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Verführung einer Fremden

Verführung einer Fremden

(tsch) Wer schon einmal im Internet unterwegs war, kennt die Fallstricke des virtuellen Raums, aber auch die Chancen, seine Identität in der Anonymität der Bits & Bytes neu zu erfinden. Besonders Chats, also der unmittelbare, textbasierte Austausch auf bestimmten Internetseiten, erfreuen sich seit über einem Jahrzehnt reger Beliebtheit. Schließlich fallen all die unangenehmen Begleiterscheinungen einer Konversation von Angesicht zu Angesicht weg: Für das Aussehen, Macken oder das leidige Lispeln braucht sich hier niemand zu schämen. In dem Kinothriller "Verführung einer Fremden" geschieht aber ein Mord, ein bestialischer sogar, und die Spur führt direkt in einen Chatroom, wo ganz normale Männer zu Lüstlingen mutieren.

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Der Film rankt sich um eine Enthüllungsjournalistin im idealtypischen Sinn, passend besetzt mit Hollywood-Schönheit Halle Berry: Rowena ist bissig, attraktiv und skrupellos, wenn es um die Demaskierung gesellschaftlichen Übels geht. Trotzdem schreibt sie unter einem männlichen Pseudonym, was ihren Stolz indes nicht schmälert.

Gleich zu Beginn scheint ihr der größte Coup ihrer Karriere zu gelingen: Sie konfrontiert einen Senator mit seiner homosexuellen Liebschaft zu einem seiner Praktikanten. Vorwurf: Sexuelle Belästigung und Ausnutzung Untergebener. Trotzdem kann die Ruhm und Auflagenrekorde versprechende Story nicht gedruckt werden, da die Netzwerke der Macht nur allzu gut funktionieren. Umso verbissener vertieft sich die geschasste Investigativ-Reporterin in einen neuen Fall, der mit einer alten Freundin aus Kinderzeiten zusammenhängt.

Die hübsche Grace (TV-Gesicht Nicky Aycox) wird ermordet - wenige Tage, nachdem sie Rowena bei einem nächtlichen Treffen in einer U-Bahn-Station erzählt hatte, sie habe ein Verhältnis mit einem verheirateten Werbe-Mogul gehabt, der sie nun ignoriert und dessen Frau sie schon bald über die Affäre in Kenntnis setzen würde.

Das klingt freilich nach einem perfekten Motiv, zumal sich Harrison Hill (Bruce Willis), der charismatische Chef einer der erfolgreichsten Werbeagenturen New Yorks, dem anderen Geschlecht gegenüber trotz Ehering ganz offensichtlich nicht abgeneigt zeigt. Und: Er treibt sich sich auch gerne im Internet herum, um unter einem kryptischen Kurznamen mit wildfremden Frauen Cyber-Sex zu praktizieren. Gemeinsam mit ihrem technisch begabten Kollegen Miles (Giovanni Ribisi) zieht Rowena die Schlinge um Hills Hals immer enger zusammen, um ihn, so das Ziel, schlussendlich als Mörder entlarven zu können. Motive gibt es genug: Sein gesamtes Vermögen gehört seiner Frau, die ihm kurzerhand den Geldhahn zudrehen könnte, sollte sie von seinen Affären erfahren. Außerdem ist der Mann jähzornig und in einer Weise von sich und seiner Männlichkeit überzeugt, dass niemand anders als Bruce Willis die Figur hätte besser verkörpern können.

Doch ist letztlich alles vollkommen anders, als es über weite Längen des zwar routiniert abgespulten, aber dennoch spannenden Thrillerstoffes erscheint. Halle Berry liefert nach ihrem schauspielerischen Fiasko mit "Gothika" und "Catwoman" wieder eine solide Leistung ab, die sich nicht wie im James-Bond-Abenteuer "Stirb an einem anderen Tag" auf das Posieren im Bikini beschränkt, obwohl auch "Verführung einer Fremden" ihre Reize in mehreren elegisch zelebrierten Szenen abfeiert. So kommt TV-Serien-Schönling Gary Dourdan aus der Krimi-Serie "CSI" in den Genuss einer kurzen Liebesszene mit der Oscarpreisträgerin. Bruce Willis ist als charmante Mannsfigur eine Offenbarung, gerade weil der 52-Jährige seine Ausstrahlung mit eben jener Selbstgewissheit wirken lässt, die er so lange in ernsten Charakterrollen zurückstellen musste.

Zwar erfindet der Thriller um sexuelle Gier, Loyalität unter Partnern und die dunkle Vergangenheit der Protagonisten das Genre nicht neu, obwohl es am Ende zumindest nach einem Versuch aussieht. Doch garantiert "Verführung einer Fremden" spannendes Rätselraten ohne Happy-End, was zweifelsohne wie eine stilistische Notwendigkeit wirkt, um sich von vergleichbaren Krimis zu unterscheiden, aber die Tragik aller Figuren offen legt.

Leif Kramp

Credits:
V:Sony Pictures, USA 2007, R: James Foley, D: Bruce Willis, Halle Berry, Giovanni Ribisi u.a.

Laufzeit: 109 Min.

Kinostart:
12.04.07


Es ist bekannt, dass der reiche Agenturchef Harrison Hill (Bruce Willis) zahlreiche Affären hatte.
Es ist bekannt, dass der reiche Agenturchef Harrison Hill (Bruce Willis) zahlreiche Affären hatte. (2007 Sony Pictures Releasing GmbH)

Die Journalistin Rowena Price (Halle Berry) will den Mord an ihrer Freundin Grace aufklären.
Die Journalistin Rowena Price (Halle Berry) will den Mord an ihrer Freundin Grace aufklären. (2007 Sony Pictures Releasing GmbH)

Miles Haley (Giovanni Ribisi) entdeckt im Netz interessante Hinweise.
Miles Haley (Giovanni Ribisi) entdeckt im Netz interessante Hinweise. (2007 Sony Pictures Releasing GmbH)

Datum: 12.04.2007

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Diskussion: "Verführung einer Fremden"

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