(tsch) Eigentlich waren es nur vier Jahre. Zwischen 1967 und 1971 veröffentlichten The Doors sechs Alben, die ihre Legende als eine der wichtigsten Bands der Musikgeschichte begründeten. Oder besser, die sie zur amerikanischen Kulturikone im Range von Marilyn Monroe, dem Cowboyhut oder der Apollo-Mondmission machten. Bereits wenige Jahre nach dem Tod des Sängers Jim Morrison begann die Zeit der Pflege dieses Kulturgutes - oder sollte man besser sagen, dessen wirtschaftliche Verwertung. Da die verbliebenen Doors jedoch untereinander zerstritten sind, gerät selbst das Jubiläum nach 40 Jahren zu einer Vermarktungsfarce unter der Aufsicht von Anwälten.
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Am anderen Ende der kratzigen Telefonleitung ist Robby Krieger, Gitarrenlegende von The Doors. Vielleicht ist es nicht die originellste Frage, um ein Interview zu eröffnen. Dennoch wollen wir von ihm wissen, ob er, unterwegs auf einem kalifornischen Highway, das Autoradio lauter dreht oder eher den Sender wechselt, wenn ein altes Stück seiner Band im Radio läuft. "Ich drehe das auf jeden Fall immer gleich richtig laut", zeigt sich Krieger begeistert von der eigenen Vergangenheit. "Es gibt kein besseres Gefühl als die eigene Musik im Radio zu hören". Während des Gespräches wird die Stimme des Rockveteranen kein zweites Mal dieses Ausmaß an fast kindlicher Begeisterung erreichen. Es darf also gemutmaßt werden, dass der 61-Jährige gerne an die Doors und damit seine eigene Jugend zurückdenkt. Nun finden allein die Vermarkter von Stars dieser Größenordnung immer wieder Termine, um an deren Erbe zu erinnern. Jahrestage, Geburtstage und natürlich Todestage.
Derzeit steht der 40. Geburtstag des Debütalbums "The Doors" an, das bereits die Megahits "Light My Fire" und "The End" enthielt. Im echten Leben stehen seit Jahren allerdings eher die Streitigkeiten der Band im Vordergrund. Als Hauptwidersacher treten dabei auf: Schlagzeuger John Densmore und Organist Ray Manzarek, die sich spätestens seit dem ersten Bandrevival nach der Auflösung der Gruppe im Jahr 1977 in inniger Feindschaft verbunden fühlen. Im September 2000 war es, da traten die drei verblieben Doors mit verschiedenen Gastsängern bei einem Konzert auf, woraufhin Manzarek und Krieger eine Neuformation mit Ian Astbury von The Cult ins Leben riefen. Densmore, der sich gemeinsam mit den Eltern Jim Morrisons aber stets gegen eine kommerzielle Ausbeutung des Doors-Erbes wehrte, verhinderte in der Folgezeit, dass die Ex-Kollegen unter dem Namen The Doors auftreten konnten. Weshalb der Bandname zunächst in "Doors of the 21st Century" und nach einem weiteren Gerichtsurteil in "Riders On The Storm" umgewandelt werden musste.
Anfang 2007 stieg dann auch noch Sänger Ian Astbury aus, weshalb ein für Frühjahr 2007 geplantes Jubiläumskonzert der Doors-Nachfolgeband nun erst mal auf den Sommer verschoben wurde. "Wir müssen zunächst sehen, wer dann unser Sänger sein wird", nennt Robby Krieger den Grund für die verschobenen Live-Feierlichkeiten. Mittlerweile heißt es, Ex-Fuel-Sänger Brett Scallions wäre der neue Morrison-Widergänger. Zur Londoner Jubiläumsfeier von Krieger und Manzarek soll es in jedem Fall eine Gegenveranstaltung von Schlagzeuger John Densmore geben. Dieser plant, während die Ex-Kollegen musikalisch die Hippie-Ära beschwören, einige Türen weiter ganz puritanisch Gedichte Jim Morrisons vorzulesen. Nach dem Gerichtsurteil des Los Angeles Superior Court von 2005 müssen dennoch alle Gewinne aus den Doors-Nachfolgebands an die ursprüngliche "Doors-Partnerschaft" ausgezahlt werden.
Der endgültige kreative Schlussstrich unter das künstlerische Erbe der Doors dürfte ohnehin im Dezember 2006 mit der Veröffentlichung der CD/DVD-Werkschau "Perception" gezogen sein. Hierfür hörten sich Manzarek, Krieger und der ehemalige Doors-Produzent und Toningeneur Bruce Botnick noch einmal durch sämtliche alte Mehrspurbänder der ersten sechs Alben. Das Resultat waren sechs Audio-DVDs, die das legendäre Doorswerk um eine 5.1-Abmischung im Surround-Sound erweiterten. "Nun kann man erstmals Backgroundgesang von Jim Morrison, Gitarren- oder Orgelsoli genießen, die auf den Originalen einfach nicht zu hören waren", berichtet Robbie Krieger. "Damit diese lange unbenutzten Magnetbänder bei den Remixen nicht kaputt gingen, müssten wir sie zunächst erst mal im Backofen erwärmen. Wenn man das nicht macht, kleben die alten Bänder so zusammen, dass sie beim Abspielen zerstört werden können."
Das über 100 Euro teure Ergebnis der Backofen-Aktion mag echten Fans der Doors letzte neue Erkenntnisse über eine der einflussreichsten Bands der Popgeschichte liefern. Die aus den finalen Remixen hervorgegangene Doppel-CD "The Very Best Of The Doors", die nun zum Jubiläum in den Läden liegt, dürfte hingegen nur ein weiterer Vermarktungsschritt ohne künstlerischem Mehrwert sein, denn darauf findet sich viel alt Bekanntes. Was denn das Wichtigste am Erbe von The Doors für die Nachwelt wäre, wollen wir von Robby Krieger zum Abschluss des Telefonats wissen. "Ganz klar, das sind die Stimme und die Texte von Jim Morrisson. Dann natürlich auch die Songs, die wir geschrieben haben." Erst der Sänger, dann die Songs, am Ende die Band. Auch Robbie Krieger outet sich also als waschechter Jim Morrison-Fan. Dass man den Toten dennoch nicht ruhen lässt, dass er in diesen Tagen mal wieder vom Cover einer eher überflüssigen Compilation mit dem Finger auf sein Publikum zeigen muss, ist die Kehrseite der Morrison-Heldenverehrung.
Eric Leimann
Vor 40 Jahren veröffentlichten The Doors ihr erstes Album - jetzt wird Geburtstag gefeiert. (Warner / Paul Ferrar)
Einer tot, die anderen zerstritten: The Doors funktionieren längst nicht mehr als Band, wohl aber als Cash Machine. (Warner / Paul Ferrar)
Zwischen 1967 und 1971 veröffentlichten The Doors vier Alben, die heute zu den wichtigsten der Musikgeschichte gehören. (Warner)