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Arcade Fire - Neon Bible

Arcade Fire Neon Bible

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Vielleicht erklärt ein Blick auf ebay das Standing von Arcade Fire am besten: 2.500 Dollar zahlte man da unlängst, wollte man zwei Tickets für eines der Konzerte in einer New Yorker Kirche ergattern. Das ist absurd viel Geld, keine Frage, und nicht wenige mutmaßten, es handle sich dabei um einen von der siebenköpfigen Band aus Montreal selbst lancierten Marketing-Gag. Aber vor allem zeigt es, dass Arcade Fire sich schon im Vorfeld der Veröffentlichung von "Neon Bible" aus der Nussschale Indierock gelöst haben und zu einer der wichtigsten Bands der zeitgenössischen Rockmusik geworden sind. Klar, da klingeln auch die Alarmglocken, Hypeverdacht und so. Aber das zweite Album der Kanadier ist tatsächlich eine ganz, ganz große Platte, die gekonnt und souverän zwischen klerikaler Grandezza, beherztem Rock und düsterem Folk Noir wandelt.

Dass "Neon Bible" mit einem Sturm namens "Black Mirror" beginnt, passt da gut. Innerhalb einer Minute kommt es zu einer Art Auferstehung all jener Elemente, die schon das Debüt "Funeral" ausmachten: ein beängstigendes Melodieverständnis, gepaart mit Virtuosität und einer Attitüde, die die fast euphorische Verzweiflung der Jetztzeit schlüssig in eine Art fiebrigen, weltuntergangsnahen Orchesterduktus übersetzt.

Dass sich die Aufregung, dieses Nichtstillhaltenkönnen des Debüts, etwas gelegt hat, liegt in der Natur der Sache und darf nicht zu hoch gehängt werden. Denn es finden sich auch auf dieser Platte genug Widerhaken, an denen man als Hörer hängen bleibt. Der - man hört's leider kaum - auch inhaltlich relevante "Antichrist Television Blues" orientiert sich frech an Bruce Springsteens "Born To Run", klaut sogar den einen oder anderen Akkord. Das vielen Fans bereits bekannte "No Cars Go" lebt von einer harmonischen Opulenz, einem treibenden Bass und dem hier perfektionierten Zusammenspiel der Stimmen von Regine Chassagne und Win Butler. "Black Wave / Bad Vibrations" tut Ähnliches, aber mit anderer Gewichtung und Dramaturgie und dockt sowohl am Chamber Pop als auch an den 80er-Jahren an. "Intervension" schließlich wird nicht nur von einer offenbar sehr großen Kirchenorgel dominiert, sondern lebt förmlich von ihr. Dass das monströse Ding die anderen Instrumente fast überwalzt, dürfte Absicht sein, Butler singt tapfer und hinreichend laut dagegen an, am Ende mit Hilfe eines Kinderchors.

Klar, Unschuld und so, was wieder ganz gut passt, denn: Wie schon das Debüt ist auch "Neon Bible" eine Platte, die fernab aller Realitäten funktioniert und lieber an Orte erinnert, die mit Rockmusik nicht so viel zu tun haben, aber ansonsten grundverschieden sind: Kirchen, Holzhütten, Shangri-La, tiefe Wälder. "Neon Bible" ist so eine Art Märchen, und da lässt man sich doch gerne drauf ein.

Jochen Overbeck


Datum: 10.03.2007

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Diskussion: "Arcade Fire - Neon Bible"

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