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Das Parfüm

Das Parfum - Die Geschichte eines Mörders

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Zweifellos ist es ein Ding der Unmöglichkeit, Gerüche sichtbar zu machen. In "Das Parfum - Die Geschichte eines Mörders" (2006) wird es hin und wieder versucht, und wenigstens einmal, gleich zu Beginn, gelingt es Regisseur Tom Tykwer, mittels einer unfassbar Ekel erregenden Szenerie fast, eine Art "gefühlten" Gestank zu kreieren. Was am 17. Juli 1738 in Paris in größtmöglicher Widerwärtigkeit, inmitten stinkender Fischabfälle, seinen Anfang nimmt, ist das aberwitzige Leben von Jean-Baptiste Grenouille (Ben Wishaw), eines Serienkillers, dessen fantastische Biografie seit der Erstauflage von Patrick Süskinds Roman weltweit mehr als 15 Millionen Leser fesselte. Im Kino erreichte der von Bernd Eichinger produzierte Bilderrausch über fünfeinhalb Millionen Zuschauer. Nun folgt die Auswertung auf DVD, wahlweise als Einzel- oder als Doppel-Disc, dann mit wirklich umfangreichem Bonusmaterial.

Vorweg: Das mit der opulent-widerlichen Geburtsszene abgegebene Versprechen, dies könnte einer der sinnlichsten Filme aller Zeiten werden, wird eingehalten. Aber anders als beim Buch, das zum guten Teil über die Sprachkunst Süskinds funktioniert, fällt der emotionale Zugang zu dem Historien-Krimi schwer.

Was kann er dafür? Er ist weiß Gott kein ruchloser Mörder, dieser Jean-Baptiste Grenouille. All die jungen Dinger schlachtet er nicht etwa aus niederen Instinkten ab - sondern er wird, was ihn gewissermaßen in kindlicher Unschuld belässt, von einem höheren, freilich für niemandem sonst auch nur im Ansatz begreiflichen Ideal geleitet. Fast könnte, ja eigentlich müsste man Mitleid haben mit dieser vom erst 25 Jahre alten Newcomer Ben Whishaw unglaublich intensiv verkörperten dürren, geschundenen Kreatur in der Gestalt des dereinst von Patrick Süskind erfundenen Serienkillers. Jenes mysteriösen Jungen, dem von der Natur absolut nichts mitgegeben wurde - außer der göttlichen, oder eher teuflischen Gabe einer übermäßigen olfaktorischen Wahrnehmung.

Schnell findet der selbst ohne jeden Eigengeruch, ohne Identität durch das stinkende Paris des 18. Jahrhunderts stolpernde Waisenjunge heraus, dass der betörendste von allen Düften von zarten, wunderhübschen Jungfrauen ausgeht. Aber wie diesen herrlichen Duft konservieren, wie ihn in ein vollkommenes, einzigartiges Parfum integrieren? Er gerät zum großen Künstler - einzigartig als Parfumeur und als Mörder.

Grenouilles duftvolle Reise durch Frankreich wurde als fast erschreckend sinnlicher Bilderrausch inszeniert. Als eigentümliches Roadmovie eines Wanderers durch die karge Einsamkeit des Zentralmassivs, durch die blühenden Lavendelfelder der Provence, durch die engen Gassen alter, überfüllter Städte. Aber gelingt nicht, Grenouilles Empfindungen, Gedanken und nicht zuletzt seine im Buch viele, viele wunderbare Seiten einnehmenden leidenschaftlichen inneren Diskurse über Gerüche und Düfte nachvollziehbar zu machen.

Als DVD fasziniert der mit 50 Millionen Euro Produktionskosten teuerste deutsche Film aller Zeiten aber allemal. Die farbenprächtigen, opulenten Bilder haben enorme Leuchtkraft und bestechen mit hervorragenden Schärfe- und Kontrastwerten. Der Sound ist in der deutschen Synchronfassung auch als eindrucksvolle DTS-Variante abgelegt. Bereits die 5.1-Version erzeugt ein gutes Klangbild mit exzellenten Surroundeffekten sowie glasklarer Musik- und Dialogwiedergabe. Die hinteren Boxen werden ausgiebig bedient.

