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Beatsteaks

Kneipenwirte im Vorhof der Hölle

Punkrock-Band Beatsteaks

(tsch) Sie sind fünf normale Berliner Jungs, und das wollen sie immer bleiben. Arnim Teutoburg-Weiss (Gesang), Bernd Kurtzke (Gitarre), Peter Baumann (Gitarre), Thomas Götz (Schlagzeug), Torsten Scholz (Bass) sind zusammen zwar die angesagteste deutsche Punkrock-Band, aber die Beatsteaks sind auf dem Teppich der Berliner Wohnzimmerkneipen geblieben. Und dort haben sie Spaß, verbreiten gute Laune und machen Musik, die ihnen gefällt und nicht von Marketingexperten geschliffen wird. Die Beatsteaks erfüllen nach dem Mega-Erfolg von "SmackSmash" mit ihrem neuen Album ".limbo.messiah" mühelos die hohen Erwartungen - und sorgen mit dem härteren, kratzigeren Sound trotzdem für eine Überraschung. Im Interview versuchen sich die beiden Gitarristen Peter und Bernd an einer Erklärung des Prinzips Beatsteaks.

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teleschau: Euer letztes Album "SmackSmash" ging vor drei Jahren durch die Decke. Was hat sich seit dem Erfolg, was hat sich durch dicke Deals und Koffer voller Kohle geändert für Euch?

Bernd Kurtzke: Sehr lustig. Für uns persönlich hat sich da nicht so viel geändert. Musik macht immer noch Spaß, das ist der Grund warum wir sie machen. Und natürlich weil keiner Lust hat zu arbeiten. Wir werden immer wieder gefragt: "Habt Ihr noch irgendwelche Ziele, wollt Ihr nicht noch den einen oder den anderen Preis gewinnen?"

teleschau: Und wollt Ihr?

Bernd: Wenn jemand daherkommt und uns einen Preis gibt, dann sagen wir schon artig Danke und freuen uns ein bisschen. Aber deswegen machen wir eigentlich nicht Musik.

teleschau: Wie macht Ihr eigentlich Musik, wie entstand ".limbo.messiah"?

Bernd: Es gab immer Phasen in den letzten Jahren, in denen wir uns trafen und uns gegenseitig Demos vorspielten. Daraus wählten wir dann die Sachen aus, die uns gefallen haben.

teleschau: Also macht Ihr Euch erstmal alleine Gedanken über die Parts, die Eure Instrumente betreffen?

Peter Baumann: Jein. Wir wissen schon in etwa, was die anderen wollen. Es geht zunächst eher um die groben Ideen, nicht um den fertigen Song. Wir müssen uns auf ein paar Vorschläge einigen, und dann gehen wir da richtig tief rein.

teleschau: Hört sich nach einem hübschen gruppendynamischen Prozess an ...

Bernd: Auf jeden Fall. Alle machen alles, und am Ende wissen wir nicht mehr, von wem der Song eigentlich ist.

Peter: Weil wir alle so lange drin 'rumrühren, bis der schöne Song weg ist. Erst kaputt machen und dann wieder aufbauen (lacht).

teleschau: Ist die Platte deshalb kratziger geworden als "SmackSmash"?

Peter: Wir hatten anfangs noch kein Bild vor Augen, wie das Album werden soll. Wir musizierten einfach drauf los, hauten uns die Akkorde um die Ohren, arrangierten, machten dies, taten jenes. Dass im Schnitt alles eine Nummer härter geworden ist, hat sich einfach so ergeben. Songs wie "I Don't Care As Long As You Sing" oder "Hand In Hand" brauchten wir nicht mehr. Es ging darum, etwas Neues zu machen. Auch für uns. Es gab keinen Plan, wir wollten nicht zeigen, dass wir besonders hart sind.

teleschau: "Cool, Sharp And Collected" ist trotzdem ein ziemliches Brett.

Bernd: Oh ja. Und das ist gut so. Wir haben den gleich nach dem Aufnehmen mal schön laut im Studio gehört und uns sehr gefreut. Das hat aber auch mit Sound zu tun. Unser Produzent Moses Schneider hatte keinen Bock darauf, so angesagt zu klingen, wie die ganzen englischen Bands. Er konnte es einfach nicht mehr hören. Das hat natürlich auch dazu beigetragen, dass sich ".limbo.messiah" so rau anhört.

