(tsch) "Boogie Nights" war die cineastische Überraschung des Jahres 1998. Da hatte es doch tatsächlich ein damals erst 27 Jahre alter Regisseur gewagt, ein ganz heißes Thema aufzugreifen, an dem sich erfahrene Filmemacher lieber nicht die Finger verbrennen wollten. Paul Thomas Anderson erzählt in seinem Film vom Glanz und Niedergang der kalifornischen Pornofilm-Szene und entwirft gleichzeitig ein Sittenbild Amerikas in den späten 70er- und frühen 80er-Jahren. Der Film verhalf der Redneck-Legende Burt Reynolds zu einem unverhofften Comeback und ebnete dem ehemaligen Unterhosen-Modell Mark Wahlberg den Weg ins seriöse Schauspielfach.
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"Boogie Nights" spannt den zeitlichen Bogen von den hedonistischen 70-ern, als Sex noch "safe" war - wie es im Trailer zum Film heißt - bis in das Jahr 1983, als im Zeichen von AIDS Safer Sex zum unbedingten Muss wurde.
Jack Horner (Burt Reynolds), Regisseur und Produzent von Pornofilmen, sieht sich der wachsenden Konkurrenz durch billige Videoproduktionen ausgesetzt. Da trifft es sich gut, dass ihm zur rechten Zeit der Tellerwäscher Eddie (Mark Wahlberg) über den Weg läuft. Dessen Hauptargument misst stolze 33 Zentimeter und prädestiniert ihn damit zu einer steilen Karriere in der Porno-Branche. Eddie heißt von nun an Dirk Diggler und wird tatsächlich zum Star.
Zusammen mit der erfahrenen Amber Waves (Julianne Moore) und dem ewig kichernden Rollergirl (Heather Graham) gehört Eddie alias Dirk Diggler bald zu Horners Porno-Großfamilie. Ruhm, hemmungsloser Sex und Drogenexzesse sind verführerische Begleiterscheinungen des neuen Lebens. Doch der Erfolg ist nicht von Dauer. Mit dem Beginn der 80-er ziehen dunkle Wolken auf, und sowohl privat als auch geschäftlich brechen für alle Beteiligten schwere Zeiten an.
Als "exzessiv, intelligent und ästhetisch brillant" lobte der "Spiegel" den über zweieinhalb Stunden langen Film, der beim Publikum allerdings nicht den erhofften Anklang fand. Trotzdem konnte "Boogie Nights" drei Oscar-Nominierungen einheimsen: Julianne Moore und Burt Reynolds waren in der Auswahl als beste Nebendarsteller, und Anderson gehörte in der Kategorie bestes Original-Drehbuch zum Kandidatenkreis. Altstar Burt Reynolds hätte sich diesen Erfolg wohl nicht träumen lassen. Nach Abschluss der Dreharbeiten hatte er verärgert seinen Agenten gefeuert, weil er irrtümlich glaubte, bei einem absoluten Flop mitgewirkt zu haben.
P.T. Anderson ist auch mit seinem letzten Film "Punch Drunk Love" aus dem Jahr 2002 seinem eigenwilligen Stil treu geblieben: Emily Watson und Adam Sandler spielen in dieser schrägen Komödie ein Liebespaar. Seitdem blieb es still um den begabten Regisseur. Erst in diesem Frühjahr wurde bekannt, dass Anderson eine Verfilmung von Upton Sinclairs Roman "Oil!" aus dem Jahr 1927 plant. Im Mittelpunkt des Romans steht ein US-Präsident, der in einen Ölskandal verwickelt wird.
Tobias Köberlein
Noch kann Porno-Produzent Jack Horner (Burt Reynolds) feiern. Doch die Konkurrenz biliger Video-Produktionen bedroht so langsam seine Existenz. (kabel eins / New Line Cinema)
Rollergirl (Heather Graham) und Eddie (Mark Wahlberg) kommen sich nicht nur geschäftlich näher. (kabel eins / New Line Cinema)
Vom Tellerwäscher zum Porno-Star: Eddie (Mark Wahlberg) steht vor einer großen Karriere im Porno-Business. (kabel eins / New Line Cinema)
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