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Joss Stone - Introducing Joss Stone

Joss Stone Introducing Joss Stone

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Es ist offenbar der Frühling der Fräuleinwunder. Norah Jones und Carla Bruni veröffentlichten ihre Platten, jetzt folgen zeitgleich Senkrechtstarterin Amy Winehouse und Joss Stone. Die Herangehensweise könnte freilich nicht verschiedener sein als bei den beiden jungen Engländerinnen. Wo sich Amy Winehouse seelenvoll in sinistrer und leicht abgewrackter Vintage-Romantik suhlt, hatt Joss Stone die Moderne entdeckt. Nichts mehr mit Retro, nichts mehr mit Soul-Coverversionen. Stattdessen gibt's auf dem etwas trotzig "Introducing Joss Stone" betitelten dritten Album moderne und im höchsten Maße urbane Popmusik, die ihre Wurzeln nicht verleugnet, aber erstaunlich behutsam integriert.

Es sind gleich drei Namen, die aufhorchen lassen. Raphael Saadiq saß an den Reglern. Und sowohl Conscious-HipHop-Legende Common als auch die nicht weniger renommierte Lauryn Hill gingen ins Tonstudio, um ein paar Takte für Joss Stone einzusingen. Die 19-jährige Engländerin ist in der Jetztzeit angekommen und genießt das mit vollem Bewusstsein.

Wie sehr indes auch dieser aktuelle R'n'B mit Zitaten aus der Vergangenheit spielt, zeigt die erste Single "Tell Me 'Bout It": Wo Saadiq zuletzt bei John Legend sehr vorsichtig agierte, dreht er bei Joss Stone den Bass so weit nach vorne, dass es fast weh tut. Verbunden mit einem Beat, der an die Mittneunziger-Großtaten von HipHop-Producern wie DJ Premier erinnert, und satten Bläsern entsteht ein Song, der ein hübsches Panoptikum diverser Black-Music-Spielarten der letzten 35 Jahre bietet, was ohnehin so etwas wie ein Herzensanliegen der Künstlerin zu sein scheint. Denn so sehr sie und Saadiq den Sound aufpimpten, so weit sie die Koordinaten Richtung HipHop verschoben, zumindest, was das Musikalische angeht: Vom hochtechnologischen Future-R'n'B eines Timbaland oder eines Pharell Williams trennen "Introducing Joss Stone" noch Welten, und das ist auch gut so. Denn wenn in "Put Your Hands On Me" plötzlich die Melodie gescratcht wird oder wenn im reflektierenden "Music" Lauryn Hills den Fugees-Bezug, den der Song ohnehin setzt, wie ein Spiegel ein zweites Mal aufnimmt und in ihrem Feature tatsächlich rappt, dann kickt das schon ungemein, aber eben ohne definitive szenische Verortung. "Bad Habbit" indes ist ein Kabinettstückchen in Sachen Spätsiebziger, "Baby Baby Baby" funktioniert wieder über den Gegensatz HipHop / klassischer Soul.

Die Skeptiker, die so ein hörbarer Stilwechsel zwangsweise mit sich bringt, seien beruhigt: Joss Stone, die zuletzt auf "Mind, Body & Soul" nicht immer überzeugte, legt die Messlatte für all ihre Epigonen hoch. Ihr gelang eine mehr als nur bemerkenswerte Platte, die ihre Essenz im feierlichen "Tell Me What We Gonna Do Now" findet. Der Track, in dem oben angesprochener Common ein paar Zeilen droppt, ist nicht nur ein wunderbares Liebeslied, sondern auch eine handwerklich hervorragende Meisterarbeit, bei der jeder Ton sitzt, sei es der wunderbar shuffelnde Beat, seien es die so keck hervorblinzelnden Streichersätze, sei es die so großartige Stimme Joss Stones. Wirklich ganz große Klasse. Das Fräuleinwunder überholt sich gewissermaßen selbst.

Jochen Overbeck


Datum: 11.03.2007

Diskussion: "Joss Stone - Introducing Joss Stone"

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