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Nine Inch Nails - Year Zero

Nine Inch Nails Year Zero

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Na, das ging jetzt aber mal wirklich schnell! Brauchte Trent Reznor von "The Fragile" zu "With Theeth" noch gut und gerne sechs Jahre Zeit, sind's jetzt grad mal eineinhalb seit dem letzten Release. Ob's daran liegt, dass er es endlich geschafft hat, die Finger vom Alkohol zu lassen? Man weiß es nicht genau, aber die Vermutung liegt doch recht nahe. Mit großem Tamtam kündigte sich "Year Zero" jedenfalls schon etwas länger an: da gab es Verschwörungstheorien im Netz, es wurden absichtlich USB-Sticks mit Auskopplungen aus dem Album auf diversen Toiletten dieses Planeten hinterlassen, usw. Und hat's was geholfen? Wenigstens bei der Antwort auf diese Frage ist alles beim Alten geblieben: Das kann man jetzt noch nicht so genau sagen.

Es wird recht schnell deutlich, dass dieses Album anders ist - und dabei beginnt alles so vertraut. Der Opener "HYPERPOWER!" hätte sich - genauso wie das darauf folgende "The Beginning Of The End" - auch auf den beiden Vorgängern recht wohl gefühlt. Echte Drums werden geschlagen, die Gitarren knarrzen verzerrt aus den Boxen, Reznor singt und schreit. Soweit, so bekannt. Spätestens bei "Survivalism" ist dann aber Schluss damit, und "Year Zero" offenbart sein wahres Gesicht, und gibt mit elektronischen Loops und Samplings ganz klar die Marschrichtung für alles, was noch kommen mag an.

So kämpft sich der Hörer fortan durch ein Geflecht von düsteren synthetischen Klängen und Verzweiflung ("Me, I'm Not"), aber auch von intimen Klängen des Pianos und einer gewissen surrealistischen Hoffnung ("Another Version Of The Truth"). "Year Zero" ist randvoll gepackt mit teils irrwitzigen aber genialen Ideen, die ihre Zeit brauchen, um zu zünden. "The Great Distroyer" ist das Paradebeispiel eines Songs, der so innovativ und ungewohnt daher kommt, dass er zunächst verwirrt, später aber zu einer wahren Perle der gesamten Tracklist heranreift. So verlangt das Album eine große Portion Ausdauer, denn mit ein paar Durchläufen ist es hier nicht getan. Und es wäre schade darum, schon vorzeitig abzuwinken.

Nine Inch Nails verändern sich stetig, und wer darauf hofft, dass der neue Output genau so klingt, wie das, was eben noch aktuell war, wird sehr wahrscheinlich enttäuscht werden. "Year Zero" ist weder ein selbst-zerfetzendes Monstrum aus Blut und Metal á la "The Down Spiral" geworden, noch jenes zerbrechliche und mitreißende Meisterwerk wie "The Fragile" oder ein Abschütteln von alten Lasten, wie sie auf "With Teeth" zu hören ist - wenn überhaupt ließe es sich am ehesten noch mit dem Remix-Album "Things Falling Appart" vergleichen. Dies zu akzeptieren, fällt zunächst schwer, doch Gott sei Dank bleibt bei all dieser Veränderung eine große Konstante: Trenz Reznor, und der bürgt durch seine musikalische Finesse schließlich mit seinem Namen.

Michael De Meyer


Datum: 16.04.2007

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