logo
Anzeige
Cineastentreff Kino Film Filmstarts - Neu im Kino Kino Film Der letzte König von Schottland
Der letzte König von Schottland

Der letzte König von Schottland - In den Fängen der Macht

(tsch) "Der letzte König von Schottland" charakterisiert Idi Amin mithilfe seines Leibarztes Nicholas Garrigan. Der ist eine Erfindung, ein Konglomerat verschiedener Personen, die dem Diktator nahestanden. Ein unbedarfter Junge, der sich, nach dem Studium, ins Abenteuer Afrika stürzen will und der noch viel mehr als Idi Amins Aufstieg und Fall erlebt.

Anzeige

 

James McAvoy, tatsächlich Schotte, und bisher nur in kleineren Rollen ("Die Chroniken von Narnia") aufgetaucht, spielt Forest Whitakers Gegenpol in diesem Film von Regisseur Kevin Macdonald. Whitaker ist der Tyrann von Uganda, der Retter und Rebell. Eine typische Oscar-Rolle. Ende Februar wurde der 45-Jährige als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet, vielleicht nur bedingt für diese Leistung. Die Academy würdigte wohl eher wie schon bei Philip Seymour Hoffman im Jahr zuvor die Gesamtleistung Whitakers, dessen Karriere zahlreiche gute Rollen (wie beispielsweise "Ghost Dog", 1999) umfasst.

Übersehen wurde jedoch James McAvoy in der Nebenrolle, ohne den diese Betrachtung nicht funktioniert hätte. Seine Nominierung wäre gerechtfertigt, ja eigentlich Pflicht gewesen. Er bereitet die Plattform für den schreienden und spuckenden, für den wimmernden Whitaker, verleiht Glaubwürdigkeit und übernimmt den menschlichen Anstrich. Er ist der Rotzlöffel, der dem verstaubten Elternhaus und der steifen Medizinerkarriere entflieht und für Regisseur Macdonald die Tür zu dessen erster Romanverfilmung aufstößt.

Kaum hat der Neumediziner Garrigan mit verschlossenen Augen auf den Globus getippt, sitzt er schon im Bus. Er, ein Weißer, erreicht sein persönliches Abenteuerland. Von der Politik dort hat er keine Ahnung, und so kommt er aus jugendlicher Neugier, verbunden mit einer zufälligen Unpässlichkeit Idi Amins, in Kontakt mit dem Staatsmann. Garrigan beginnt zunächst eine kleine Affaire mit der einsamen Frau (Gillian Anderson) seines Chefarztes. Und er wird schließlich Leibarzt Idi Amins, obwohl er zu diesem Zeitpunkt zumindest schon die Dekadenz überblickt, die den Herrscher umgibt.

Der Diktator umschmeichelt den sympathischen Doktor, der unverbraucht und mit dem rechten Maß an Respektlosigkeit seinen Weg geht und das Vertrauen Amins erwirbt. Der hat gerade erst gegen Premier Milton Obote geputscht und ist noch im Begriff, so etwas wie einen Regierungsstab aufzubauen. In seinem Bestreben, die Spuren des Alten auszulöschen, geht der selbst ernannte Präsident über Leichen, verfolgt immer brutalere Ideen. Garrigan ist zunächst loyal, dann verschließt er die Augen vor den Morden seines Chefs. Er ist ein Freund der Familie geworden, und mehr noch: Er wird der Geliebte einer der Frauen Amins (Kerry Washington). Erstaunlich genug, dass diese Wendung ohne Pathos passiert.

Die Schlinge zieht sich erst zu, als der naive Gefährte nicht länger die Karriereleiter hinauffallen möchte. Doch zu dem Zeitpunkt, da ihm Idi Amin unheimlich wird, stößt sein Wunsch, nach Hause zurückzukehren, längst auf taube Ohren. Vergessen sind die lockeren Sprüche des Staatschefs, dass er gern Schotte wäre, wenn er denn etwas anderes als ein Mann aus Uganda sein müsste. Es sind nicht die unterschiedlichen Kulturen, die nach und nach in den Vordergrund treten, sondern unbeherrschte Brutalität, Verunsicherung und Überreaktionen. Die authentischen Bilder Ugandas, die das Land weder als einen Ort vorstellen, an dem Menschen wie Fliegen sterben, noch besondere Romantik präsentieren, vermitteln vielmehr unangenehme Gefühle: die Begeisterung eines Volkes nämlich, Hoffnung, Euphorie, Ernüchterung, gekoppelt mit der bitteren Erkenntnis, dass seine Politik zumindest in den dargestellten 70er-Jahren, und noch mindestens bis Mitte der Achtziger, ein Kreislauf ohne positiven Ausweg war.

