Halle Berry

"Ich nehme mich selbst nicht allzu ernst"

Schauspielerin Halle Berry

(tsch) Das Warten hat sich gelohnt: Halle Berry kommt zwar eine Dreiviertelstunde zu spät zum vereinbarten Gesprächstermin, doch hat ihr vermutlicher Schönheitsschlaf gewirkt. Die mit dem Oscar geehrte und mit der Goldenen Himbeere verspottete Schauspielerin ist nach einer Reihe nur durchschnittlicher Filme wieder oben auf und zeigt in dem Thriller "Verführung einer Fremden" (Kinostart: 12.04.) an der Seite von Bruce Willis ihre Qualitäten. Hier sucht sie in der Rolle einer Journalistin nach dem Mörder ihrer Jugendfreundin. Der findet seine Opfer offensichtlich im World Wide Web. Im Interview spricht Halle Berry über Identitätswechsel, Wohl und Wehe des Internets und über ihren Wesenszug, stets mit dem Schlimmsten zu rechnen.

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teleschau: Nach Ihrem Oscar können Sie sich Ihre Rollen aussuchen. Was gab den Ausschlag für diesen Film?

Halle Berry: Ich habe noch nie einen solch ambivalenten Charakter gespielt. Es war meine Aufgabe, die Figur in ganz unterschiedlicher Weise zu präsentieren und doch eine einzige Person zu sein.

teleschau: Sie spielen eine Journalistin ...

Halle Berry: Ich wollte vor meiner Schauspielkarriere selbst einmal Journalistin werden, habe aber gemerkt, dass ich nicht dafür tauge. Dennoch interessiert mich die Arbeit immer noch. Hinzu kam, dass es mir das Thriller-Genre wirklich angetan hat. Ich glaube, dass ich nicht die Einzige bin, die sich Gedanken darüber macht, welche Geheimnisse andere Menschen verbergen.

teleschau: Was fasziniert Sie daran?

Halle Berry: Woher wollen wir wissen, hinter welchem freundlichen Gesicht sich in Wahrheit ein Chamäleon versteckt? Gerade das Internet bietet uns eine Vielzahl von Möglichkeiten, uns zu verstellen. Allein der Gedanke daran ist doch ungemein faszinierend.

teleschau: Was haben demnach aus diesem Film gelernt?

Halle Berry: Ich ertappe mich immer häufiger dabei, wie ich das wahre Wesen meines Gegenübers hinterfrage. Was stellt dieser Mensch eigentlich an, wenn er sich unbeobachtet fühlt? Was macht er zu Hause im verborgenen Kämmerlein? Verstellt er sich mir gegenüber? Diese Fragen verfolgen mich. Nehmen Sie das Beispiel eines Serienkillers wie Ted Bundy, der in den USA sein Unwesen trieb: Das war ein Mann, den wohl jede Mutter gerne von seinem Auftreten her als Schwiegersohn hätte haben wollen. Er war gepflegt, attraktiv und höflich. So etwas macht mich nachdenklich.

teleschau: Wird dieses Identitätengewirr durch die Filmindustrie nicht noch verstärkt?

Halle Berry: Im Gegenteil: Die Medien nutzen den Starrummel, um die wahre Identität eines Prominenten auszuschlachten. Deswegen liest man doch immer wieder, wann mal wieder ein Schauspieler in einer Rehabilitationsklinik ist oder anderweitige Schwächen zeigt. In Hollywood kann niemand sein Privatleben schützen. Daher ist jeder angehalten, sich lieber freiwillig zu offenbaren, weil es irgendwann eh von einem findigen Journalisten herausgefunden wird.

teleschau: Nun spielen Sie als von Paparazzi Gejagte selbst eine Journalistin, die Prominente ans Messer liefert, und haben sichtlich ihre Freude daran. War das für Sie nicht ein zweischneidiges Schwert?

