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Diane Kruger
Über die Angst vor dem, was anders istSchauspielerin Diane Kruger (tsch) Wegen dieser Frau wurde in "Troja" Krieg geführt und in "Merry Christmas" der Erste Weltkrieg unterbrochen. Jetzt spielt Deutschlands Hollywoodexport Diane Kruger (30) endlich einmal die Hausfrau von nebenan, im auf Tatsachen basierenden Anti-Apartheidsdrama "Goodbye Bafana" (Start: 12.04., Regie: Bille August). Doch auch das Leben von Gloria Gregory (Kruger) im zerrütteten Südafrika der 60er-Jahre ist alles andere als normal. Weil ihr Ehemann James (Joseph Fiennes), ein linientreuer Gefängnisaufseher, die afrikanische Xhosa-Sprache beherrscht, wird er in das Hochsicherheitsgefängnis Robben Island versetzt. Prominentester Gefangener dort: Bürgerrechtler Nelson Mandela (Dennis Haysbert). Gregory soll mit Hilfe seiner Sprachkenntnisse Mandela ausspionieren und dem südafrikanischen Geheimdienst Informationen über dessen Afrikanischen Nationalkongress (ANC) liefern. Doch je länger der Kontakt zwischen Gregory und Mandela andauert und je intensiver ihre Beziehung wird, desto mehr zweifelt der Weiße an der Politik seines Staates. Seine Skepsis ist aber nicht nur karriereschädlich, sondern führt auch zur schweren Familienkrise. Anzeige
teleschau: Welchen Bezug hatten Sie vor der Arbeit an diesem Film zu Südafrika? Diane Kruger: Ich drehte dort vor fünf Jahren meinen ersten Film, deshalb wusste ich schon so einiges über die Geschichte. Damals war ich sehr entsetzt, wie wenig Schwarze ich in Kapstadt sah. Ich erinnere mich, dass ich einmal eine Shopping Mall besuchte, als morgens die Geschäfte öffneten, und es waren nur Weiße zu sehen. Ich empfand das als sehr bizarr. Inzwischen hat sich das schon wieder verändert, es bildet sich langsam eine Art schwarze Mittelschicht, fast alle Townships haben fließendes Wasser und Strom. Aber das Land ist dennoch Generationen entfernt von so etwas wie einer Chancengleichheit für alle. Gloria Gregory lebt heute übrigens noch immer in Kapstadt. teleschau: Was interessierte Sie an der Rolle der eher unspektakulären Gloria? Diane Kruger: Zum ersten Mal durfte ich einen Alltagsmenschen spielen. Und eben nicht eine stilisierte Ikone oder ein Objekt der Begierde der männlichen Hauptfigur. Gloria Gregory war eine Figur, mit der ich mich identifizieren konnte. Außerdem war der Alterungsprozess, den ich in der Rolle durchmache, natürlich sehr interessant. Ein Mensch verändert sich über den Zeitraum von 20 Jahren doch gewaltig. Diese Veränderung war auch darzustellen, nachdem ich Gloria kennengelernt hatte. Sie ist heute in den Sechzigern, wirkt aber überhaupt nicht wie eine ältere Dame und hat sich figurmäßig hervorragend gehalten. Aber die ganze Make-up-Prozedur war anstrengend, dann musste ich einen Fat Suit tragen ... teleschau: ... den nimmt man aber fast nicht wahr. Diane Kruger: ... er war auch nicht so richtig fett! (lacht). teleschau: Wie gingen Sie damit um, dass Gloria Gregory an die Apartheid glaubte? Diane Kruger: Ich war froh, dass ich sie treffen durfte, um ihr all diese Fragen zu stellen. Denn auf dem Papier, nur nach Lektüre des Drehbuchs, fand ich es schwer, mich in sie hineinzuversetzen. Wie kann eine Mutter ihren Kindern erzählen, Rassentrennung sei richtig? Wie kann jemand glauben, andere Menschen seien Wilde? Wenn man sie dann trifft, dann versteht man sie besser. Sie ist eine einfache Frau, nicht sehr gebildet. Und auch wenn man sich ihre Lebensgeschichte anschaut, wundert man sich trotzdem, warum sie so viel länger brauchte als ihr Mann, um zu begreifen, was in Südafrika tatsächlich vor sich ging. teleschau: Haben Sie Ihr diese Frage gestellt? Diane Kruger: Natürlich, sie antwortete: "Wir lebten damals von der Welt abgeschnitten auf Robben Island, wo es bis 1976 kein Fernsehen gab und keine Zeitungen. Alles, was mich dort beschäftigte, war mein Job als Friseurin der anderen Frauen. Als James begann, mit Mandela zu sympathisieren, haben uns die anderen ausgeschlossen. Unsere Kinder wurden bedroht, niemand kam mehr in meinen Salon oder lud uns ein. Sie behandelten uns wie Aussätzige." Ich kann zumindest verstehen, warum sie zunächst begann, die Idee der Anti-Apartheid noch stärker abzulehnen. Weil sie in Glorias Mikrokosmos eine akute Bedrohung für ihre Familie darstellte. teleschau: Welche Lehren sollten wir aus der Apartheid ziehen? Diane Kruger: Also erstens bin ich kein Politiker. Und zweitens können Sie sich diese Frage doch selbst beantworten: Selbstverständlich ist Rassismus falsch. Aber überall auf der Welt haben die Menschen Angst vor dem, was anders ist. Heute haben sie Angst vor Moslems und Arabern. Also haben wir offensichtlich nicht sehr viel aus der Geschichte gelernt. Kerstin Lindemann |
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