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Vollidiot

Vollidiot

(tsch) Die positiven Eigenschaften von Simon Peters sind übersichtlich. Er ist unzuverlässig, unverschämt, und so lange er eine Frau sucht, findet er all seine Ausrutscher und Peinlichkeiten in Ordnung. Tommy Jauds "Vollidiot" wurde zum Bestseller, selbiges soll nun der Verfilmung passieren. Mit "Wixxer"-Regisseur Tobi Baumann und Oliver Pocher als Rampensau.

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Oliver Pocher, man muss ihn nicht mögen. Und weil er das weiß, hat er, der Top-Comedian mit eigenem TV-Format, schon im Vorfeld alle Kritiker darauf hingewiesen, dass ihm ihre Meinung egal ist. Pocher hört es klopfen, bevor jemand vor der Tür steht. Sein Name erfüllt die Aufgabe, ein paar unbedarfte, allzeit nach Unterhaltung lechzende Menschen mehr in die Kinos zu bringen. Aber für den Film selbst ist Pocher, da mag er staunen, komplett irrelevant.

Tommy Jaud hat seinen Simon Peters wasserdicht angelegt. Im gefährlichen Alter von 29 Komma X wird für ihn jedes Aufwachen gleichermaßen zur Chance, noch ans Ziel zu kommen, am Abend war's dann doch nur eine Zerreißprobe für den Gefühlshaushalt. Peters ist hinterfotziger Telefonverkäufer und scheitert ausdauernd beim anderen Geschlecht. Seine Freunde Paula (Tanja Wenzel) und selbst der gutmütige Flik (Oliver Fleischer) haben bald die Nase voll von Simons Eskapaden. Denn er ist nur manchmal lustig und immer schwerer zu ertragen ...

Jaud verkaufte seinen Roman im ordentlichen sechsstelligen Bereich. Dass der Franke im wahren Leben Gag-Schreiber für TV-Formate (u.a. "Ladykracher") ist, erklärt deren hohe Quote. Für den Film wurden etliche Highlights, wie die Begegnung mit Rudi Assauer oder der letzte Urlaubsabend, gestrichen, und sogar Witze mit neuen Pointen versehen. Auch das verquere Wesen des Simon Peters wurde einigermaßen glattgebügelt, um nicht zu sagen reduziert. Frei erfunden wurde gar die Selbstmordszene zum 30. Geburtstag. Eine plakative Steigerung der Problematik, die 2003 schon "Herr Lehmann" und "Liegen lernen" behandelten, ein Jahr bevor Jauds Roman entstand.

Von pulsierender Popmusik gehetzt, stellt ein eiliges Intro Protagonist Simon Peters als einen vor, der als Einziger durch die extra eingerichtete Tür mit der Aufschrift "Ungevögelt" aus dem Urlaub zurückkommt, der in der Disco "Ficken" auf dem T-Shirt stehen hat. Man sieht, wo das hinführen wird. In ein Vakuum. Ausgelöst von der Milchaufschäumerin einer großen Kaffeekette, Marcia P. Garcia (Ellenie Salvo Gonzalez), die Peters messerscharf als zukünftige Mutter seiner Kinder erkennt. Die hohe Schlagzahl an Witzen und Schenkelklopfern versandet unvermittelt kurz nach der Hälfte des Films. Der Durchhänger lässt sich nicht kaschieren. Da kann das Drehbuch noch so großzügig Aha-Effekte einbauen, flächendeckend am Puls der Zeit, von der Sequenz im Stil der Echtzeitserie "24" bis hinunter zum "Media Markt"-Zitat, für den der Hauptdarsteller in seiner Freizeit blöde Gesichter schnitt.

Überhaupt scheint die eigentliche Aufgabe dieses Filmes Schleichwerbung zu sein, von allen Seiten ragen Produktnamen ins Bild. Das nimmt auch die Darsteller nicht aus: Von Herbert Feuerstein über Anke Engelke bis Hilmi Sözer laufen alle durch die Szenerie, als müssten sie sich mal wieder in Erinnerung rufen. Der Einzige, über den man schauspielerisch gesehen, ein wohlwollendes Urteil fällen kann, ist der, der absolut nichts in seinen Credits stehen hat: Oliver Fleischer als Sidekick Flik, durchaus angelehnt an Detlev Bucks Karl aus "Herr Lehmann".

Zwei Szenen charakterisieren die Komödie "Vollidiot" abschließend: Wenn sich der Antiheld endlich ins Abseits getreten hat, läuft er an einem orangen Schriftzug vorbei, auf dem tatsächlich "Was tun?" prangt. Und wenn die Outtakes im Abspann laufen, werden ständig die im Film vorkommenden, sich beömmelnden Polizisten gezeigt. Nur für den Fall, dass einer zweifelt, was jetzt zu tun ist. Unterm Strich wurde ein flacher Roman, der seine Hänger hat, zu einem Film verarbeitet, auf den aus anderen Gründen die Beschreibung ebenso passt. "Vollidiot" ist ein Rückfall, hinein in eine Drehbuchwelt, die dieses Land in den letzten Jahren überwunden glaubte. So tief unten hätte man nicht ansetzen müssen. Das haben die Romanverfilmungen von Frank Goosen und Sven Regener gezeigt.

Ach, Pocher? Die Frage danach, wie er war, ist noch offen. Er war der junge Mann, der den Film moderierte. Ja, das hat er gut gemacht. Kein einziger Versprecher.

Claudia Nitsche

Credits:
V:Senator, D 2007, R: Tobi Baumann, D: Oliver Pocher, Anke Engelke, Oliver Fleischer u.a.

Laufzeit: 102 Min.

Kinostart:
12.04.07


Mit einer Schönheitsmaske versucht Simon (Oliver Pocher), sein verkorkstes Leben wieder aufzupolieren.
Mit einer Schönheitsmaske versucht Simon (Oliver Pocher), sein verkorkstes Leben wieder aufzupolieren. (Senator)

Simon ist sich ganz sicher: Coffee-Shop-Bedienung Marcia P. Garcia (Ellenie Salvo González) wird die Frau seines Lebens.
Simon ist sich ganz sicher: Coffee-Shop-Bedienung Marcia P. Garcia (Ellenie Salvo González) wird die Frau seines Lebens. (Senator)

Zwischen Simon Peters (Oliver Pocher) und seiner Chefin (Anke Engelke) gibt es immer wieder Ärger.
Zwischen Simon Peters (Oliver Pocher) und seiner Chefin (Anke Engelke) gibt es immer wieder Ärger. (Senator)

Datum: 12.04.2007

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