Halle Berry: Überhaupt nicht. Ich kann manche Journalisten und ihr Tun zwar heute nicht besser verstehen als vor dem Film, und mit einigen vermeide ich es, auch nur ein Wort zu wechseln. Doch darf man diesen Berufsstand natürlich nicht über einen Kamm scheren. All die Jahre hatte ich größtenteils gute Erfahrungen mit den Medien, deren Job es nun mal ist, all die Sachen zu zeigen und zu schreiben, die auch mir manchmal nicht gefallen. Gelegentlich leide ich also darunter, genauso profitiere ich aber auch ab und an davon.

teleschau: Lesen Sie gern Artikel über sich?

Halle Berry: Das kommt schon vor. Zum Teil, weil ich dazu gezwungen werde; zum Teil, weil ich es nicht vermeiden kann und zufällig auf eine Geschichte über mich stoße. Das macht nicht immer Spaß, aber es ist auszuhalten. Hin und wieder ist auch etwas zum Lachen dabei. Neulich schrieb zum Beispiel jemand, ich hätte sechs Zehen am Fuß.

teleschau: Wie gehen Sie mit Kritik um?

Halle Berry: Ich nehme mich selbst nicht allzu ernst und daher auch Auszeichnungen nicht, die einem manchmal für die merkwürdigsten Leistungen überreicht werden. Die Goldene Himbeere zum Beispiel: Ich kam zur Verleihung, weil ich überzeugt bin, dass man auch Kritik einstecken können muss, um Lob wirklich zu verdienen. Außerdem gehört das alles mit zum Unterhaltungszirkus. Man muss Häme und Ehre mit demselben Stolz akzeptieren können, um zu sich selbst zu stehen. Nur wer über sich selbst lachen kann, kann Niederlagen hinter sich lassen und sich weiterentwickeln.

teleschau: Immer mehr Menschen finden mittlerweile auch ihr Liebesglück im virtuellen Netz. Fasziniert Sie das ebenso?

Halle Berry: Ich habe es selbst noch nie ausprobiert. Es ist aber ein sinnvoller Weg, einen Partner zu finden, ob nun fürs Leben oder nicht. Schließlich ist es manchmal schwer, auf einen anderen Menschen zu stoßen, mit dem man sich wirklich versteht. Trotzdem gruselt mich das Kennenlernen im Internet auch. Natürlich können wir Glück haben und den perfekten Fremden treffen, auf den wir unser ganzes Leben lang gewartet haben. Doch vielleicht ist es viel wahrscheinlicher, dass unsere neue Bekanntschaft lügt, dass sich die Balken biegen, und ganz andere Dinge im Schilde fügt als sich aufrichtig zu verlieben.

teleschau: Geht also vom Leben im Netz mehr Gefahr als Heil aus?

Halle Berry: Das kommt natürlich ganz auf den Nutzer an. Kinder sollten sich meiner Meinung nach nicht unbeaufsichtigt im Internet herumtreiben. Aber so ist es mit allen Dingen: Man muss halt immer vorsichtig sein.

teleschau: Haben Sie sich selbst bereits im globalen Netzwerk eingerichtet, vielleicht sogar ein "Second Life"?

Halle Berry: Davon habe ich noch nie etwas gehört. Ich gebe ja nicht mal gerne meinen Namen in Suchmaschinen ein. Da kommen meiner Erfahrung nach immer viel zu schreckliche Dinge zu Tage. Darauf habe ich gar keine Lust. Ich war aber bereits in Chaträumen, weil ich in diesen Gesprächszirkeln das zu finden glaubte, was ich im realen Leben einfach nicht mehr habe: Anonymität. Doch irgendwann war ich es leid, mich andauernd unter falschem Namen mit anderen Leuten zu unterhalten. Schließlich führt das ja zu nichts. Denn wenn ich mit jemandem rede, möchte ich mich auch öffnen können. Also versuchte ich es mit meinem echten Namen. Doch letztlich musste ich schmerzlich erfahren, dass mir die Leute eh nicht glauben, dass ich Halle Berry bin. Die halten mich dann eher für verrückt.

teleschau: Ähnlich würde es wohl Ihrem Filmpartner Bruce Willis ergehen. Wie haben Sie ihn überzeugt, die Rolle des geheimnisvollen Frauenhelden zu übernehmen?

