(tsch) Eigentlich drängt es jeden 69-Jährigen in seinen wohlverdienten Ruhestand. Robert Redford hingegen dreht fleißig weiter, wenn auch nicht mehr als einen Film pro Jahr: 2004 war er im Drama "Ein ungezähmtes Leben" zu sehen. In der Kinderbuchverfilmung "Schweinchen Wilbur und seine Freunde" (2006) wirkte er als Sprecher mit. Der Thriller "Lions for Lambs", unter anderem mit Tom Cruise und Meryl Streep, soll Ende 2007 in die Kinos kommen. Allesamt keine Action-Kracher, jedoch recht emotionale Produktionen, die Redfords Ikonisierung zementieren. Vor inzwischen neun Jahren gab er den Pferde- und Frauen-Versteher. Und dabei hat nicht nur die Belegschaft der Altersheime für ihn geschwärmt, sondern er begeisterte alleine in Deutschland über vier Millionen Kinogänger: Sex-Symbol mit 61 - wenn das einer hinkriegt, dann der Redford.
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Redfords "Pferdeflüsterer" (1998) hat inhaltlich nur wenig gemeinsam mit Nicholas Evans' populistischem Bestseller-Melodram. Stattdessen nahm sich der Schauspieler, Regisseur und Produzent - hier erstmals in Personalunion - die Freiheit, einen Archetypus des amerikanischen Kinos wieder auferstehen zu lassen, indem er die weite Landschaft Montanas zu seinem Hauptdarsteller erklärt.
Zwar erinnern die malerischen Breitwand-Bilder oft allzu deutlich an die Werbeästhetik einer Zigarettenmarke, doch letztlich ist es gerade die Nähe zur Natur, die den schmerzhaften Selbstfindungsprozess aller beteiligten Personen beschleunigt. Auslöser der Geschichte ist ein dramatischer Reitunfall, der das Leben der New Yorker Familie MacLean völlig durcheinander bringt.
Die 14-jährige Grace (Scarlett Johansson) leidet seitdem nicht nur unter ihrem verstümmelten Körper - ihr musste ein Bein amputiert werden - auch ihre Seele sträubt sich gegen den tristen Alltag. Ebenso ergeht es ihrem Pferd Pilgrim, das keinen Menschen mehr an sich heranlässt und deshalb erschossen werden soll. Doch Mutter Annie (Kristin Scott-Thomas), taffe Chefredakteurin eines Lifestyle-Magazins, weiß, dass seine Genesung eng mit der ihrer Tochter zusammenhängt.
Sie setzt fortan alle Hebel in Bewegung, um einen "Pferdeflüsterer" ausfindig zu machen, der die verletzte Seele des Tieres heilen kann. Auf Tom Bookers (Redford) Farm in Montana finden jedoch nicht nur Grace und Pilgrim wieder zusammen, auch Annie und der wortkarge Cowboy kommen sich näher und beginnen, ihr Leben zu überdenken.
Natürlich weiß Robert Redford, dass jedes gute Kinodrama einen Helden und im besten Fall eine Liebesgeschichte braucht. Dass er allerdings auf die obligatorische Bettszene verzichtet, mag daran liegen, dass auch an einem Sexsymbol die Jahre nicht spurlos vorübergehen. Also verlässt sich der alternde Frauenschwarm auf sein Charisma. Jeder Blick tut seine Wirkung, und Redfords blaue Augen bringen noch so manches Blut in Wallung.
Jutta Schnabel
Robert Redford spielt Tom Booker, den Pferdeflüsterer. (vox)
Annie (Kristin Scott Thomas) beginnt das einfache Dasein auf der Farm der Bookers und das Leben im Rhythmus der Natur zu lieben. Und auch zu Tom (Robert Redford) fühlt sie sich hingezogen. (vox)
Tom (Robert Redford) will nur mit Pilgrim arbeiten, wenn Grace (Scarlett Johnson) ihn dabei unterstützt. (vox)
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