(tsch) Für die Münchner ist der Stadtteil Hasenbergl in etwa das, was die Bronx für New York und Neukölln für Berlin ist. Nun ja, ganz so hart geht es in dem Viertel im Norden der Bayern-Metropole nicht zu, aber die Menschen, die hier wohnen, haben nicht gerade das große Los gezogen. Viele von ihnen sind arbeitslos oder auf Sozialhilfe angewiesen. Kein gutes Pflaster für die Jugend des Viertels. Der Weg auf die schiefe Bahn ist da oft nicht mehr weit. Dass es trotzdem Hoffnung gibt, zeigt der 2002 entstandene TV-Film "Ghettokids" im Dritten Programm des Bayerischen Rundfunks.
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Ioannis Tsialas und Toni Osmani sind zwei typische Hasenbergler. Sie kommen aus zerrütteten Familien und hängen lieber am Münchner Hauptbahnhof als in der Schule ab. Umso erstaunter waren die beiden, als ihre Lehrerin sie eines Tages fragte, ob sie nicht Lust hätten, in einem Fernsehfilm mitzuspielen. Pädagogin Susanne Korbmacher-Schulz versucht, den Jugendlichen zu helfen, indem sie ihnen nach der Schule Kurse in Breakdance, Musik oder Schauspiel anbietet.
Als Regisseur Christian Wagner von diesem Projekt erfuhr, war er sofort begeistert. Schnell war die Idee geboren, einen Spielfilm über die Kids und ihren Alltag zu drehen. Als Schauspieler wollte er aber keine Profis, sondern Jugendliche, die selbst aus dem Viertel stammen. "Zum Casting kamen bestimmt 300 Leute - und es hat sich schnell herausgestellt, dass der soziale Background und die Authentizität das Ausschlaggebende für den Film sind", sagte Christian Wagner. So hätten auch Kinder aus bürgerlichen Familien vorgesprochen, die sich aber in die Situation ihrer Rollen nicht hineinversetzen konnten. Stattdessen fiel Wagners Wahl auf Ioannis und Toni, die die größte Credibility zeigten. Zusammen mit bis zu 80 anderen Kids, die kleinere Rollen übernehmen durften, verleihen sie "Ghettokids" das richtige Street-Feeling.
Christos (Ioannis) und Maikis (Toni) sind ein Brüderpaar, das sich den öden Alltag mit Gelegenheitsdiebstählen versüßt. Als Maikis am Hauptbahnhof einer blonden Frau die Brieftasche klaut, ahnt er noch nicht, dass diese - peinlich!, peinlich! - seine neue Lehrerin Hanna Solinger ist. Diese Rolle übernahm mit Barbara Rudnik ausnahmsweise ein echter Schauspiel-Profi. Die neue Paukerin hat zunächst einen schweren Stand in der Klasse. Ihre Schüler verstehen es ausgezeichnet, ihr das Leben zur Hölle zu machen. Doch weil sie sich nicht unterkriegen lässt, wird sie bald zur angesagtesten Lehrerin. Kein Wunder, geht Hanna doch ihren ganz eigenen Weg. Sie bringt ihren Schülern nicht nur Mathe bei, sondern führt sie auch in die Welt von HipHop und Breakdance ein.
Bernd Fetsch
Hanna (Barbara Rudnik) und ihre Klasse: Auf die engagierte Lehrerin wartet eine Menge Arbeit in ihrer neuen Schule im Münchener Hasenbergl. (BR / TV60)
Maikis (Toni Osmani) in seiner Zelle - er soll einen U-Bahn-Passanten überfallen haben. (BR / TV60)
Sie spielen in "Ghettokids" die Hauptrollen (von links): Barbara Rudnik, Toni Osmani, Ioannis Tsialas und Günther Maria Halmer. (BR / TV60)
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