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Amy Winehouse

Die Macht des Billardtischs

Sängerin Amy Winehouse

(tsch) Es ist 19.30 Uhr und Amy Winehouse macht einen Denkfehler. Sie schimpft zu Recht, aber sie schimpft auf den Falschen. Denn dass sie ihren Boy nicht erreichen und somit kein gemeinsames Wochenende in Paris klarmachen kann, liegt nicht an ihm, sondern an Freund Stahlbeton, der offenbar die Exklusivrechte in Sachen Baumaterial am Berliner Park Inn hat. Das ist der sozialistisch charmante Hotelturm am Alexanderplatz und wegen seiner soliden, offenbar strahlenschützenden Bauweise die Hölle für Vieltelefonierer. Aber eigentlich sollte die 23-jährige Britin solche Dinge ja auch woanders klären. Sie ist hier, um Interviews zu geben, die Gelegenheit ist günstig: Am Abend vorher war ein Showcase zum neuen Album "Back To Black" in der Kalkscheune. Das Problem: So besonders fit ist Amy nicht. Sie war nach dem Gig noch lange unterwegs, und dass sie da bestimmt nicht nur Cola getrunken hat, kann man schon aus der Tatsache ableiten, dass es auf der Party vor und nach ihrem Konzert für die sogenannten V.I.Ps einen ganz besonderen Drink gab, der aus gefühlt 20 Sorten verschiedener Schnäpse bestand. Trotzdem, sie schlägt sich wacker.

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teleschau: Amy, was hatte das gestern denn mit diesem "Rickstacy" auf sich? Der war furchtbar, ist das wirklich Dein Lieblingscocktail?

Amy Winehouse: Sie haben ihn falsch gemacht. Und sie haben ihn in den falschen Gläsern serviert, außerdem mit zu wenig Eis.

teleschau: Aber eigentlich schmeckt er gut?

Winehouse: Ja, der ist total lecker und in Camden, wo ich herkomme, echt Kult. Einer meiner Freunde ist Bartender da und hat ihn erfunden. Wir trinken das die ganze Zeit. Aber es ist nicht ungefährlich - normalerweise trinkt man drei von denen, und wacht im Krankenhaus auf. Das habe ich zumindest mal gemacht - war nicht so schlau.

teleschau: Genießt Du dieses ganze Tour-Ding?

Winehouse: Ja, auf jeden Fall, ich liebe es. Es ist nicht so, dass ich nicht gerne aufnehme und nicht gerne an Songs schreibe, aber die dann live zu bringen, einen Abend lang Party zu machen, das ist schon eine Ecke spannender - vor allem, weil es nicht so harte Arbeit ist, wie wenn Du eine Platte aufnimmst. Es ist cool, zwei, drei Wochen lang Feierei.

teleschau: Braucht man da nicht jede Menge Energie? Zwei, drei Wochen Party klingt hart ...

Winehouse: Nein, das geht gut - zumal zumindest mir Konzerte auch wieder eine Menge Energie zurückgeben.

teleschau: Du lebst in Camden - was magst Du an London?

Winehouse: Ich liebe diese Stadt einfach - ihre Geschichte, ihre Menschen. Die Gesichter, die Töne. Wenn ich nicht arbeiten müsste, würde ich einfach den ganzen Tag durch London laufen oder in Bars abhängen, langweilig würde mir da sicher nicht. Es ist ein großes Glück, hier geboren zu sein und hier zu leben. Ich mag auch andere Städte - Paris, New York, Miami zum Beispiel. Aber das ist was anderes.

teleschau: Hat London einen besonderen Klang?

Winehouse: Das ist ganz lustig, das wird gerne gefragt. Und oft wird über eine Band ja auch gesagt, dass sie wie London klingt. Ich glaube aber, dass es sehr viele verschiedene Klänge gibt. Nimm Pete Doherty und seine Babyshambles, oder auch Lily Allen. Die klingen grundverschieden, aber beide nach London. Mickey, der Gitarrist der Babyshambles, ist übrigens ein Freund von mir. Netter Kerl, echt!

teleschau: Du bedankst Dich in Deinem CD-Booklet bei der Ska-Legende The Specials - die bringt man ja auch gerne mit London in Verbindung.

