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Little Children

Little Children

(tsch) Gleich mit seinem Regiedebüt "In the Bedroom" gelang Schauspieler Todd Field ("Eyes Wide Shut") 1991 ein Überraschungserfolg, der der Academy fünf Oscar-Nominierungen wert war und seinen Autoren-Regisseur zum neuen Hoffnungsträger des US-Kopfkinos machte. Präzise Dialoge, herausragende Darsteller und stimmige Bilder zeichneten das (Rache-)Drama aus, dem er jetzt eine packende, vorzüglich beobachtete Personenstudie folgen lässt: "Little Children".

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Satirisch und giftig im Ton - kontrastiert von einem bitterböse-belustigenden, literarischen Off-Kommentar - begibt sich der Filmemacher nach dem Roman von Co-Drehbuchautor Tom Perrotta ("Election") erneut in die amerikanische Suburbia. Hier lebt zwischen akkurat gemähten Grünflächen, penibel gestrichenen Zäunen und schmucken Einfamilienhäusern Sarah (Kate Winslet), einst aspirierende Literaturwissenschaftlerin, die die Karriere dem tristen Hausfrauendasein geopfert hat.

Mit drei Freundinnen, die sie eher dulden als mögen, verbringt sie ihre Tage am Spielplatz. Bis Brad (Patrick Wilson) mit seinem Kinderwagen auftaucht. Ein Bild von einem Mann, dem die Frauen das Etikett "Prom King" verpassen. Eine Nacht in seinen Armen, das wär's ... - Und so kommt es, dass es Sarah auf Grund einer Wette wagt, Brad anzusprechen und sich gar von ihm küssen lässt. Skandal!

Paranoia bestimmt diesen Post-9/11-Film, der mosaikartig eine aus den Fugen geratene Gesellschaft beschreibt. Die Kinder scheinen erwachsener, reifer als ihre Schutzbefohlenen, die Normalität hat längst aufgehört zu existieren. Verrückte, Entwurzelte, wohin man schaut: Sarahs Mann (Gregg Edelmann) sitzt mit Slip auf dem Kopf onanierend vorm Computer, derweil es die Gattin auf der rumpelnden Waschmaschine mit dem neuen Liebhaber treibt. Der sollte eigentlich für seine Juraprüfung lernen, sieht aber lieber den Kids beim Skateboardfahren zu, während die bildhübsche Dokumentarfilmer-Gattin (Jennifer Connelly) so sehr mit dem Leben anderer beschäftigt ist, dass sie darüber das eigene aus den Augen verliert.

Und dann ist da noch der verurteilte Kinderschänder Ronnie (Jackie Earle Haley), der aus dem Gefängnis entlassen wieder zu seiner dominanten Mutter (Phyllis Somerville) zieht, die nun alles dran setzt, ihn unter die Haube zu bekommen und der er versprechen muss, fortan ein "braver Junge" zu sein. Was er in den Augen des abgetakelten Ex-Cops Larry (Noah Emmerich) nie schaffen wird. Und so bepflastert der die Nachbarschaft mit Steckbriefen des "Monsters", setzt ihm Tag und Nacht zu. Bis Ronnie die Nerven verliert und selbst dafür sorgt, dass er nie mehr ein "schlimmer Junge" wird sein können.

Im Bermuda-Dreieck zwischen Shopping Mall, Spielplatz und Schwimmbad siedelt Field seine "Feldstudie" an, berichtet von geplatzten Träumen und zerronnenen Illusionen, beschreibt, wie weit Wunsch und Wirklichkeit nach glücklichen Anfängen dann in der Ehe auseinanderdriften. Kindererziehung wird zum Wettstreit, der richtige Buggy zum Statussymbol. Nichts ist mehr da von der "American Beauty". Habgier und Hass, Vorurteile und Vorstadt-Frust bestimmen das Dasein. Geschickt verlinkt der Regisseur die Wege seiner Protagonisten, die einzelnen Vignetten fügen sich allmählich zum großen Tableau.

Funktional sind Antonio Calvaches Bilder, fast bescheiden, zurückgenommen - ganz im Gegensatz zum wuchtigen Spiel des hervorragend harmonierenden Ensembles. Eine Klasse für sich ist Kate Winslet als Sarah, die noch einmal Hoffnung schöpft, vom Neuanfang träumt und unsanft auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt wird. Dem strahlenden Sommertag folgt eben immer das heftige Gewitter - und auch das fröhliche Treiben im Freibad hat ein jähes Ende, wenn Ronnie mit Taucherbrille bewehrt zwischen den spielenden Kindern hindurchtaucht: Panik wie weiland beim "Weißen Hai". Das Lachen bleibt einem abrupt im Halse stecken. Ein blitzgescheiter Horrorfilm, der dieser Bezeichnung auch gerecht wird.

Gebhard Hölzl

Credits:
V:Warner, USA 2006, R: Todd Field, D: Kate Winslet, Jennifer Connelly, Patrick Wilson u.a.

Laufzeit: 136 Min.

Kinostart:
26. April 2007


Beim Kuscheln mit Tochter Lucy (Sadie Goldstein, rechts) denkt Sarah Pierce (Kate Winslet) über ihre unglückliche Ehe nach.
Beim Kuscheln mit Tochter Lucy (Sadie Goldstein, rechts) denkt Sarah Pierce (Kate Winslet) über ihre unglückliche Ehe nach. (2006 Warner Bros. Ent.)

Brad Adamson (Patrick Wilson) und Sarah Pierce (Kate Winslet) erleben einen aufregenden Sommer.
Brad Adamson (Patrick Wilson) und Sarah Pierce (Kate Winslet) erleben einen aufregenden Sommer. (2006 Warner Bros. Ent.)

Kathy Adamson (Jennifer Connelly) kann ihrem Ehemann Brad nicht so richtig trauen.
Kathy Adamson (Jennifer Connelly) kann ihrem Ehemann Brad nicht so richtig trauen. (2006 Warner Bros. Ent.)

Datum: 23.04.2007

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