Idi Amin demontiert sich, wird seinen Posten wieder an Obote übergeben und flüchten. Seine Tragik zeigt sich in den oft bestechenden Dialogen, in prägnanten Selbstgesprächen oder beim Versuch, sich größer zu machen als er war. So hatte er nie Angst vor dem Tod, weil ihm ein Traum bereits den Tag verraten hat, der sein letzter sein würde. Und so triumphierend er stets lächelte, wenn er dies erzählte, rechnete er wohl nicht damit, 2003 im Exil in Saudi-Arabien an Nierenversagen zu sterben.

Regisseur Kevin Macdonald erwarb sich bisher einen Namen vor allem als Dokumentarfilmer. 1999 wurde er mit dem Oscar für "Ein Tag im September" ausgezeichnet, der die Geiselnahme während der Olympischen Spiele in München zum Thema hat. Ein Jahr zuvor erhielt Giles Foden für den Roman "The Last King of Scotland" den renommiertesten britischen Literaturpreis. Das Buch bildete nun die Vorlage für den Drehbuchautor Peter Morgan.

Claudia Nitsche

Credits:
V:Fox, GB 2006, R: Kevin Macdonald, D: James McAvoy, Forest Whitaker, Gillian Anderson u.a.

Laufzeit: 123 Min.

Kinostart:
15.03.07


Der von der Macht besessene Diktator Idi Amin (Forest Whitaker) wird immer größenwahnsinniger.
Der von der Macht besessene Diktator Idi Amin (Forest Whitaker) wird immer größenwahnsinniger. (2006 Twentieth Century Fox)

Sarah Merrit (Gillian Anderson) kann nicht verstehen, warum Nicholas Garrigan (James McAvoy) unbedingt für Idi Amin arbeiten will.
Sarah Merrit (Gillian Anderson) kann nicht verstehen, warum Nicholas Garrigan (James McAvoy) unbedingt für Idi Amin arbeiten will. (2006 Twentieth Century Fox)

Nicholas Garrigan (James McAvoy) und Kay Amin (Kerry Washington) stürzen sich in eine gefährliche Affäre.
Nicholas Garrigan (James McAvoy) und Kay Amin (Kerry Washington) stürzen sich in eine gefährliche Affäre. (2006 Twentieth Century Fox)

Datum: 11.03.2007

Facebook aktivieren

Diskussion: "Der letzte König von Schottland"

Um eine Diskussion zu "Der letzte König von Schottland" zu beginnen melden Sie sich bitte im Forum an. Wenn Sie noch nicht registriert sind, können sie sich jetzt registrieren um an den Diskussionen teilzunehmen.
Artikel ID 182464

Weitere Artikel, die Sie interessieren könnten:

    Nicht auflegen!
    Selten haben in Hollywood schrill klingelnde Telefone etwas Gutes zu bedeuten. In dem Teen-Horror-Streifen "Scream" (1996) kündigte sich der Mörder mit der Maske per Telefon an, kürzlich erschreckte hierzulande ...

    Verlockende Falle
    Wenn James Bond in Rente geschickt würde und plötzlich keine Lizenz zum Töten mehr hätte - würde er sich dann damit begnügen, den lieben langen Tag Golf zu spielen oder sich auf Mallorca zu sonnen? Kaum ...

    Kap der Angst
    Demnächst jagt der unermüdliche Robert De Niro mal wieder das Böse. Gemeinsam mit Al Pacino bildet er in "Righteous Kill" ein alterndes Cop-Gespann, das einem Serienkiller auf den Fersen ist. Ebenso gerne ...

    Tödliche Währung - Abgerechnet wird zum Schluss
    John Singleton, Regisseur von "2 Fast 2 Furious", produzierte 2007 den Actionstreifen "Tödliche Währung - Abgerechnet wird zum Schluss". Als Kenner des Actionthriller-Genres war er für den Film über einen ...

    Paycheck - Die Abrechnung
    Still ist es um John Woo geworden - viel zu still für diesen Kino-Krawallmacher ("Face/Off", "Mission: Impossible II") aus Fernost. Der Sci-Fi-Thriller "Paycheck - Die Abrechnung" (2003), den das Erste ...

    The Sixth Sense
    Dieser Film machte sich einen Spaß daraus, das gesamte Geschehen auf den Kopf zu stellen. Das verblüffende Ende von "The Sixth Sense" (1999) animiert dazu, ein weiteres Mal hinzusehen. Gut möglich, dass ...


 
Anzeige
livedome
Konzert-DVD im Stream
Gentleman
Gentleman am 27.04. ab 20.00 Uhr als » Musikstream

Anzeige
.
Partner von Fantastic Zero


itemid = 31 - id = 2746 - task = view - option = com_content - limitstart= 0