(tsch) Dieser Film ist ein historischer Blutrausch. Monströse, sinnliche, gewaltige, gewalttätige und prächtig-opulente Bilder entführen den Zuschauer in das Paris des Jahres 1572, doch trotz dieses scheinbar weit entfernten Hintergrunds entfaltet "Die Bartholomäusnacht" eine unangenehm berührende Aktualität. Berge von nackten Leichen erinnern an den Holocaust; das blutige Massaker, dem unzählige Hugenotten zum Opfer fallen, an Szenen aus dem Krieg im ehemaligen Jugoslawien. - Mit seinem Historienepos "Die Bartholomäusnacht" schlug der französische Regisseur Patrice Chéreau 1994 die Brücke zur Gegenwart und schuf ein Renaissance-Drama voller Aktualität.
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Chéreaus pompöse Inszenierung basiert auf "La Reine Margot", der literarischen Vorlage von Alexandre Dumas. Eine Erzählung, die ursprünglich als Fortsetzungsroman in der Zeitung erschienen war und vermutlich von einer Autorenwerkstatt verfasst wurde. Patrice Chéreau widerstand der Versuchung, "Die Bartholomäusnacht" zu einem riesigen Kostümball verkommen zu lassen. Vielmehr bemühte sich der engagierte Filmemacher - ein Budget von 40 Millionen Mark und Frankreichs Schauspielelite im Rücken - hinter der "literarischen Legende die politische Gegenwart zu entdecken" ("Cinema").
Die ebenso schöne wie korrupte Prinzessin Margot (glaubwürdig verkörpert von Isabelle Adjani) ist nur eine Figur im Schachspiel der Mächtigen. Als Dame soll sie von ihrer katholischen Herrscherfamilie der gegnerischen Partei geopfert werden. Ihre machtbesessene Mutter Catherine (Virna Lisi) leitet die Heirat der Tochter mit dem protestantischen Henri de Navarre (Daniel Auteuil) ein, um anscheinend die Versöhnung zwischen den verfeindeten Religionen zu ermöglichen.
In Wahrheit aber versucht Catherine, die Herrschaft ihres Sohnes Charles IX. (Jean-Hugues Anglade) zu sichern. Doch als sie glaubt, ihre Ziele mit hinterhältigen Intrigen nicht erreichen zu können, befiehlt Catherine kaltblütig die Ermordung aller Protestanten, die zum Friedensfest nach Paris gekommen sind.
Alexander Franck
Frau gewordene Pracht: Königin Margot (Isabelle Adjani, vorne links) erkundigt sich auf der Hochzeitsfeier bei ihrer Vertrauten Henriette de Nevers (Dominique Blanc, vorne rechts) nach attraktiven Jünglingen. (ARD / Degeto)
Gewaltstrotzendes Filmmonument: Königin Margot (Isabelle Adjani) bittet ihren sterbenden Bruder, König Charles IX (Jean-Hugues Anglade) um das Leben ihres Mannes Henri de Navarre. (ARD / Degeto)
Der Protestant La Môle (Vincent Perez) versucht, seine Lebensretterin und Liebhaberin, die katholische Königin Margot (Isabelle Adjani) vor dem Religionskrieg in Sicherheit zu bringen. (ARD / Degeto)
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