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Forest Whitaker

"Netter Kerl? Damit kann ich leben!"

Schauspieler Forest Whitaker

(tsch) Er bemühte in seiner Oscarrede höchste Instanzen: Forest Whitaker (46) hielt seinen Preis für die beste männliche Hauptrolle in den Händen und dankte Gott dafür, dass er ihm "diesen Moment zuteil werden ließ", den er gar "in ein nächstes Leben mit hinübernehmen" wollte. Schauspielerisch hat der hünenhafte Texaner schon etliche Leben gelebt. Er bereicherte Independentfilme, spielte in Mainstream-Produktionen wie "Panic Room" und avancierte zur Kultfigur als tragischer Kämpfer in "Ghost Dog - Der Weg des Samurai". Doch die begehrte Trophäe erhielt er jetzt für seinen gespenstischen Auftritt als ugandischer Staatschef Idi Amin in "Der letzte König von Schottland" (Start: 15.03.). Zwischen onkelhaft, polternd und nazistisch oszillieren auf der Leinwand die Ausbrüche des Diktators, der in den 70er-Jahren zehntausende seiner Landsleute abschlachten lässt. Umso konträrer bestreitet Forest Whitaker in London sein Interview, antwortet bedächtig und melodiös.

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teleschau: Markieren diese Rolle und der Oscar einen Wendepunkt in Ihrer Karriere?

Forest Whitaker: In meinen Augen markieren drei Rollen künstlerische Wendepunkte meines Lebens: Jazzmusiker Charlie Parker in "Bird", weil Clint Eastwood mir trotz meiner Angst vertraut hat. Dann "Ghost Dog - Der Weg des Samurai", denn dieser Film hat mich viel über die Kraft der Stille gelehrt. Und schließlich diese Rolle als Idi Amin.

teleschau: Wie schwer war es, sich in die Psyche eines Massenmörders einzufühlen?

Whitaker: Zunächst begann ich mit dem Grundsätzlichen: Mir war zum Beispiel seine Sprache sehr wichtig. Deshalb lernte ich Suaheli und versuchte mir auch Idi Amins Akzent anzueignen. Ich sah mir Videos, Filmberichte und anderes Material über Idi Amin an. Es gibt unglaublich viel Informationen und Material zu diesem Menschen, aus dem ich mich bedienen konnte.

teleschau: Sind Sie zur Vorbereitung nach Uganda gefahren?

Whitaker: Natürlich, denn die größte Herausforderung lag darin, mich vor Ort in Uganda in die Kultur des Landes einzuleben. Ich musste ja wie ein Afrikaner wirken. Als ob ich auf diesem Kontinent aufgewachsen wäre. Das verlangte einen ganz speziellen Rhythmus. Dafür musste ich erst einmal Antennen entwickeln und geraume Zeit daran arbeiten. Anschließend habe ich Idi Amins Familie kennen gelernt, seine Geschwister und einige seiner Generäle. Es waren insgesamt so viele verschiedene Personen, dass ich sie nicht einmal mehr alle aufzählen könnte.

teleschau: Wie reagieren die Menschen in Uganda, wenn man sie mit Idi Amin konfrontiert?

Whitaker: Ich habe bestimmt mit 100 Personen oder mehr über Idi Amin gesprochen. Und seine Landleute sehen ihn längst nicht so einseitig wie das der Westen tut. Sie leugnen nicht, dass er unzählige Menschen auf dem Gewissen hat. Aber sie sind eben auch stolz auf jene Errungenschaften, die sie ohne ihn nicht hätten. Uns hat ein Bauer erzählt, dass Idi Amin die Straße und den Brunnen zu seinem Dorf bauen ließ. Und im nächsten Satz folgte: "Und außerdem haben seine Soldaten meine Schwester ermordet."

teleschau: Nicht zuletzt seine Militärkarriere hat Idi Amin zum Aufstieg verholfen ...

Whitaker: Er war Soldat durch und durch und hat sich auch immer wie einer verhalten. Als er am Ende merkte, dass seine Macht schwand, reagierte er wie ein Soldat: Er trat zum Kampf gegen seine Feinde an. Er spürte sie auf und versuchte sie zu zerstören. Aber in den Jahren zuvor war er der Kopf der afrikanischen Staatengemeinschaft, zählte zu den Freunden Golda Meirs und wäre ganz sicher nicht ohne die Unterstützung der Briten an die Macht gelangt.

teleschau: Die aber vor Idi Amins dunkler Seite ihre Augen verschlossen ...

Whitaker: Sie fühlten sich bestimmt nicht von ihm angezogen, weil sie ihn für böse hielten. Sie haben ihm zur Macht verholfen, weil sie glaubten, dass er ein anständiger Kerl sein und vor allem, dass sie ihn kontrollieren könnten. Ohne die Briten wäre Idi Amin nicht bis ganz nach oben gelangt. Er gehörte 25 Jahre lang dem Kolonialregiment "King's African Rifles" an. Nach so langer Zeit glaubten die Briten, sie würden ihn durchschauen und brachten ihn an die Macht. Sie hatten fatalerweise erwartet, er würde als Landesvater sein Verhalten nicht ändern.

teleschau: War diese Rolle als Idi Amin auch eine Gelegenheit zum Imagewechsel?

Whitaker: Sie bot die wunderbare Gelegenheit, einen faszinierenden Mann und eine sehr außergewöhnliche Figur zu spielen. Darin liegt für mich als Schauspieler die große Herausforderung, das Aufregende. Über mein Image mache ich mir nur insofern Gedanken, als dass es ein paar Dinge gibt, für die ich nicht gerne berühmt wäre. Ich habe so viele unterschiedliche Rollen gespielt, dass ich nicht einmal sagen könnte, wie denn wohl mein Image so ist.

teleschau: Nun, man sagt, Sie seien ein netter Kerl ...

Whitaker: ... (lacht) so etwas habe ich auch schon gehört. Damit kann ich leben.

Kerstin Lindemann


Mit Preisen überhäuft: Forest Whitaker wurde reichlich belohnt für seine Leistung in "Der letzte König von Schottland - In den Fängen der Macht" (Bundesstart: 15.03.), unter anderem mit dem Golden Globe.
Mit Preisen überhäuft: Forest Whitaker wurde reichlich belohnt für seine Leistung in "Der letzte König von Schottland - In den Fängen der Macht" (Bundesstart: 15.03.), unter anderem mit dem Golden Globe. (2007 Twentieth Century Fox)

Engagiert, leidenschaftlich, überzeugend: Forest Whitaker in "Der letzte König von Schottland - In den Fängen der Macht".
Engagiert, leidenschaftlich, überzeugend: Forest Whitaker in "Der letzte König von Schottland - In den Fängen der Macht". (2007 Twentieth Century Fox)

Forest Whitaker: "Ich sah mir Videos, Filmberichte und anderes Material über Idi Amin an. Es gibt unglaublich viel Informationen und Material zu diesem Menschen, aus dem ich mich bedienen konnte."
Forest Whitaker: "Ich sah mir Videos, Filmberichte und anderes Material über Idi Amin an. Es gibt unglaublich viel Informationen und Material zu diesem Menschen, aus dem ich mich bedienen konnte." (2007 Twentieth Century Fox)

Datum: 11.03.2007

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