(tsch) Gab es Jesus wirklich? Wo lag er begraben? War Gottes Sohn etwa ein ganz normaler Mensch? Die Fragen um Jesus Christus sind so alt wie die im Glauben viel zitierte Ewigkeit und werden pünktlich zur Passionszeit einmal mehr gestellt. Doch nicht etwa ein Religionswissenschaftler, Historiker oder gar Geistlicher heizt die neueste Jesus-Debatte an. James Cameron, der einst den "Terminator" zum Leben erweckte, versucht sich nun als großer Revolutionär der christlichen Religions- und Glaubensbasis. Gemeinsam mit dem kanadisch-israelischen Dokumentarfilmer Simcha Jacobovici will der Hollywood-Produzent das Grab der Jesus-Familie entdeckt haben. Die Forschungsergebnisse ihres Fundes präsentieren die beiden in der "spektakulären" Dokumentation "Das Jesus-Grab" (17.25 Uhr), die ProSieben am Karfreitag als TV-Premiere zeigt. Spektakulär ist daran allerdings nur die Beharrlichkeit der Hobby-Forscher.
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Dass dieser Film für Furore sorgen würde, dürfte James Cameron klar gewesen sein. Vermutlich war auch genau das in seinem Sinne. Immerhin liegt sein letzter Film, "Aliens der Meere", bereits drei Jahre zurück. Sein neuestes Projekt, der Science-Fiction-Streifen "Avatar", soll erst im Mai 2009 ins Kino kommen. Da bleibt viel Zeit für einen Lückenfüller, einen möglichst spektakulären am besten. Die vernichtende Kritik, die die Premiere Anfang März auslöste, verbunden mit ausbleibendem Erfolg, dürfte jedoch weniger dem Plan des Filmemachers entsprechen.
Dabei kündigte der Regisseur und Erfolgsproduzent vielversprechend an: "Größer geht's nicht." Auch ohne diesen Beisatz genügte allein die Thematik der Dokumentation - eine Koproduktion des amerikanischen Discovery-Channels, des britischen Channel 4, des kanadischen Vision TV, des israelischen Kanals 8, der Produktionsfirma Monaco Film Hamburg und Pro Sieben -, um die Welt aufhorchen zu lassen. Da die Ankündigung allerdings von jemandem kam, der bislang vor allem durch Action, Aliens und den aufwändig inszenierten Untergang der Titanic auf sich aufmerksam machte, denn durch Religionsforschung, mischte sich freilich bereits im Vorfeld eine große Portion Skepsis zur Neugierde. Hanebüchener geht's nicht, dachten sich denn auch die Kritiker nach der Pressekonferenz in New York und belächelten das neue Werk.
Cameron und Jacobovici erforschten die Geschichte eines Familiengrabes, das im März 1980 im Jerusalemer Stadtteil Talpiot bei Bauarbeiten zufällig frei geschaufelt wurde. In der Gruft befanden sich insgesamt zehn steinerne Gebeinkästen, die ohne größere Beachtung in einem dafür vorgesehenen Lagerhaus der Antiquitätenbehörde IAA landeten. Die Gebeine wurden nach israelischem Gesetz nachbestattet, und das Grab verschwand unter einer modernen Neubauwohnsiedlung.
Erst vor Kurzem untersuchten Wissenschaftler die Sarkophage eingehender und pinselten Inschriften frei, die nach Camerons und Jacobovicis Ansicht das Unglaubliche preisgeben. Auf sechs Gebeinekisten, so genannten Ossuaren, stehen die Namen "Jesus, Josephs Sohn", "Judah, Sohn des Jesus", "José", was für Josef (so hieß ein Bruder von Jesus) stehen soll, "Mariamne" (dahinter vermuten die Filmemacher Maria Magdalena) und "Marja" (Jesus Mutter). Zu einem späteren Zeitpunkt der 90-minütigen Reliquien-Schnitzeljagd taucht dann noch eine weitere Gebeinkiste auf, die dank des chemischen Fingerabdrucks ihrer Patina dem Jesus-Grab zugeordnet wird. Auf ihr findet sich die Inschrift "Jakob, Sohn Josefs, Bruder Jesu". Ein privater Sammler ersteigerte das Ossuar einst auf einem Bazar.
Und es bleibt abenteuerlich: Da werden vom Boden der Sarkopharge DNA-Überbleibsel zusammengekratzt und von Forensikern in aufwändigen Prozeduren ausgewertet. Demnach sind der angebliche Jesus und die vermeintliche Maria Magdalena nicht miteinander verwandt gewesen. Eindeutig: Die beiden waren verheiratet und "Judah, Sohn des Jesus" ist niemand Geringeres als der Spross von Gottes Sohn. Der "Da Vinci Code" wäre damit also auch geknackt.
Doch Cameron und Jacobovici behaupten, sich nicht irgendwelchen Spekulationen hingeben zu wollen. Um letzte Zweifel auszuräumen - und derer dürften beim Publikum einige übrig bleiben -, wollen sie mit eigenen Augen einen Blick in das Grab werfen, das unter Gartenanlagen und einer Betonwüste aus Wohnblöcken liegt. Baupläne, Skizzen und ein architektonisches Modell der Siedlung sollen bei der Suche helfen. Den entscheidenden Tipp - wie mystisch - erhält das Team jedoch von einer blinden Anwohnerin.
Wenn auch einige Wissenschaftler die Filmemacher in ihrer These bekräftigen, riecht das alles mehr nach heißer Luft als nach einem religiösen Skandal. Und dennoch gaben sich insbesondere in Amerika viele Christen empört und sahen die Grundfesten ihres Glaubens bedroht, nachdem der Discovery Channel die Dokumentation ausstrahlte. "Es wird Zeit, dass der Discovery Channel die Ethik entdeckt und aufhört diesem Sensationsjournalismus nachzugehen", wetterte der Präsident der Katholischen Liga, Bill Donohue. Von "Verleumdung" war da gar die Rede. Hierzulande hieß es hingegen nüchtern: "Hier geht es um Geld und um Schlagzeilen." (Theologe Jürgen Zangenberg).
"The Lost Tomb of Jesus" lautet der englische Titel: "Das verlorene Grab Jesu". Verloren ist hier aber einzig der Boden der Tatsachen. Das bescheinigt dem Team unter anderem ausgerechnet der Archäologe Amos Kloner, der den Grabfund erst bekannt machte. Im Film weist er Jacobovici darauf hin, dass die Namen auf den Särgen die am meisten verbreiteten Namen für Juden in Jesu Zeit seien. Der Dokumentarfilmer selbst gibt sich inzwischen etwas zurückhaltender als im Film. "Das Jesus-Grab" sei "eine gute Detektivgeschichte". Er liefere nur den Stoff. "Um Beweise soll sich die Wissenschaft kümmern."
Detektivgeschichte trifft es auf den Kopf. Denn Cameron und Jacobovici ist durchaus eine spannende, bisweilen amüsierende Mischung aus pseudo-investigativer Live-Recherche und kriminalistischer Spurensuche gelungen, angereichert mit nachgestellten Szenen aus dem Leben des Gottessohnes. Man könnte sagen: "CSI" trifft "ZDF Expedition" trifft "Die Passion Christi". Doch für ein "quod erat demonstrandum" reicht das wahrlich nicht aus.
Nina Fischer
Ob Jesus hier die ewige Ruhe gefunden hat? (ProSieben)
Enthusiastisch kriecht der kanadisch-israelische Dokumentarfilmer Simcha Jacobovici in der Grabkammer herum, in der angeblich Jesus' Gebeine gelegen haben sollen. (ProSieben)
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