Peter: Wir haben uns alle Mühe gegeben. Und wir wollten uns verändern. Das kann man aber nicht ausdiskutieren, über Klang und Sound zu reden, funktioniert nur ansatzweise. Klar, es soll knallen und nach vorne abgehen. Wichtig war, dass wir ordentlich in die Saiten hackten und die Drums so präsentierten, wie sie es verdient haben.

teleschau: Habt Ihr das Album wieder live eingespielt?

Bernd: Wir haben leider nicht alle in einen Raum gepasst, sodass wir hinter diversen Glaswänden standen. Aber wir haben alle zur gleichen Zeit gespielt und konnten uns dabei sehen.

Peter: Also war es eigentlich wieder live. Bass und Schlagzeug waren hinter Fenstern, die Gitarren blieben aber zusammen, und wir konnten uns über Kopfhörer verständigen.

Bernd: Da sei mir doch ein Querverweis gestattet: Auf unser tollen Bonus-Live-Extra-DVD, die mit der DeLuxe-Version des Albums zu bekommen ist, wird haarklein aufgezeigt, wie so was funktioniert .

teleschau: Eure Tour war innerhalb von wenigen Tagen ausverkauft, und die Beatsteaks spielen nicht mehr nur in den kleinsten Clubs. War das schon immer so?

Bernd: Nee. Das kam völlig überraschend, ist aber natürlich sehr schön. Ich glaube, das sind viele Leute, die uns mit der letzten Scheibe kennengelernt haben und uns ganz gut fanden.

teleschau: Ihr spielt sowohl in kleinen Punk-Schuppen als auch gediegen in größeren Hallen ...

Peter: Beides hat seinen Reiz. Trotz zunehmender Popularität werden wir es uns nicht nehmen lassen, weiter in kleinen Läden zu spielen. Da hat alles angefangen, da kommen wir her. Außerdem ist es ganz gut, sich einzunorden für die größeren Sachen. Wenn es in den kleinen Clubs funktioniert, dann gibt das Rückgrat für die Auftritte vor mehr Leuten, die natürlich auch Spaß machen.

teleschau: Habt Ihr etwa Lampenfieber? Immer noch?

Bernd: Na klar, vor jedem Auftritt. Egal ob da fünfzig oder fünftausend Leute vor der Bühne stehen. Das ist ganz schlimm, aber okay. Wenn es nicht mehr so wäre, würde ich mir Gedanken machen.

teleschau: Das ist jetzt nicht Euer Ernst ...

Peter: Doch, doch. Immer wenn wir fünf zusammen auf eine Bühne gehen, und es ist egal, wie groß sie ist und wieviele Leute vor dir stehen, ist es immer total aufregend. Ich frage mich manchmal sogar, warum ich das alles mache, weil es auch körperlich weh tut. Das geht zwar schnell vorüber, aber es könnte auch eine Portion weniger Lampenfieber am Start sein, und ich wäre trotzdem glücklich.

teleschau: Ihr singt immer noch nicht deutsch und wollt es auch nie machen, oder?

Bernd: Wir haben schon ein, zwei Lieder auf Deutsch gesungen. "Schluss mit Rock'n'Roll" zum Beispiel. Aber was uns gefällt und beeinflusst, ist nun mal englischsprachige Musik.

Peter: Deutsch muss sich ergeben, da muss alles passen und der Text eine ganz besondere Bedeutung haben. Spontan kommen die Worte zur Musik alle auf Englisch rausgepurzelt. Das ist auch besser für die Balance der Songs und für die Wertigkeit der Musik. Bei deutschen Texten werden die Ohren gleich doppelt so groß, und man achtet mehr auf die Worte. So hören wir aber selber nicht Musik.

Bernd: Deutsch verrät außerdem zu viel, weil man expliziter ist und gleich alle Karten auf den Tisch packt. Englisch lässt mehr Interpretationsspielraum zu.

Peter: Und es klingt natürlich besser. Die Sprache ist musikalischer und für unsere Zwecke einfach besser geeignet.

teleschau: Bleibt die Frage, ob die Texte zur Musik kommen oder umgekehrt.

