Lieben und lassen
Lieben und lassen(tsch) Es war halt alles schon da. Einfach ist es nicht mehr, noch Themen zu finden. Aber den Bräutigam sterben zu lassen, damit die junge Witwe den alten Kumpel von ihrem toten Freund kennenlernt, um sich in den zu verlieben: Das geht nun wirklich zu weit. Zu makaber, da kann sich die Drehbuchautorin noch so viel Mühe geben. Der Schuss muss nach hinten losgehen. Oder nicht? Susannah Grant machte sich als Drehbuchautorin und Regisseurin an diese Aufgabe, gelang es ihr doch schon, "In den Schuhen meiner Schwester" zu einer ganz und gar nicht oberflächlichen Komödie hinzubiegen. Doch vor allem schrieb die 44-jährige New Yorkerin den Roman "Erin Brockovich" und bewies, dass man skurrile, eigentlich nur ungewöhnliche Figuren nicht der Lächerlichkeit preisgeben muss, wenn man ihre Motive plausibel macht. "Lieben und lassen", die Story um die junge Kleinstadtwitwe, suchte sie sich für ihr Debüt hinter der Kamera aus. Wenn die Perfektion bröckelt, beginnt das Leben fürs Kino und insbesondere für diese Autorin interessant zu werden. Sie platzierte den hübschesten derzeit verfügbaren Schmollmund samt abstehenden Ohren in der Hauptrolle: Jennifer Garner, die Texanerin, die gerade ihren 35. Geburtstag feierte, ist Gray Wheeler. Ihr obliegt die Aufgabe, zwischen Tränen und Trauer die Leichtigkeit in der alten WG ihres Freundes (der im ganzen Film nicht zu sehen ist) aufleben zu lassen. Sie recherchiert, entdeckt seine verborgenen Seiten, wie die regelmäßig bezahlten Alimente für einen Sohn, von dem sie nichts ahnte. Dass der mit seiner Mutter (Juliette Lewis) in der Stadt auftaucht, sollte das Unternehmen "Lieben und lassen" endgültig zum Scheitern verurteilen. Doch statt einer einfältigen Schmonzette im Telenovela-Format entwickelt Susannah Grant eine Romantic Comedy mit (zwischenmenschlichen) Zügen. Die für einen kurzen Zeitraum in einem Ausnahmezustand zusammengewürfelte Patchwork-Gemeinde aus alten Kumpels, den beiden Frauen und dem kleinen Jungen wird zum Kulturclash, in dem jeder etwas lernt. So begreift Mitbewohner eins (Sam Jaeger) den Unterschied zwischen Freundschaft, Liebe und Schwärmerei; der allzeit Witze reißende Daueresser Sam (Kevin Smith) setzt sich mit dem Ernst des Lebens auseinander und Sexmaniac Fritz (Timothy Olyphant), der ungebetene Gast aus Los Angeles, darf auch mal seine zuverlässigen Seiten zeigen. Juliette Lewis mäandert zwischen überdrehter Hippie-Tussi und verantwortungsvoller Mutter, und Jennifer Garner, die ihr Mimik-Repertoire seit "30 über Nacht" nicht verändert hat, setzt es diesmal an den richtigen Stellen ein. Susannah Grant wickelt mit ihrem Film besonders die weiblichen Zuschauer ein, ganz klar. Aber sie macht es so geschickt, dass man allen Beteiligten nach den 124 Minuten nur das Beste wünscht. Dabei fühlte sich die drehbucherfahrene Regisseurin zwischenzeitlich so sicher, dass sie den Romantikhahn mehr und mehr aufdreht. Sie lässt Fritz und Gray durch die sonnendurchflutete Natur schlendern, wo der animalische, zuweilen an einen Mix aus Bon Jovi und dem jungen Jack Nicholson erinnernde Playboy gezähmt wird und einige hübsche Sätze in den Mund gelegt bekommt. Obwohl es im Grunde so ist, dass Gray statt einem nun drei Männer bekommt, schafft es "Lieben und lassen" auch durch Juliette Lewis' differenzierte Performance, die Spannung zwischen den Personen aufrechtzuerhalten. So kann sich Susannah Grant, nachdem sie die Grundlage für Julia Roberts' Oscargewinn für "Erin Brockovich" 2001 gelegt hat und Cameron Diaz "In den Schuhen meiner Schwester" darstellerisch einen Schritt voranbrachte, nun zum dritten Mal anheften, populären Schauspielerinnen ihr wahres Potenzial zu entlocken. Doch auch die anderen Akteure nutzen für ihre Figuren den Raum und setzen das herausfordernde Drehbuch zu einem gelungenen Werk um. Claudia Nitsche |
Credits: Laufzeit: 112 Min. Kinostart:26. April 2007 |
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