Winehouse: Ja, vor allem mit Camden, wo wir wieder bei meinem Heimatbezirk wären. Die Specials kann ich mir auf der ganzen Welt anhören, und ich fühle mich wie zu Hause. Wichtiger sind mir aber die Shangri-Las - einfach weil sie eine so ungeheure Dramatik produzieren. Ich glaube, von ihnen gibt es einen Song für jede Sache, die dir in einer Beziehung so passieren kann.

teleschau: Woher kommt diese Liebe zu Sixties-Bands? Hast Du das daheim mitbekommen?

Winehouse: Nein, gar nicht. Das ist eher die Musik, die in den Jukeboxen meiner Lieblingspubs läuft. Und da ich da wirklich oft abhänge und Billard spiele, habe ich solche Songs lieben gelernt.

teleschau: Du spielst gerne Billard?

Winehouse: Es gibt nichts, was ich lieber mache. Es gab Zeiten, in denen ich wirklich täglich Billard gespielt habe, jeden Tag. Ich habe meine letzten zwei Freunde am Billardtisch kennengelernt.

teleschau: Zurück zu den Shangri-Las: Ist diese Dramatik etwas, was Du auch erreichen möchtest?

Winehouse: Es wäre vermessen, das sagen zu wollen. Aber irgendwie schon, ich singe ja auch viel über die Dinge, die mir so passiert sind. Aber ich versuche das immer auch ein bisschen witzig zu machen - klar ist ein Song wie "Rehab" auch ironisch ...

teleschau: Die Boulevard-Presse sah das anders und schrieb gerne und ausführlich über ein eventuelles Alkoholproblem ...

Winehouse: Nur, weil ich ab zu gerne ein paar Drinks trinke? Das ist natürlich absoluter Unsinn, aber es ist mir ziemlich egal. Ich blende das aus. Es interessiert mich nicht, was die über mich schreiben. Das sind ja keine Freunde von mir oder so. Und was ein paar Fremde von mir denken, ist mir echt völlig egal.

teleschau: Das klingt nach einem guten Selbstvertrauen ...

Winehouse: Ja, mag sein. Vielleicht bin ich aber auch nur so unsicher, dass ich mir selbst jeden Gedanken an so etwas verbiete.

teleschau: Auch wenn's einem nicht ins Auge springt - ich finde, dass auch eine Menge HipHop auf Deinem Album zu hören ist, vor allem in den Refrains!

Winehouse: Absolut, ich liebe HipHop, seit ich 14 bin. Und als ich daheim auszog, hatte ich eine Mitbewohnerin, die das Zeug echt rauf und runter gehört hat, auch so cheesy R'n'B-Sachen. Sowas hinterlässt natürlich seine Spuren. Immerhin ist ja Ghostface Killah auf meinem Album - als seine Anfrage kam, bin ich fast ausgeflippt. Mein Liebglingsrapper ist aber Mos Def, auch ein guter Freund - schau mal, ich habe seine Telefonnummer auf der Jeans stehen! Mit ihm würde ich gerne eine Platte machen - ich schätze auch, dass das irgendwann passieren wird. Aber vorher muss ich erst mal eine Platte mit dem ganzen Rest aus den "Back To Black"-Sessions aufnehmen, da sind noch sieben oder acht echt gute Songs übrig!

Jochen Overbeck


Kleiner Körper, große Stimme: Amy Winehouse veröffentlicht "Back To Black".
Kleiner Körper, große Stimme: Amy Winehouse veröffentlicht "Back To Black". (Universal)

Nach drei ihrer Lieblingsdrinks landet man angeblich im Krankenhaus: Das sagt zumindest Amy Winehouse.
Nach drei ihrer Lieblingsdrinks landet man angeblich im Krankenhaus: Das sagt zumindest Amy Winehouse. (Universal)

"Ich könnte den ganzen Tag durch London laufen": Amy Winhouse liebt ihre Stadt.
"Ich könnte den ganzen Tag durch London laufen": Amy Winhouse liebt ihre Stadt. (Universal)

Datum: 11.03.2007

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Diskussion: "Amy Winehouse"

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