Peter: Wir haben kaum irgendwelche Texte rumliegen, für die wir Musik machen. In den meisten Fällen gibt es erst die Musik, und danach überlegen wir uns, welcher Text dazu passen würde.

teleschau: Was bedeutet eigentlich der Albumtitel ".limbo.messiah"? Und warum habt Ihr einen Punkt vor "limbo" gesetzt?

Bernd: Klingt gut, sieht gut aus.

Peter: Man kann schöne Sachen reininterpretieren.

Bernd: Der Punkt hat keine Bedeutung, aber der Titel. Das wurde uns allerdings erst recht spät klar. Tocotronic-Sänger Dirk von Lotzow hat uns aufgeklärt, dass der Limbus der Vorhof zur Hölle ist, wo ungetaufte Kinder hinkommen und Leute, die nicht böse genug waren, um im Fegefeuer zu schmoren, aber auch nicht gut genug, um in den Himmel zu kommen. Diese Leute werden dort mit Langeweile bestraft.

Peter: Und da dachten wir, dass Langeweile und Punkrock ganz gut zusammenpassen.

teleschau: Ihr wollt Verkünder der Langeweile sein?

Bernd: Nein, wir machen da eine Kneipe auf, mit Punkmusik.

teleschau: Ihr seid ja nun auch ein wenig älter geworden. Was ändert sich denn da so für einen Punkrocker?

Bernd: Peter und ich sind zum Beispiel Papa geworden. Aber das hat ja mit dem Alter nichts zu tun. Das Alter ... ich weiß nicht ...

Peter: ... schützt vor Torheit nicht. Wir sind immer noch ein Kindergarten.

teleschau: Gibt es durch die Familie Einschränkungen?

Bernd: Es gibt Veränderungen. Ich fühle mich nicht eingeschränkt.

Peter: Der Fokus ist ein anderer, man sieht Dinge anders, wenn man ein Kind zu Hause hat, für das man die Verantwortung trägt, für das man, um ganz einfach zu bleiben, die Nahrung besorgen muss. Nach dem ersten großen "Oh Gott, wie wird das jetzt alles mit der Band?" pegelt sich alles schnell ein. Es gibt sogar Kraft, ich kann die Zeit im Proberaum jetzt viel intensiver genießen. Bei der Musik muss ich nur an die Musik denken, danach freue ich mich aber extrem, nach Hause zu kommen. Insgesamt macht alles mehr Sinn.

Andreas Fischer


Die Beatsteaks sind nach eigener Definition die Kneipiers im Vorhof der Hölle, von links: Arnim Teutoburg-Weiss (Gesang), Peter Baumann (Gitarre), Thomas Götz (Schlagzeug), Bernd Kurtzke (Gitarre) und Torsten Scholz (Bass).
Die Beatsteaks sind nach eigener Definition die Kneipiers im Vorhof der Hölle, von links: Arnim Teutoburg-Weiss (Gesang), Peter Baumann (Gitarre), Thomas Götz (Schlagzeug), Bernd Kurtzke (Gitarre) und Torsten Scholz (Bass). (Warner Music / 103prozent.de)

Eigentlich hätten die Beatsteaks (von links: Bernd Kurtzke, Arnim Teutoburg-Weiss, Thomas Götz, Peter Baumann, Torsten Scholz) allen Grund abzuheben. Tun sie aber nicht, sondern sie machen weiter ihr Ding.
Eigentlich hätten die Beatsteaks (von links: Bernd Kurtzke, Arnim Teutoburg-Weiss, Thomas Götz, Peter Baumann, Torsten Scholz) allen Grund abzuheben. Tun sie aber nicht, sondern sie machen weiter ihr Ding. (Warner Music / 103prozent.de)

Die Beatsteaks haben sich ihren Status in der deutschen Punkrock-Szene redlich erarbeitet und bestätigen ihn mit dem neuen Album ".limbo.messiah".
Die Beatsteaks haben sich ihren Status in der deutschen Punkrock-Szene redlich erarbeitet und bestätigen ihn mit dem neuen Album ".limbo.messiah". (Warner Music / 103prozent.de)

Datum: 01.04.2007

Diskussion: "Beatsteaks"

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