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Avril Lavigne - The Best Damn Thing

Avril Lavigne The Best Damn Thing

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Frau Lavigne ist erwachsen geworden, das ist eine Tatsache, die schon ein Blick in ihre Biografie verrät. 22 ist sie mittlerweile und darf damit auch in den USA so ziemlich alles, auf das sie gerade Lust hat. Das ist sehr schön für sie und auch für uns - denn von Reimen wie "He was a sk8ter boi (sic!), she said see ya later boi" werden wir 2007 endgültig verschont. Kein Wunder, ihr Boy, Derrick Whibley von Sum41, ist mittlerweile ihr Ehemann. Traute Familienidylle? Schon möglich. Trotzdem, auf "The Best Damn Thing" müht sich Avril Lavinge, ein bisschen vom alten Image zu bewahren. Die Fahne der Rebellin hochzuhalten. Nein, sie möchte nicht die Vorzeige-Jungdame sein, die man im CD-Regal zweischen Jessica Simpson und Hilary Duff einordnet, aber eben auch nicht bei den Erwachsenen mitspielen. "The Best Damn Thing" zeigt, dass so ein Spagat schwierig ist.

Denn einerseits spielt Avril Lavigne immer noch mit optischen Codes, die ganz klar in die Jugend gehören. Die Farbe pink dominiert das CD-Cover, Logo ist doch tatsächlich ein Herzchen mit gekreuzten Knochen im Hintergrund. Das sieht aus wie eine Filiale der US-Modekette Hot Topic, so eine Art Pimkie für Punkrocker. Und die Musik klingt ähnlich. Klar, das ist alles hoch technisiert, super produziert und von Musikern eingespielt, die schon Ahnung von dem haben, was sie da tun.

Das Problem: Die Seele fehlt. Avril Lavigne versucht, eine gewisse Ernsthaftigkeit in ihre Songs einzubringen, zitiert - ganz behutsam - amerikanischen Mainstream-Rock der 70er-Jahre, dockt bei den Primitives an - aber eben auch bei P!nk und Gwen Stefani, deren musikalische Finesse sie freilich nie erreicht. Und die im amerikanischen Mainstream so verbreitete und oft etwas unglückliche Liebe zur Powerballade, die findet sich hier halt auch: "When You're Gone" heißt die bei Avril Lavigne - und ist leider weder thematisch, noch was den Gesang angeht, mehr als Durchschnitt. Das kann Kelly Clarkson einfach besser. Im Bereich des klassichen Bubblegum-Pops mit markiger Stromgitarren-Kante sind Avril Lavigne dagegen ein paar durchaus hübsche Nummern gelungen: "Everything Back But You" könnte auch von Blink 182 stammen, "Hot" mit seinen "Powerchords" und den durchaus anzüglichen Textzeilen macht ebenfalls Spaß, auch wenn die Nähe zu Joan Jetts "I Love Rock'n'Roll" doch etwas arg ins Auge sticht. Übrigens: "Girlfriend", den Opener des Albums, gibt's am Ende noch mal - als "German Version". Da wird der Refrain, dann auf Deutsch gesungen. "Hey Du, isch möschte deine Freundin sein" heißt es da. Und das klingt ziemlich gruselig.

So bleibt als Fazit: Eigentlich macht Avril Lavigne nichts falsch auf "The Best Damn Thing". Das Problem: Sie schafft es zu selten, mehr als nur nett zu sein. Für eine dauerhafte Karriere dürfte das kaum ausreichen.

Jochen Overbeck


Datum: 16.04.2007

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