Im Bonusteil der Einzeldisc können drei Audiokommentare mit unterschiedlichem Fokus (Regie, Bild, Ausstattung) zugeschaltet und Darstellerinfos wie Bio- und Filmografien nachgelesen werden. Mehr Extras gibt es auf der 2-Disc-Premium-Edition, deren Kernstück ein ausführliches Making Of ist. Der knapp einstündige Hintergrundbericht ist eine ordentliche, wenngleich nicht überragende, Doku über die Filmentstehung, die neben allerlei Infos auch viele Anekdoten enthält. Zum Beispiel die von "Rossini", einem Film, der im Prinzip die Geschichte erzählt, wie sich Parfum-Autor Patrick Süskind lange weigerte, die Filmrechte an Produzent Bernd Eichinger zu verkaufen. Sehenswert sind vor allem die Featurettes, die sich mit Kameramann Frank Griebes exzellenter Arbeit befassen - neben dem kurzen Beitrag "Kamerarbeit" geht es vor allem im die "Visualisierung der Gerüche".

Eine besondere "Parfum"-Edition wird es in einer großen Drogerie-Kette geben, wo in einem aufwändigen Set die Premium Edition um fünf Flakons mit Duftproben erweitert wird. Die von Thierry Mugler entwickelten "Amor & Psyché", "Baby", "Virgin No.1", "Ermite" und "Absolu Jasmin" sind speziell auf Schlüsselszenen des Films abgestimmt. Mit einer Hinweistafel werden die Zuschauer aufgefordert, am entsprechenden Duft zu schnuppern, um auch olfaktorisch in die Welt von Jean-Baptiste Grenouille einzutauchen.

Auch als HD-DVD (VÖ: 15.03.2007) erhältlich.

Vera Seeberg

bewertungsbox

bildformat 2,35:1 (anamorph)
sprachen Deutsch (DTS / 5.1), Englisch (5.1)
untertitel Deutsch
extras Audiokommentare: Tom Tykwer (Regie), Uli Hanisch & Kai Karla Koch Production Design), Frank Griebe (Kamera) & Alexander Berner (Schnitt); Making Of; Interviews; Featurettes: Motivsuche, Visual
laufzeit 142 Min.
tonsystem Dolby Digital
regionalcode Regionalcode 2
preis ca. 23 Euro
bewertung bild gut
bewertung ton gut
bewertung extras gut

Credits:
(D 2006, R: Tom Tykwer, D: Ben Wishaw, Dustin Hoffman, Alan Rickman u.a.)


Ein fantastischer Bilderrausch, mit großem Aufwand inszeniert, aber von geringer emotionaler Wirkung: Bernd Eichinger und Regisseur Tom Tykwer haben Patrick Süskinds großen Roman "Das Parfum - Die Geschichte eines Mörder" verfilmt.
Ein fantastischer Bilderrausch, mit großem Aufwand inszeniert, aber von geringer emotionaler Wirkung: Bernd Eichinger und Regisseur Tom Tykwer haben Patrick Süskinds großen Roman "Das Parfum - Die Geschichte eines Mörder" verfilmt. (Highlight (Constantin))

Wird mehrerer Morde bezichtigt: Jean-Baptiste Grenouille (Ben Whishaw).
Wird mehrerer Morde bezichtigt: Jean-Baptiste Grenouille (Ben Whishaw). (Highlight (Constantin))

Der Duft des Mirabellen-Mädchens (Karoline Herfurth) zieht Grenouille (Ben Whishaw) magisch an.
Der Duft des Mirabellen-Mädchens (Karoline Herfurth) zieht Grenouille (Ben Whishaw) magisch an. (2006 Constantin Film, München)

Datum: 11.03.2007

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