Sarah Connor

So klang ihre Kindheit

Sängerin Sarah Connor

(tsch) Sie ist ein Star - und doch auf dem Boden geblieben. Seit mittlerweile sechs Jahren spielt Sarah Connor ganz oben mit, wenn es um englischsprachigen Pop aus Deutschland geht. Fünf Singles platzierte sie an der Spitze der deutschen Hitpraden, auch ihr letztes reguläres Studioalbum "Naughty But Nice" schoss auf die Pole-Position der Charts. Jetzt wagt die Delmenhorsterin den Ausbruch aus dem puren Pop-Gehege - und misst sich mit den Großen. "Soulicious" ist eine Cover-Platte, auf der die 26-Jährige Songs wie "Sexual Healing" oder "Son Of A Preacherman" interpretiert - Grund genug für ein Gespräch mit der zweifachen Mutter.

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teleschau: Sarah, ist es immer noch ein gutes Gefühl, die neue CD zum ersten Mal in der Hand zu halten?

Sarah Connor: Aber Hallo: Ich war wahnsinnig stolz, als ich das erste Finished Product von "Soulicious" überreicht bekam - weil ich mir eineinhalb Jahre lang Gedanken über dieses Projekt gemacht hatte. Klar, ich kannte vorher die Booklet-Seiten und auch die Tracks. Aber wenn Du dann das erste Mal die fertige CD in der Hand hältst, ist das schon ein tolles Gefühl - ich bin gespannt auf die Reaktionen der Fans.

teleschau: Auf dem Coverfoto sitzt Du zwischen alten Soul-Platten. Bist Du noch mit Vinyl groß geworden?

Connor: Ich bin genau in der Zeit aufgewachsen, in der dieser Bruch war, in der man anfing, CDs zu hören. Mit zehn, elf Jahren hatte ich natürlich meine zwei, drei Platten - da war übrigens "Bad" von Michael Jackson dabei, die ich immer noch besitze. Als ich dann älter wurde, bekam ich irgendwann einen CD-Spieler geschenkt, so einen Ghettoblaster. Meine erste CD war von der Kelly Family - auch wenn ich das nicht so toll fand, war ich ganz stolz ...

teleschau: Habt Ihr daheim denn überhaupt noch einen Plattenspieler?

Connor: Klar! In der letzten Zeit habe ich auch viele Schallplatten gehört. Mein Vater ging seine ganze Sammlung durch und brachte mir stapelweise alte Soul-Scheiben. Er hatte überall Notizen dazu gemacht - "Hör' das mal an, hör' das mal an", und so weiter. Und so saß ich stundenlang an unserer Anlage, trank Wein, rauchte und hörte mich durch all diese Alben durch.

teleschau: Was hat Soul in Deiner Kindheit für eine Rolle gespielt? Wann fing Musik an, Dein Leben zu prägen?

Connor: Das war sehr früh. Mein Großvater war Jazz-Pianist in New Orleans, mein Vater hörte immer Soul-Platten. Musik war also fester Bestandteil unseres Familienlebens. Sobald mein Vater aus der Arbeit kam, lief diese Art von Musik. Die hat auf mich vielleicht auch deshalb eine immens beruhigende Wirkung ...

teleschau: Welche Songs waren Deine Lieblinge?

Connor: Genau die Lieder, die ich jetzt auf dem Album singe - Stücke wie das wirklich wahnsinnige "Sexual Healing" von Marvin Gaye" oder "Son Of A Preacherman" von Dusty Springfield. Dann eben noch James Brown, Gladys Knight, Aretha Franklin ...

teleschau: Trotzdem hast Du Deine Karriere mit Popmusik begonnen ...

Connor: Ich hätte so ein Album vor vier Jahren noch nicht machen können. Ich war damals einfach noch nicht so weit. Jetzt, nach den letzten zwei, drei Jahren, in denen sehr viel passierte, habe ich das Gefühl, emotional handeln zu können. Diese Songs drücken Schmerz und Leidenschaft aus - und das sind Gefühle, die man erst nach einer Weile erfährt. Und jetzt kann ich das ausdrücken.

teleschau: War es schwierig, aus den Liedern Deiner Kindheit ein Dutzend auszuwählen?

Connor: Ja, schon. Wir hatten stundenlange Meetings, wo alle Beteiligten zusammensaßen. Am Ende saßen wir vier, fünf Stunden vor dem Flipchart, hörten ein Lied nach dem anderen und überlegten, was genau nun in Frage käme. Mir ging es vor allem darum, die Songs nicht zu verpoppen, nicht zu verhunzen, weil das eben All-Time-Favorites sind, denen ich mich mit Respekt nähern wollte. Und: Ich wollte sie in ihrer Original-Tonart lassen, das setzte natürlich Grenzen, weil so Stücke einiger männlicher Interpreten wegfielen.

teleschau: "Your Prescious Love" singst Du im Duett mit dem 1984 verstorbenen Marvin Gaye ...

Connor: Das war eine wahnsinnig spannende Sache, ich hätte vorher nie gedacht, dass das funktioniert. Es ist totaler Wahnsinn, absolut unfassbar. Als ich erfuhr, dass wir die Rechte bekommen würden und die Tonspur von Marvin Gayes Gesang verwenden dürfen, kniete ich nieder. Das ist übrigens das erste Mal, dass so eine Posthum-Aufnahme außerhalb Amerikas von Gayes Nachlassverwaltern genehmigt wurde.

teleschau: Es wäre doch eigentlich logisch, so einen Song auch in den USA zu veröffentlichen!

Connor: Vielleicht hast Du Recht, aber da habe ich mir noch keine Gedanken drüber gemacht. Ich denke jetzt erst mal an Deutschland - auch aus Erfahrungswerten heraus. Wenn ich das jetzt auch noch versuchen würde, die USA zu erobern, müsste ich immens viel Zeit investieren - und das würde bedeuten, dass ich meine Lieben lange Zeit nicht sehen würde.

teleschau: Was sagen die denn so zur Platte?

Connor: Denen gefällt's. Wobei mein Papa skeptisch ist, was die Erfolgsaussichten angeht, was eigentlich ein Kompliment ist. Er sagt nämlich, es sei zu sehr Soul, zu authentisch für die Hitparaden. Marc und die Kids finden es super.

Jochen Overbeck


Auf "Soulicious" singt Sarah Connor Stücke aus dem Soul-Songbook.
Auf "Soulicious" singt Sarah Connor Stücke aus dem Soul-Songbook. (Bothor / X-Cell Records)

Besitzt jetzt die Lebenserfahrung für die großen Soulsongs der 60er- und 70er-Jahre: Sarah Connor.
Besitzt jetzt die Lebenserfahrung für die großen Soulsongs der 60er- und 70er-Jahre: Sarah Connor. (Bothor / X-Cell Records)

Ein erhebendes Gefühl: Sarah Connor singt auf "Soulicious" gemeinsam mit dem 1984 verstorbenen Marvin Gaye.
Ein erhebendes Gefühl: Sarah Connor singt auf "Soulicious" gemeinsam mit dem 1984 verstorbenen Marvin Gaye. (Bothor / X-Cell Records)

Datum: 12.04.2007

Diskussion: "Sarah Connor"

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