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Wer früher stirbt, ist länger tot

Wer früher stirbt, ist länger tot

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Von wegen kitschige Romantik mit Alpenglühen und rotbäckigen Trachtenträgern auf dem Weg ins rosa Glück. Bayern ist ganz anders. Marcus H. Rosenmüller, Absolvent der Münchner Hochschule für Film und Fernsehen, kümmert sich in seinem frisch-fröhlichen Debüt "Wer früher stirbt, ist länger tot" (2006) einen feuchten Kehricht um Klischees und hat trotzdem einen Heimatfilm gemacht. Den wollten auch gleich mehr als 1,5 Millionen Menschen im Kino sehen - die große Kinoüberraschung des vergangenen Jahres war nicht nur in Bayern ein Hit. Der Grund dafür: Auf dem bayrischen Lande hört man jetzt Hendrix und beschäftigt sich mit esoterischer Bewusstseinserweiterung. Unter anderem. Was sonst noch neu und anders ist in der oberbayerischen Idylle, kann auf einer exzellent ausgestatteten DVD nachgeprüft werden.

Der Sebastian (Markus Krojer) ist der Sohn von Kandlerwirt Lorenz (Fritz Karl) und macht den ganzen Tag das, was ein elfjähriger Junge in einem idyllischen Dorf macht: fröhlich sein und Streiche aushecken. Eines Tages redet ihm sein älterer Bruder Franz (Franz Xaver Brückner) ein, am Tod der Mutter schuld zu sein.

Fortan hat Sebastian - herrlich surrealistisch inszenierte - Albträume und Angst vorm Fegefeuer. Mit seinem Sündenregister drohen ihm nämlich einige Ewigkeiten im Heizungsraum der Hölle. Doch da möchte er auf keinen Fall landen, und nun will er unbedingt gute Taten vollbringen. Dabei helfen ihm der örtliche Rock-DJ und Esoterik-Spezialist Alfred Dorstreiter (Jürgen Tonkel) und dessen Ehefrau Veronika (Jule Ronstedt), die auch gleichzeitig Sebastians besorgte Lehrerin ist. Geleitet von diversen "Zeichen" und den Ratschlägen der Stammtisch-Hocker in der Wirtschaft seines Vaters beschließt Sebastian, eine neue Frau für den überforderten Erzeuger zu beschaffen. Eine mit "Grips, G'schick und an g'scheidn Arsch". Das ist aber nicht einfach, denn die offensichtliche Kandidatin ist nicht unbedingt die richtige.

Der kleine Sebastian muss sich mit ganz schön großen Themen beschäftigen. Aber Regisseur Marcus H. Rosenmüller, dessen zweiter Film "Schwere Jungs" im Kino ebenfalls recht erfolgreich läuft (bislang 500.000 Besucher), hatte das Glück, den unglaublich vitalen Markus Krojer in der Hauptrolle besetzen zu können. Zusammen machen sie aus dem Film eine heitere Sommergeschichte mit ironischen Tönen und einer Menge Charme. Sebastian hat natürlich dieselben Probleme und Sorgen wie andere Kinder auch.

Doch hier werden sie nicht totdiskutiert oder durch den Klamaukkakao gezogen, sondern hemdsärmlig und mit derbem, lebensweisem Humor ernst genommen. Das macht "Wer früher stirbt, ist länger tot" zu mehr als einem Heimatfilm. Die Geschichte erhält eine Hintergründigkeit, in der die wichtigen Dinge des Lebens behandelt werden. Es geht um das Aufwachsen als Halbwaise, um die Sehnsucht nach einer Mutter (oder Partnerin), um das Sterben, die erste Liebe, große Einsamkeit und das Unglück in einer eingefahrenen Beziehung.

Die Cinemascope-Bilder wurden für die DVD exzellent aufbereitet. Knackige Schärfewerte und ausgezeichnete Kontraste unterstützen die knallbunten Farben. Die oberbayerische Landschaft wird mit aller Pracht wiedergegeben, auch die Bewegungen werden detailreich und verlustfrei dargestellt. Der Ton kommt wahlweise in 5.1 oder 2.0 und ist ordentlich abgemischt, bedient alle Kanäle und erzeugt Kinoatmosphäre. Auch an die Nicht-Bayern wurde gedacht: Untertitel zum besseren Verständnis sind jederzeit zuschaltbar.

Ein Extra-Lob gibt es für das außerordentlich umfangreiche Bonuspaket, das mit jeder Menge Featurettes unterhält und informiert. Da gibt es zum Beispiel den anekdotenreichen Audiokommentar des Regisseurs und einiger Darsteller. Ein ansprechendes Making Of sowie verschmitzte Blicke hinter die Kulissen beleuchten viele Aspekte des Films, der auch als limitierte Sonderedition mit bayrischem Sprachführer und Soundtrack-CD zu haben ist.

Andreas Fischer

bewertungsbox

bildformat 2,35:1 (anamorph)
sprachen Deutsch (5.1 / 2.0)
untertitel Deutsch
extras Audiokommentar; Hinter den Kulissen; Making Of; Interviews; Entfallene Szenen; Videoclips; Hörfilmfassung
laufzeit 105 Min.
tonsystem Dolby Digital
regionalcode Regionalcode 2
preis ca. 20 Euro
bewertung bild gut
bewertung ton gut
bewertung extras sehr gut

Credits:
(D 2006, R: Marcus H. Rosenmüller, D: Markus Krojer, Fritz Karl, Jule Ronstedt u.a.)


Fröhlich und unbeschwert erzählt "Wer früher stirbt, ist länger tot" von den Sorgen eines Elfjährigen, der in der oberbayerischen Idylle dem Fegefeuer entkommen will.
Fröhlich und unbeschwert erzählt "Wer früher stirbt, ist länger tot" von den Sorgen eines Elfjährigen, der in der oberbayerischen Idylle dem Fegefeuer entkommen will. (Eurovideo)

Sebastians Vater Lorenz (Fritz Karl) und seine Lehrerin Veronika (Jule Ronstedt) probieren heimlich, wie Glück schmeckt.
Sebastians Vater Lorenz (Fritz Karl) und seine Lehrerin Veronika (Jule Ronstedt) probieren heimlich, wie Glück schmeckt. (Eurovideo)

Es kommt zur Männerrunde, weil Sebastian (Markus Krojer, Mitte) seine Mutter umgebracht haben soll. Das behauptet zumindest sein Bruder Franz (Franz Xaver Brückner, links) während Papa Lorenz (Fritz Karl) seinen Gedanken nachhängt.
Es kommt zur Männerrunde, weil Sebastian (Markus Krojer, Mitte) seine Mutter umgebracht haben soll. Das behauptet zumindest sein Bruder Franz (Franz Xaver Brückner, links) während Papa Lorenz (Fritz Karl) seinen Gedanken nachhängt. (Eurovideo)

Datum: 10.03.2007

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Diskussion: "Wer früher stirbt, ist länger tot"

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