(tsch) Es war der vierte und letzte Auftritt von Pierce Brosnan als Geheimagent James Bond, was damals im Jahr 2002 noch niemand ahnen konnte. Dem Zuschauer hätten sich ohnehin keine Gründe für einen Wechsel offenbart. Der Ire hatte sich eingelebt in der Rolle, sie wieder zurückgeführt zu jener Ernsthaftigkeit und Entschlossenheit, die sie in den 60er-Jahren mit Sean Connery ausmachte. Doch dann wurde bekannt, dass Daniel Craig als neuer 007 engagiert wurde. Brosnan gab bis zum Schluss an, die echten Gründe für den Wechsel nicht zu kennen. Spekulationen zielten auf überhöhte Gagenforderungen zum einen, zum anderen auf das Bestreben, Bond jünger zu machen und damit einem jüngeren Zielpublikum nahe zu bringen.
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"Stirb an einem anderen Tag", den RTL nun zum zweiten Mal zeigt, ist demnach der letzte Film Brosnans als Bond, und er macht die Unterschiede zur neuen Ära, die mit "Casino Royale" eingeläutet wurde, deutlich. "Stirb an einem anderen Tag" sieht sich klar in der Tradition der 007-Geschichte und präsentiert einen aalglatten, selbstbewussten Agenten, dem eigentlich niemand etwas anhaben kann.
Das Enttäuschendste vorweg: Der Titel "Stirb an einem anderen Tag" ist natürlich die genaue Übersetzung von "Die Another Day", klingt aber einigermaßen grauenhaft. Ähnlich wie vor einigen Jahren "Der Morgen stirbt nie" (1997), der wahrscheinlich schwächste der Brosnan-Bonds. Damals hetzte man 007 hinter einem wahnsinnigen Medienmogul her, der die Welt zerstören wollte, nur um am nächsten Tag als Erster die Schlagzeile zu haben. Dazu kam, viel schlimmer, dass diese Figur einfach nicht ernst zu nehmen und dem Geheimagenten in jeder Hinsicht unterlegen war. Bei "Stirb an einem anderen Tag" wurde indes begriffen, dass Bond nur über einen gleichwertigen, tatsächlich gefährlichen Schurken funktioniert.
Gustav Graves ist ausreichend wahnsinnig, besitzt eine gefährliche Superwaffe, mit der er die Welt bedroht und haust in einem Palast, der komplett aus Eis gebaut ist. Die Szenen dort gehören zum Ästhetischsten, was die Actionreihe bisher zu bieten hatte. Inklusive spektakulärer Autojagden. Toby Stevens spielt Graves und trifft genau den Ton, der seit jeher einen starken Bösewicht ausmacht: eitel, arrogant, auf den ersten Blick trotzdem freundlich.
Die Eröffnung gestaltet sich in "Die Another Day" gewohnt aufwändig und leitet in ein faszinierendes Intro über, begleitet von Madonnas untypischem, weil wenig flüssigem Bond-Song. Was folgt, zeigte 007 von einer bis dahin ungekannten Seite. 14 Monate wird er in Nordkorea gefangen gehalten und gefoltert. Dass ihm M (Judi Dench) nach der Befreiungsaktion die Lizenz zum Töten entzieht, ist mit Blick auf die Geschichte Bonds ziemlich unglaubwürdig und bringt die Story auch nicht sonderlich voran.
Korea, Hongkong, Kuba, London - das sind die Schauplätze des Abenteuers. "Bond 20" ist durchgehend spannend und orientiert sich dabei an Script-Mustern aus alten Tagen. Die Dialoge beschränken sich auf das Notwendige. Drei, vier spektakuläre Actionsequenzen. Und - ganz wichtig - die richtige Portion Humor.
Der Wechsel zu Craig, so urteilen Brosnan-Fans im Nachhinein, war inhaltlich eigentlich unnötig. Denn der Agent kam dank Brosnan bereits in der Gegenwart an, im 21. Jahrhundert, das Chauvis wie ihn eigentlich ächtet. Das liegt zum einen daran, dass Bond die Frauen inzwischen ernst nehmen kann. Mit Jinx (Halle Berry) wurde endlich ein adäquates Pendant gefunden: sexy, aber nicht dumm. Zum anderen ist "Die Another Day" auch stilistisch auf der Höhe der Zeit. Dezent arbeitet Regisseur Lee Tamahori mit "Matrix"-haften Tricks.
Kai-Oliver Derks
2002 gab Pierce Brosnan seine Abschiedsvorstellung als James Bond, was damals kaum jemand ahnen konnte. (RTL)
Erotischer geht's nicht: Halle Berry macht in der Rolle der amerikanischen Agentin Jinx eine gute Figur. (RTL)
Der nordkoreanische Killer Zao (Rick Yune) bereitet seine Waffe vor. Er will sich ein westliches Aussehen zulegen und unterzieht sich deshalb einem Umwandlungsprozess, in dem seine genetischen Merkmale verändert werden. (RTL)
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