nur Positives zu melden. Eine Tageszeitung hat offengelegt, dass Du Dein ganzes Echt-Geld ausgegeben hast und auf Steuerschulden sitzt. Was bringt denn einen Künstler dazu, solche Details aus seinem Leben preiszugeben?
Kim Frank: Naja, die haben eben Informanten. Entweder schreiben sie dann die Geschichte ohne dich, also kalt, oder du darfst noch etwas dazu sagen. Und so habe ich mich zu einem Gespräch mit ihnen entschieden, denn es ist auf jeden Fall angenehmer, noch selbst Stellung dazu zu nehmen. Sonst wird alles nur noch schlimmer.
Tourdaten mit Nelly Furtado:
05.03. Stuttgart, Porsche-Arena
06.03. München, Olympiahalle
10.03. Frankfurt, Jarhunderthalle
11.03. Hamburg, Sporthalle
Nina Becker
Platz drei beim Bundesvision Song Contest war ein positives Signal für Kim Frank auf Solopfaden. (Universal Music)
Kennen sich schon lange persönlich: Kim Frank darf Nelly Furtado auf ihrer Deutschland-Tour begleiten. (Universal Music)
"Inspirierend ist alles, was extrem ist - das ist ein gleichförmiges Leben eben nicht", findet Kim Frank. (Universal Music)