Halle Berry: Ich habe ihm das Drehbuch einfach vorbeigebracht, schließlich sind wir Strandnachbarn in Malibu. Ich habe nicht einmal vorher angerufen, sondern bin einfach rüber gegangen, habe an seiner Tür geklopft und kurz Hallo gesagt. Er hat sich's durchgelesen und war begeistert.

teleschau: Die männliche Hauptrolle Ihres kommenden Films soll vakant sein. Werden Sie auch dafür wieder bei Ihrem Nachbarn klopfen?

Halle Berry: Billy Bob Thornton ist zwar für die Rolle vorgesehen, doch leider hat er noch nicht zugesagt. Für Bruce wäre das nichts. Es geht um Tulia, eine kleine Stadt in Texas, wo ein Großteil der schwarzen Bevölkerung unrechtmäßig wegen angeblichen Drogenhandels inhaftiert wurde. Ich spiele eine Indianerin aus New York, die in die Stadt kommt, um den Unschuldigen zu helfen. Der Film erzählt eine wahre Geschichte, die sich erst vor knapp acht Jahren zugetragen hat.

teleschau: Sie haben die Ausstrahlung einer Mittzwanzigerin, sind aber gerade 40 Jahre alt geworden. Was ist das Geheimnis Ihres Aussehens?

Halle Berry: Weil ich Diabetikerin bin, ist es für mich lebensnotwendig, mich vernünftig zu ernähren. Außerdem treibe ich Sport, um mich fit zu halten und meine gesundheitliche Situation kontrollieren zu können.

teleschau: Wie bedeutend war Ihr runder Geburtstag für Sie?

Halle Berry: An meinem Geburtstag selbst habe ich mein Alter gar nicht registriert, weil ich in diesem Zeitraum gerade die Arbeit an einem neuen Film begonnen hatte. Doch meine Umwelt hat schon sechs Monate vorher dafür gesorgt, dass ich die magische Zahl nicht ignorieren kann: Ständig fragten mich Leute, wie es denn sei. Was für eine Aufregung! Die Wahrheit ist, dass ich mich mit 40 besser fühle als mit 30, sogar besser als mit 20. Ich stehe nicht mehr unter dem Druck, alles planen zu müssen und die Last der Zukunft auf meinen Schultern zu tragen. Es ist in Ordnung, nicht zu wissen, wo es mit mir hingeht und was ich in zehn Jahren machen werde. Ich weiß nur, dass ich immer mein Bestes geben möchte.

teleschau. Sie wirken sehr ausgeglichen. Woher kommt's?

Halle Berry: Vielleicht liegt es an meinem neuen Hobby. Ich spiele seit Kurzem Golf. Möglicherweise liegt das an meinem Alter, aber in den USA spielen heutzutage auch 20-Jährige Golf. Tiger Woods hat das Image dieses vorher doch recht angestaubten Sports weltweit verjüngt und revolutioniert. Es ist auch kein exklusiver Männersport mehr. Meiner Meinung nach sind die Frauen aber noch nicht richtig gekleidet. Ich überlege daher sogar, eine eigene Modekollektion für Golferinnen zu entwerfen.

Leif Kramp


Im Film spielt Halle Berry die Journalistin Rowena Price (Halle Berry), die den Mord an ihrer Freundin aufklären will. Auch die 40-Jährige spielte schon mal mit dem Gedanken, Journalistin zu werden.
Im Film spielt Halle Berry die Journalistin Rowena Price (Halle Berry), die den Mord an ihrer Freundin aufklären will. Auch die 40-Jährige spielte schon mal mit dem Gedanken, Journalistin zu werden. (2007 Sony Pictures Releasing GmbH)

Halle Berry spielt in "Verführung einer Fremden" die attraktive Enthüllungs-Journalistin Rowena Price.
Halle Berry spielt in "Verführung einer Fremden" die attraktive Enthüllungs-Journalistin Rowena Price. (2007 Sony Pictures Releasing GmbH)

Rowena (Halle Berry) hat einen schrecklichen Verdacht.
Rowena (Halle Berry) hat einen schrecklichen Verdacht. (2007 Sony Pictures Releasing GmbH)

Datum: 12.04.2007

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